Noch im Jahr 1970 erreichte die Produktion am Kap 1 000 Tonnen Gold im Jahr. 2006 waren es nur noch 275 Tonnen – der tiefste Stand seit 1922! Und auch die Notenbanken, die über 30 000 Tonnen Gold in ihren Tresoren gehortet haben, sind laut Murenbeeld kein Faktor mehr, nachdem sich die größten von ihnen verpflichtet haben, bis 2009 zusammen maximal 500 Tonnen im Jahr zu verkaufen. Doch selbst dieses Limit ist in den letzten beiden Jahre nie voll ausgeschöpft worden – ein Indiz dafür, dass der Preisschub auch hier zu einem Umdenken geführt hat.
Schließlich haben eine Reihe neuer Anlageinstrumente wie Exchange Traded Funds (ETF) die Nachfrage nach Edelmetallen stark angekurbelt, weil sie privaten Anlegern den Marktzugang vereinfachen. Der erste ETF wurde 2003 in Australien lanciert. Inzwischen gibt es weitere ETM, seit März 2006 auch an der Schweizer Börse. Im Mai 2007 wurden dort weitere ETF aufgelegt. Basiswert sind jeweils ein Kilogramm Gold, 30 kg Silber oder ein halbes Kilo Platin. Um die ETF zu unterlegen, kauft die Zürcher Kantonalbank als Emittent entsprechende Barren und deponiert sie im Safe. Damit garantiert die Bank, dass Anleger ihre Fondsanteile jederzeit gegen physisches Edelmetall eintauschen können.
Anders als bei Gold und Silber gibt es bei Platin jedoch Befürchtungen, dass die ETF wegen des extrem engen Marktes und seines fein austarierten Gleichgewichts zu einer Verknappung des Edelmetalls beitragen könnten. Dies dürfte den Preis weiter in die Höhe treiben. Einem Angebot von 6,78 Mill. Unzen stand letztes Jahr eine Platin-Nachfrage von 6,77 Mill. Unzen gegenüber. In diesem Jahr dürfte der Markt wegen der vielen Probleme der Förderer am Kap wieder ein Defizit von bis zu 400 000 Unzen ausweisen.
Vor allem die Platinförderer haben kein Interesse an einem exorbitant hohen Preis, weil dies ihre Kunden zur Suche nach Ersatzstoffen veranlassen könnte. „Ich halte den Preis auf dem gegenwärtigen Niveau für zu hoch“, sagt Ross Norman von TheBullionDesk.com. „Besser wäre ein Preis um 1 250 Dollar pro Unze.“ Allerdings hat sich trotz einzelner technologischer Neuerungen bislang keine echte Alternative zu Platin gefunden. Das Metall wird vor allem in Autokatalysatoren verwendet.
Anleger sind mit Platin in den letzten Jahren besser als bei Gold gefahren: Wer 1999 physisches Platin erwarb, hat seinen Einsatz seither vervierfacht. Noch höhere Renditen erzielten Investoren mit südafrikanischen Platinaktien, die sich im letzten Jahrzehnt – in südafrikanischen Rand gerechnet – sogar verfünfzehnfachten. Dass die meisten Experten Platin dennoch Potenzial bescheinigen, liegt daran, dass sein Preis auf dem ganz konkreten Verhältnis von Angebot und Nachfrage beruht.
Auch sind im Gegensatz zu Gold weit weniger Spekulanten im Markt, weil das Angebot zu fast 80 Prozent aus Südafrika stammt und von drei großen Konzernen dominiert wird. Im Gegensatz dazu schürfen die fünf größten Unternehmen in der Gold- und Silberbranche lediglich 38 bzw. 28 Prozent der Gesamtproduktion. Gestützt wird der Preis auch dadurch, dass die Nachfrage nach Platin durch die immer strikteren Abgasnormen und den damit wachsenden Bedarf westlicher Autohersteller quasi gesetzlich garantiert ist.
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