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02.02.2008 
Außergewöhnliche Geldanlage

Das Rennen um das beste Pferd im Stall

von Christian Panster

Rennsport und Pferdezucht haben sich zu einem Millionengeschäft entwickelt, bei dem mutige Investoren mit etwas Glück reich werden können. Wer mit Rennpferden Geld verdienen will, sollte aber nicht alles auf eine Karte setzen. Anleger sind besser beraten, sich an Fonds zu beteiligen.

Ein Pferd wie Seabiscuit wünscht sich jeder Investor. 2003 wurde die Geschichte mit US-Schauspieler Tobey Maquire als Jockey verfilmt. Foto: ReutersLupe

Ein Pferd wie Seabiscuit wünscht sich jeder Investor. 2003 wurde die Geschichte mit US-Schauspieler Tobey Maquire als Jockey verfilmt. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Mit vier Längen Vorsprung galoppiert der braune Hengst über die Ziellinie. 40 000 Zuschauer auf der Pimlico-Pferderennbahn in Baltimore, Maryland/USA, jubeln ihm zu. Seabiscuit hat soeben das "Jahrhundertrennen" gegen den scheinbar übermächtigen War Admiral gewonnen. 40 Millionen Amerikaner saßen an jenem 1. November 1938 vor ihren Radiogeräten und lauschten gebannt der Übertragung des ungleichen Duells. Gelegentlich wurde behauptet, dass Seabiscuit in den USA dieser Tage mehr Zeitungsseiten füllte als Franklin D. Roosevelt und Adolf Hitler zusammen.

Auch heute, knapp 70 Jahre später, ist der "Mythos Seabiscuit" lebendig. 2003 wurde die Geschichte des Rennpferdes verfilmt und für sieben Oscars und zwei Golden Globes nominiert. Zum Straßenfeger taugen Pferderennen heute zwar nicht mehr; in Deutschland sind sie aus der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie verschwunden. Dennoch haben sich Rennsport und Pferdezucht zu einem Millionengeschäft entwickelt, das weltweit Pferdenarren verbindet. Mutige Investoren können mit etwas Glück reich werden, denn besonders die arabischen Scheichs stecken viel Geld in ihre Gestüte. Sie wollen Siege auf der Rennbahn sehen. Koste es, was es wolle.


Tabelle  Infografik: Deutsche "Vollblut-Millionäre"


Wer sich in Deutschland ein Rennpferd zulegen will, kommt nicht an Baden-Baden vorbei. Dort wird auf den Jährlingsauktionen der Pferdenachwuchs versteigert - das Beste, was der heimische Markt zu bieten hat. Jährlinge heißen Jungpferde im Alter von etwa einem Jahr. Zwischen 3 000 und 300 000 Euro muss hier zahlen, wer ein solches englisches Vollblut mit in seinen Stall nehmen will. Das englische Vollblut gilt als besonders edle Rasse, dessen Ahnentafel 30 Generationen weit bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Die Käufer kommen aus aller Welt nach Baden-Baden. "Engländer, Japaner oder die Ölscheichs sind nach wie vor bereit, für ein gutes deutsches Rennpferd viel Geld auf den Tisch zu legen. In diesen Ländern haben Pferde kulturell und gesellschaftlich - aber auch wirtschaftlich - einen völlig anderen Stellenwert als bei uns", sagt Pferdezüchter Christoph Berglar.

Der Kölner Bankier Georg Baron von Ullmann hatte 2002 den jungen Hengst Manduro für 130 000 Euro in Baden-Baden ersteigert - zum Schnäppchenpreis, wie sich später herausstellen sollte. Seither hat Manduro rund 1,5 Mill. Euro an Rennprämien gewonnen und die Spitze der Weltrangliste erobert, ehe er sich im vergangenen September beim Prix Foys in Frankreich das Hinterbein schwer verletzte und seitdem keine Rennen mehr laufen kann. Wichtiger als die Rennprämien ist aber die Wertentwicklung. Sie hängt neben den Rennerfolgen von der Abstammung und den Zuchtergebnissen ab. Baron von Ullmann hat Manduro mittlerweile an Scheich Mohammed, den Herrscher von Dubai, verkauft. Es wird gemunkelt, der Kölner habe für den Hengst mindestens 20 Mill. Euro kassiert.

Über Geld redet man in der Branche nicht gerne. Scheich Mohammed wird Manduro zum Deckhengst in seinem Gestüt machen. Die Investition könnte sich auszahlen: Der 26-jährige Deckhengst Sadler?s Wells etwa bringt der Gestütsgruppe Coolmore mit Liebesdiensten Jahr für Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in die Kasse.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Pferdesport - Spannung, Spaß und Leidenschaft

Eine solche Wertsteigerung wie im Falle Manduro ist allerdings die Ausnahme. "Die Preise für mäßig begabte Pferde stagnieren, während für Top-Pferde auch Top-Preise gezahlt werden", sagt Peter Brauer vom Direktorium für Vollblutzucht und Rennen. Anfänger sollten sich nicht von möglichen Traumrenditen blenden lassen. Es ist schwer, das richtige Pferd zu finden, und die Konkurrenz ist groß. Immerhin bieten Gestüte aus aller Welt - darunter die Königin von England - für die aussichtsreichsten Pferde. Investoren sollten nur selbst mitbieten, wenn sie über Erfahrung und genügend Spielgeld verfügen. Anfänger dagegen brauchen bei der Auswahl professionelle Hilfe.

Vergaloppieren können sich die Anleger auch bei den laufenden Kosten ihres Investments: Ein Rennpferd ist nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Neben dem Kaufpreis fallen Kosten für Futter, Tierarzt, Hufschmied, Versicherung und Training an. In der Regel geben die stolzen Pferdebesitzer ihren Schützling in die Obhut eines erfahrenen Trainers. Er bereitet das Pferd auf die Wettkämpfe vor. Im Schnitt kostet die Vollpension im Stall eines Trainers 12 000 bis 15 000 Euro im Jahr. Spitzentrainer verlangen deutlich mehr. Das Risiko, dass sich das Investment letztlich nicht auszahlt, ist groß. "Eine Faustregel besagt, dass im Durchschnitt aller in Deutschland trainierten Rennpferde die Gewinne und sonstigen Einnahmen etwa 45 Prozent der Kosten decken", sagt Berglar. Mehr nicht. Sollte das Pferd kränkeln oder gar früh sterben, ist das investierte Geld weg.

Anfänger sind daher gut beraten, sich nicht gleich ein eigenes Pferd zu kaufen, sondern sich an einem zu beteiligen. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland zahlreiche Besitzergemeinschaften, Clubs, Pools und Syndikate, über die Anleger in Pferde investieren können. Je mehr Tiere eine Gemeinschaft besitzt, desto besser. Denn das Risiko, den gesamten Einsatz zu verlieren, ist bei einem Pool aus mehreren Pferden deutlich geringer. "Es ergibt mehr Sinn, von den durchschnittlichen Erfolgen dreier Pferde zu profitieren, als alles auf eine Karte zu setzen", sagt Barry Irwin, Chef von Team Valor aus den USA. Es geht aber nicht nur ums Geld: Viele Liebhaber suchen und finden im Pferdesport Spannung, Spaß und Leidenschaft.

Die Unterhalts- und Trainingskosten werden bei Beteiligungen auf viele Schultern verteilt. Renngewinne, Verkaufs- und Zuchterlöse kommen den Investoren anteilig zu. So sucht beispielsweise der ehemalige Weltklasse-Jockey Manfred Hofer für Besitzergemeinschaften jährlich mehrere Pferde. Zu seinen Kunden gehörten in der Vergangenheit Fernsehsternchen Verona Pooth oder der englische Fußball-Nationalspieler Michael Owen.

Sogenannte Jährlingssyndikate bietet Philipp Graf von Stauffenberg über seine Vollblut-Agentur Stauffenberg Bloodstock an. Mit rund 1 000 Euro können Anleger einsteigen. International bekannt ist Barry Irwins Team Valor. Rund 20 Fonds, die in gleich mehrere Pferde investieren, legt der Teamchef pro Jahr auf. Der Anteilspreis für die Anleger liegt im Schnitt zwischen 12 500 und 22 500 Dollar. Mit etwas Glück entdecken die Talentspäher einen kleinen Manduro - oder den neuen Seabiscuit.

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