Schwellenländer
Diese Anlagestrategie ist MIST

Die Zeit der großen Schwellenländer, den Brics, scheint vorbei. Gefragt sind stattdessen die „MIST“-Staaten, sagt ein Top-Banker von Goldman Sachs. Doch was verbirgt sich dahinter? Und kann man damit Geld verdienen?

Düsseldorf/Mexiko-StadtJim O'Neill ist weltbekannt für seine Ideen. 2001 ersann der Chef von Goldman Sachs Asset Management den Namen "BRIC". Einen Kunstbegriff, der in den folgenden Jahren Tausende Kleinanleger in Deutschland beschäftigen sollte. Die vier Buchstaben stehen für Brasilien, Russland, Indien und China, also jene aufstrebenden Länder, denen so viele Volkswirte eine glorreiche Zukunft vorhersagten. Die Anleger, und das war das große Versprechen, sollten teilhaben an diesem unvorstellbaren Boom, wenn sie Fonds kauften oder Zertifikate, die in Aktien der vier Länder investierten.

Für die Marketingabteilungen der Banken und Fondsgesellschaften war O'Neills Idee ein wahrer Segen. "BRIC", das klang griffig, das ließ sich sehr gut vermarkten. Jede noch so kleine Fondsboutique oder Bank brachte ein entsprechendes Anlageprodukt auf den Markt. "Verdienen Sie an den großen Schwellenländern", stand in den bunten Verkaufsprospekten. Ein Dorado für Investoren, auch für Kleinanleger.

Ein Jahrzehnt später fällt die Bilanz vieler BRIC-Fonds mäßig bis schlecht aus. Jim O'Neill, der Namensgeber, hatte zwischenzeitlich seinen Schwellenländerfokus erweitert. Unter dem Begriff "Next Eleven" fasste er elf Schwellenländer, sehr viel kleiner und für Investoren attraktiver als die BRICs, zusammen, darunter Pakistan, Ägypten oder Vietnam. Die Lieblinge O'Neills sind mittlerweile aber ganz andere, nämlich Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei. Packt man deren Anfangsbuchstaben wiederum zusammen, ergibt das den Begriff "MIST". Leicht zu merken, in manchen Kulturkreisen aber nicht eben positiv besetzt.

O'Neill legt deshalb großen Wert darauf, dass dieser Begriff nicht von ihm stamme, ausnahmsweise. Wer ihn letztlich in die Welt gesetzt hat, ist nicht geklärt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat ihn zumindest zuletzt aufgegriffen. Das Bruttoinlandsprodukt der vier Staaten jedenfalls hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr trugen sie rund 73 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Next-Eleven-Länder bei. Keine schlechte Bilanz.

Aber nicht alle können sich für Abkürzungen begeistern, sind sie auch noch so griffig. "Ich war noch nie ein großer Verfechter von Akronymen beziehungsweise pauschalen Anlageempfehlungen wie BRIC, Next Eleven oder auch MIST", sagt Nick Price, Fondsmanager bei Fidelity. "Als Investor suche ich nach profitablen Unternehmen mit einer starken Marktposition, die fair bewertet sind. Die Projektionen zu Bruttoinlandsproduktentwicklung und Demografie, die den Trendformulierungen von BRIC bis MIST zugrunde liegen, sind natürlich wichtig. Sie sind aber bei weitem nicht das A und O des erfolgreichen Investors." Mag sein. Viele Investoren werden trotzdem auf die MIST-Staaten schauen. Handelsblatt Online stellt die vier Staaten im Folgenden vor. Ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen - und wie Anleger dort investieren können.

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