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12.10.2007 
Investieren in Afrika und Nahost

Hausse im Zeichen des Halbmonds

von Pierre Heumann

Investoren am Golf haben gut lachen: Weder Subprime-Krise noch Wachstumsschwächen sind für sie ein Thema. Im Gegenteil: Die Kurse an den Börsen der sechs Länder des Gulf Cooperation Councils liegen derzeit um 15 Prozent höher als vor einem Jahr. Und das kommt nicht von ungefähr.

DÜSSELDORF. Das Wachstum der Notierungen in Saudi-Arabien gehört weltweit zu den höchsten, und die Börsen von Katar, Oman und Bahrain verzeichnen neue Rekordwerte. Die Hausse im Zeichen des Halbmonds umfasst auch die marokkanische Börse, ebenso die Märkte in Ägypten und Jordanien.

Wegen ihrer geringen Korrelation mit den internationalen Märkten widerstehen die sogenannten GCC-Börsen globalen Schocks. Zudem verfügten die GCC-Staaten zurzeit über eine enorme Liquidität, die vor allem auf die hohen Erdölpreise zurückzuführen sei, sagt Kamran Butt vom Equity Research der CS in Dubai.

Der Börsenboom kommt nicht von ungefähr: Anders als in den siebziger und achtziger Jahren legen die arabischen Regierungen die Öleinnahmen nicht nur im Ausland an, sondern investieren sie zunehmend auch in die eigene Wirtschaft. Die Akkumulation von Reichtum generiert zusätzliches Wachstum und belebt die Kapitalmärkte. Weil sich lokale Unternehmen über die GCC-Börsen finanzieren, werden sie für Anleger interessant. Oft werden IPOs mehrfach überzeichnet. Selbst wenn die Ölnotierungen zurückgehen sollten, blieben die Aussichten positiv, meint daher Monica Malik von der Brokerfirma EFG-Hermes in Dubai. Schließlich seien die GCC-Staaten nach vier Jahren, in denen die Einnahmen ständig gestiegen sind, so stark, dass sie auch einen Rückgang verkraften könnten, so Malik.

Für westliche Anleger sind die Börsen in den GCC-Ländern seit knapp zwei Jahren zugänglich. Mit Ausnahme von Saudi-Arabien, wo Investoren aus Übersee nicht zugelassen sind, stehen die Märkte in Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und in den Vereinigten Arabischen Emiraten allen Nationalitäten offen. In Deutschland können Anleger beispielsweise Aktien aus der Golfregion erwerben, indem sie zu einer Bank gehen, die eine direkte Kontobeziehung mit einem Broker am Golf hat.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Dass der Golf in einer geopolitisch instabilen Region liegt, werten Börsianer nicht nur als Nachteil.

Die Deutsche Bank etwa ist mit Geschäftsstellen in der gesamten Region vertreten, die Baader Wertpapierhandelsbank hat sich an einem Finanzdienstleister im Oman beteiligt, um für jedes deutsche Finanzinstitut Börsenaufträge am Golf ausführen zu können, und auch die Credit Suisse bietet seit zwei Jahren am Golf einen vollen Bankservice an. Um Kunde bei der Credit Suisse in Dubai zu werden, müssen Privatkunden wegen der lokalen Bestimmungen allerdings ein liquides Vermögen von mindestens einer Million Dollar haben.

Alternativ bieten viele Banken Fonds mit Wertpapieren aus der Golfregion an. Dazu gehören Produkte für die Golfregion, die über deutsche Börsen oder außerbörslich in Deutschland gekauft und verkauft werden können. Analysten empfehlen vor allem drei Wachstumsbranchen: Immobilien, Telekommunikation und Banken.

Dass der Golf in einer geopolitisch instabilen Region liegt, werten Börsianer nicht nur als Nachteil. Denn gerade Dubai profitiere davon, dass es von Arabern in Krisenzeiten als Zufluchtsort geschätzt werde, sagen sie. So erlebte Dubai während des letztjährigen Libanonkriegs einen Anstieg des Kapitalimportes.

Risikolos ist das Engagement im GCC-Raum allerdings nicht. Der deutsche Finanzexperte Steffen Schubert, der in Dubai einen Fonds managt, warnt vor Informationsproblemen. Es sei im Vergleich zu Europa oder den USA nicht so einfach, aussagekräftige und schnelle Informationen über Firmen zu erhalten. Ein Engagement am Golf sei deshalb nichts für kurzfristig orientierte Anleger, so Schubert.

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