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14.10.2007 
Investieren in Afrika und Nahost

Im Rausch des Rohstoffbooms

von W. Drechsler

Niedrige Zinsen und fehlende Alternativen haben manchen Anleger im Westen zu einem Blick auf die Märkte am Rand des globalen Finanzsystems veranlasst. Afrika kommt dabei zugute, dass sich seine finanzielle Lage durch den Rohstoffboom spürbar verbessert hat. Die Aktienmärkte auf dem Schwarzen Kontinent erwachen langsam aus ihrer Lethargie.

Die Hohe Nachfrage nach Rohstoffen treibt die Kurse an der Börse Johannesburg seit 2004 immer weiter nach oben. Foto: ap.Lupe

Die Hohe Nachfrage nach Rohstoffen treibt die Kurse an der Börse Johannesburg seit 2004 immer weiter nach oben. Foto: ap.

KAPSTADT. Aus dem Poster der afrikanischen Börsenvereinigung spricht Zuversicht: Unter dem Bild einer Herde verspielter Jungelefanten prangt der Slogan: „Afrikas Bullen sind in Bewegung geraten.“ In der Tat scheinen die Aktienmärkte auf dem Schwarzen Kontinent allmählich aus ihrer Lethargie zu erwachen, von Nigeria bis Kenia sind viele Börsen zuletzt auf neue Höchststände geklettert.

Ein Grund dafür liegt darin, dass niedrige Zinsen und fehlende Alternativen manchen Anleger im Westen zu einem Blick auf die Märkte am Rand des globalen Finanzsystems veranlasst haben. Dabei kommt Afrika zugute, dass sich seine finanzielle Lage durch den Rohstoffboom und den einigen Staaten gewährten Schuldenerlass spürbar verbessert hat. Vieles deutet darauf hin, dass Ghana, Kenia, Nigeria und Sambia in Kürze erstmals Anleihen am internationalen Kapitalmarkt platzieren werden.

Hinzu kommt, dass der Risikoaufschlag für Afrika-Anlagen in den letzten Jahren gefallen ist und sich einige Börsen für ausländische Anleger geöffnet haben. So werden eine Reihe afrikanischer Finanzinstrumente inzwischen durch Euroclear gehandelt, dem weltweit größten Abrechnungssystem für Transaktionen bei Wertanlagen wie Aktien und Anleihen. Neben dem südafrikanischen Rand werden bei Euroclear inzwischen sieben weitere afrikanische Währungen benutzt.

Anleger sollten jedoch beachten, dass etwa Bankaktien in Afrika äußerst riskant bleiben, weil sich das Kreditrisiko meist auf einige wenige große Kreditgeber und -nehmer beschränkt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt daher auch, dass die Fortschritte in Afrika vergleichsweise gering sind und die Finanzsysteme anfällig bleiben. Afrikas Märkte sind klein und eng – entsprechend begrenzt ist die finanzielle Aufnahmefähigkeit. Fast jede größere ausländische Investition führt deshalb zu heftigen Kursausschlägen. Wegen der geringen Aufnahmefähigkeit wird auch nur ein Bruchteil der finanziellen Überschüsse im eigenen Markt angelegt. Außerdem sind Afrikas Börsen sehr anfällig für lokale Krisen, egal ob klimatisch oder politisch bedingt.

Vor allem aber täuscht das Poster darüber hinweg, dass es in Afrika bis heute eigentlich nur einen einzigen echten Bullen im Börsen-Kraal gibt: die 1887 gegründete Johannesburger Börse (JSE). Mit ihren über 400 Unternehmen bündelt sie über 75 Prozent der gesamtafrikanischen Marktkapitalisierung. Lässt man Nordafrika außer Acht, umfasst die JSE sogar fast 90 Prozent des Börsenwerts im Afrika südlich der Sahara. So werden in Johannesburg in nur einer Woche mehr Aktien umgeschlagen als in ganz Schwarzafrika in einem Jahr.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch am Kap ist Vorsicht geboten.

Und auch am Kap ist Vorsicht geboten: Befeuert vom Rohstoffboom sind die Kurse an der JSE seit über vier Jahren fast ohne Atempause geklettert. Seit 2004 hat sich der Index im Wert mehr als verdreifacht und ist mit Hilfe des wieder erstarkten Goldpreises gerade erst durch die Schallmauer von 30 000 Punkten gebrochen. Der beispiellose Aufschwung beruht darauf, dass Südafrika neben Gold auch der weltweit mit Abstand größte Produzent von Platin oder Chrom ist – und besonders von dem schier unersättlichen Rohstoffhunger Chinas profitiert. Davon zehren die Rohstoffproduzenten, die lokale Währung Rand und das ganze Land. Höhere Infrastrukturausgaben haben etwa einen Bauboom ausgelöst, was den großen Baukonzernen und Zementherstellern zugute kam. Zudem hat Südafrika die internationale Finanzkrise ohne Blessuren überstanden, schließlich sind die Großbanken vom Kap kaum im US-Hypothekenmarkt engagiert.

Die Warnsignale indes mehren sich: Azar Jammine von Econometrix gibt zu bedenken, dass die verschleppten Reformen im Arbeitsmarkt und Bildungssektor sowie die hohe Kriminalität dem Aufschwung Grenzen setzen. Außerdem verweist er auf das für Schwellenländer vergleichsweise geringe Wachstum von knapp fünf Prozent. „Nach vier Jahren mit Zugewinnen von jeweils rund 40 Prozent darf niemand mehr Wunderdinge erwarten“, sagt auch Jeremy Gardiner von Investec Asset Management.

Optimisten erhoffen sich indes weitere Impulse durch die neue schwarze Mittelschicht und ein weiteres Infrastrukturprogramm. Viel wird – neben der Entwicklung der Währung Rand – davon abhängen, ob die Regierung ihre ehrgeizigen Pläne mit Blick auf den eklatanten Fachkräftemangel umsetzen kann. Ein Indiz für die Probleme ist der Kollaps vieler Stadtverwaltungen und damit verbundene Proteste der schwarzen Bürger. Wenn die JSE auch im Vorfeld der Fußball WM 2010 weiter klettern soll, müssen diese Defizite rasch behoben werden.

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