Und auch am Kap ist Vorsicht geboten: Befeuert vom Rohstoffboom sind die Kurse an der JSE seit über vier Jahren fast ohne Atempause geklettert. Seit 2004 hat sich der Index im Wert mehr als verdreifacht und ist mit Hilfe des wieder erstarkten Goldpreises gerade erst durch die Schallmauer von 30 000 Punkten gebrochen. Der beispiellose Aufschwung beruht darauf, dass Südafrika neben Gold auch der weltweit mit Abstand größte Produzent von Platin oder Chrom ist – und besonders von dem schier unersättlichen Rohstoffhunger Chinas profitiert. Davon zehren die Rohstoffproduzenten, die lokale Währung Rand und das ganze Land. Höhere Infrastrukturausgaben haben etwa einen Bauboom ausgelöst, was den großen Baukonzernen und Zementherstellern zugute kam. Zudem hat Südafrika die internationale Finanzkrise ohne Blessuren überstanden, schließlich sind die Großbanken vom Kap kaum im US-Hypothekenmarkt engagiert.
Die Warnsignale indes mehren sich: Azar Jammine von Econometrix gibt zu bedenken, dass die verschleppten Reformen im Arbeitsmarkt und Bildungssektor sowie die hohe Kriminalität dem Aufschwung Grenzen setzen. Außerdem verweist er auf das für Schwellenländer vergleichsweise geringe Wachstum von knapp fünf Prozent. „Nach vier Jahren mit Zugewinnen von jeweils rund 40 Prozent darf niemand mehr Wunderdinge erwarten“, sagt auch Jeremy Gardiner von Investec Asset Management.
Optimisten erhoffen sich indes weitere Impulse durch die neue schwarze Mittelschicht und ein weiteres Infrastrukturprogramm. Viel wird – neben der Entwicklung der Währung Rand – davon abhängen, ob die Regierung ihre ehrgeizigen Pläne mit Blick auf den eklatanten Fachkräftemangel umsetzen kann. Ein Indiz für die Probleme ist der Kollaps vieler Stadtverwaltungen und damit verbundene Proteste der schwarzen Bürger. Wenn die JSE auch im Vorfeld der Fußball WM 2010 weiter klettern soll, müssen diese Defizite rasch behoben werden.

