Den Ruf des Templeton-Fonds bei Anlegern, auch in schweren Zeiten eine Bank zu sein, hat jene Krise gefestigt. Auch langfristig hat der TGF eine starke Bilanz vorzuweisen: gut zehn Prozent Rendite pro Jahr in den vergangenen 53 Jahren. Goldene Zeiten für die Fondsanleger.
Zuletzt hatten Sir Johns Erben aber deutlich weniger Glück mit ihrem Depot. Auf Sicht von einem, drei und fünf Jahren fiel der Fonds weit hinter den Vergleichsindex MSCI World und den eigenen Ansprüchen zurück. In den vergangen zwölf Monaten standen bei der Euro-Version Verluste von rund 25 Prozent zu Buche. Der Vergleichsindex MSCI World verlor 18 Prozent; andere globale Aktienfonds legten sogar zu.
Die Fondsexperten aus Kalifornien hatten die Rally an den Rohstoffmärkten vollkommen unterschätzt und Aktien aus diesem Bereich viel zu früh verkauft. Stattdessen setzte Templeton auf Technologie und Telekommunikation - bislang mit mäßigem Erfolg. Siemens, Microsoft und Vodafone gehören derzeit zu den größeren Positionen im Portfolio.
Die verwöhnten Kunden wurden ungeduldig. Immer häufiger klingelten die Telefone von Finanzmaklern und Bankberatern; am anderen Ende der Leitung war meist ein aufgebrachter Kleinanleger, der um seine Altersvorsorge fürchtete. Die Schwächephase kam auch bei den Ratingagenturen nicht gut an: Morningstar korrigierte sein Urteil für die Euro-Variante des Fonds von fünf auf zwei Sterne. Ihr Dollar-Bruder bekam nur deshalb drei Sterne, weil er schon länger am Markt ist und über einen Bewertungszeitraum von zehn Jahren gut abgeschnitten hatte. Abgeschrieben haben die Experten den Fonds aber noch lange nicht: "Der Templeton ist und bleibt mit seiner Strategie für langfristig orientierte Anleger empfehlenswert", sagt Morningstar-Analyst Alexander Ehmann.
Mitten in der Schwächephase nahm dann auch Fondsmanager Murdo Murchison seinen Hut; aus eigenen Stücken, wie es bei Templeton heißt. Den Schotten ziehe es mitsamt Familie zurück in die Heimat nach Edinburgh. In der Branche wurde daraufhin spekuliert, ob man ihn möglicherweise mitsamt Hut vor die Tür gesetzt habe - wegen der unterirdischen Wertentwicklung des Fonds im vergangenen Jahr. Auf den Schotten folgte Anfang Januar eine US-Amerikanerin. Cindy Sweeting arbeitet seit elf Jahren bei Franklin Templeton Investments; in den letzten vier Jahren hat sie das Aktien-Research der Gesellschaft geleitet.
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