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01.03.2008 
Sechs Fragen an: Tom Friess

„In den Depots steckt meist zu viel Emotion“

von Anette Kiefer

Tom Friess ist Finanzplaner beim VZ-Vermögenszentrum. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er unter anderem wie man den Überblick über die vielen Anlageformen behält, welche Strategien für Menschen über 50 sinnvoll sind und welche Fehler am häufigsten begangen werden.

Wie verschaffe ich mir im Dschungel der verschiedenen Anlagemöglichkeiten überhaupt einen ersten Überblick?

Konzentrieren Sie sich erst einmal auf Anlagekategorien – also noch nicht auf konkrete Produkte! Nach dem Motto: Was gibt es überhaupt und wie funktioniert das? Wenn man das verstanden hat und weiß, in welchen Kategorien man investieren will, helfen Vergleiche und Ratings für die Auswahl der passenden Produkte.

Geht das überhaupt noch ohne einen qualifizierten Berater?

Es geht alles! Dafür muss man genügend Zeit und Lust haben sowie über die notwendigen Informationssysteme verfügen. Meist ist es jedoch tatsächlich besser, einen qualifizierten Berater beizuziehen. Achten Sie darauf, dass dieser Sie unabhängig beraten kann und sein Geld nicht mit Provisionen verdient. Sonst bewegt er sich in einem Zielkonflikt, der für Sie rasch nachteilig werden kann.

Muss ich bei kürzeren Anlagezeiträumen zwangsläufig ein größeres Risiko eingehen, um gute Ergebnisse zu erzielen?

Nein, im Gegenteil. Unverhältnismäßige Renditeerwartungen und Gier sind schlechte Ratgeber! Wer kurzfristig disponiert, sollte nicht über Renditemaximierung nachdenken, sondern seine Risiken unter Kontrolle halten. Dabei können trotzdem attraktive Erträge erzielt werden, z.B. mit Tiefzins-Anleihen oder Deep-Discount-Zertifikaten.

Welche Anlageformen sind für Investoren ab 50 am besten geeignet?

Je älter man wird, desto wichtiger ist die Risikokontrolle und Verfügbarkeit der Anlagen. Also bitte keine langen vertraglichen Bindungen mehr eingehen. Zudem wird die gezielte Streuung immer wichtiger.

Welche Fehler machen diese Anleger am häufigsten?

Leider immer noch zu viele. Es wird zu teuer eingekauft. In den Portfolios bestehen Klumpenrisiken. Der Steuersparfokus führt zu überhöhten Risiken. Hinter den Anlageentscheidungen stehen keine Systematik und zu viel Emotion. Damit werden Fehlentscheidungen zu lange nicht korrigiert.

Was ist der wichtigste Tipp, den Sie Ihren Kunden mit auf den Weg geben?

Anlageerfolg wird bis zu 80 Prozent durch die Wahl der Anlagekategorien bestimmt, also durch die Zusammensetzung des Portfolios. Nur 20 Prozent macht die Titelauswahl aus. Also: Machen Sie erst einmal Ihre Hausaufgaben. Erstellen Sie ein durchdachtes Vermögenskonzept für Ihre Ruhestandfinanzierung und setzen Sie dieses konsequent und systematisch um. Und noch ein Grundsatz, der immer gerne vergessen wird: Lassen Sie sich nichts aufschwatzen, was Sie nicht verstehen!

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