Aktien aus Schwellenländern sind seit Beginn des Jahres gehörig unter Druck geraten. Das bekommt auch der milliardenschwere Emerging Markets Equity Fund von JP Morgan zu spüren. Doch dessen Fondsmanager hält an seiner Strategie fest: Was sich bewährt habe, werde auch in Zukunft funktionieren.
China Mobile ist eines der Unternehmen, in die der JP Morgan Emerging Markets Equity Fund investiert. Foto: Reuters
FRANKFURT. Austin Forey hat keinen leichten Job in diesen Tagen. Der Fondsmanager muss 7,6 Milliarden Dollar zusammenhalten, die in Schwellenländer-Aktien stecken - 20 Prozent der Gelder stammen von deutschen Anlegern. Nach rasantem Wachstum in den vergangenen Jahren ist Foreys Fonds seit Beginn dieses Jahres unter Druck geraten. Nicht irgendein Fonds, sondern der Emerging Markets Equity Fund. Eines der Flaggschiffe der US-Gesellschaft JP Morgan.
"Ich habe deshalb keine schlaflosen Nächte", sagt Austin Forey. Erstens seien schwächere Phasen nicht vermeidbar. Und zweitens habe er schon deutlich schwierigere Zeiten durchgestanden. Mexiko-Krise, Asienkrise, Rubelkrise: alles abgehakt. Forey steht seit nunmehr 20 Jahren in Diensten von JP Morgan. Erst als Analyst für Maschinenbau, später auch für Finanz- sowie Immobilienaktien. Zum Manager des milliardenschweren Emerging-Markets-Fonds stieg er im Juli 1997 auf.
Infografik: Relative Wertentwicklung des JP Morgan Emerging Markets Equity Fund
An seiner Strategie hält er fest: "Wir sollten genug Selbstbewusstsein haben, die Dinge so anzugehen wie wir es immer getan haben." Was sich bewährt habe, werde auch in Zukunft funktionieren. Wenn Forey solche Sätze sagt, wirkt das nicht vermessen. Er spricht ruhig, vornehmes Oxford-Englisch.
Bei der Auswahl seiner Aktien gilt der Brite als konservativ - so weit dies auf stürmischen Schwellenmärkten möglich ist. Forey und sein Team von fast 40 Länderanalysten suchen weltweit nach unterbewerten Aktienperlen. Dabei setzen sie fast ausschließlich auf die Schwergewichte in den jeweiligen Ländern und Branchen. "Forey geht keine krassen Wagnisse ein", sagt Werner Hedrich, Fondsanalyst bei Morningstar. Der Ansatz zielt auf langfristiges Wachstum, nicht auf den kurzfristigen Gewinn.
Das Argument, mit dem alle großen Fondshäuser in exotische Märkte investieren, lautet immer ähnlich: Schwellenländer holen in einem Tempo auf, das die Wachstumsraten in entwickelten Märkten bei weitem übersteigt. Die Rechnung ging bisher auf. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat der MSCI Emerging Markets Index, der als Vergleichsmaßstab für Schwellenländer-Aktien gilt, um mehr als 200 Prozent zugelegt. Für die Anleger sprudelten Gewinne wie von selbst.
Doch wann wird die Quelle versiegen? Die aktuelle Delle betrifft alle Aktienfonds. Experten gehen davon aus, dass das Wachstum in den Schwellenländern künftig nicht mehr so stark sein wird wie in den letzten Jahren. Zumindest nicht in allen Teilen der Welt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum sollte jemand Geld in einen Investmentfonds stecken, der sich vor allem durch höhere Gebühren von Indexfonds unterscheidet?
Einer Analyse von Deutsche Bank Research zufolge weisen besonders einige osteuropäische Länder hohe Risiken auf. Kennzeichnend seien Leistungsbilanzdefizite und ein starkes inländisches Kreditwachstum; außerdem steigende Aktienkurse und Hauspreise sowie in einigen Fällen ein überbewerteter Wechselkurs. "Diese Kombination hat sich häufig als gefährliche Konstellation herausgestellt", kommentiert Markus Jäger von der Deutschen Bank. Aber die wichtigen Emerging Markets wie China, Brasilien, Russland, Indien, Korea und Mexiko seien gut aufgestellt und könnten sich auch bei einer abflauenden Weltkonjunktur behaupten.
Infografik: Geografische Aufteilung des JP Morgan Emerging Markets Equity Fund
Ob Schwellenländer weiter wachsen oder nicht, interessiert Fondsmanager Forey nur am Rande. Makroökonomische Überlegungen - eher nebensächlich. Bei der Auswahl der Aktien sieht Forey keinen Unterschied zwischen einem Unternehmen aus China oder einem westlichen Industrieland. Hauptsache das Unternehmen ist profitabel. "In Schwellenländer zu investieren ist fundamental nicht anders, als irgendwo anders auf der Welt zu investieren", sagt Forey. Die Risiken seien die gleichen wie in entwickelten Märkten, allerdings könnten etwa politische Risiken in anderen Dimensionen auftreten. In jüngster Zeit hätten Unternehmen aus aufstrebenden Märkten zudem enorm aufgeholt, seien professioneller geworden.
Zumindest für die "Large Caps", die großen Unternehmen, mag dies zutreffen. Von den Kleinen lässt Forey ohnehin die Finger. "Im Portfolio finden sich keine Exoten", sagt Werner Hedrich von Morningstar. Dass der größte Anteil mit rund acht Prozent auf die brasilianische Ölgesellschaft Petrobras entfällt, ist wenig verwunderlich. "An Petrobras kommt im Moment keiner vorbei", sagt Hedrich. Petrobras zählt zu den weltweit am stärksten wachsenden Konzernen der Branche. Und dank der Entdeckung eines großen Ölfelds vor wenigen Wochen verzeichneten die Aktien des Staatsunternehmens noch einmal starke Gewinne.
Während andere Fondsmanager gezielt auf bestimmte Länder oder Sektoren setzen, streut Forey das Geld eher breit - schon allein die Größe seines Fonds lässt ihm keine andere Wahl. Etwa 70 Aktien stecken im Portfolio. Forey versucht, sie mindestens zwischen drei und fünf Jahren zu halten. Aktien aus Brasilien und Südafrika kommen derzeit im Vergleich zur Zusammensetzung des MSCI Emerging Markets etwas stärker im Portfolio vor, Südkorea und Taiwan etwas weniger. Insgesamt halten sich die Abweichungen aber in Grenzen.
Das macht den Fonds zwar weniger anfällig für Schwankungen, hat aber auch Tücken. Je näher ein Fonds am Index liegt, desto größer wird die Konkurrenz durch so genannte Exchange Traded Funds (ETF). Diese bilden die Zusammensetzung von Indizes fast eins zu eins ab. Im Vergleich zu herkömmlichen Investmentfonds fallen für Indexfonds geringere Verwaltungsgebühren an, sie werden nicht aktiv gemanagt.
Forey kennt die Frage, die Analysten und Anleger deshalb immer häufiger stellen: Aus welchem Grund sollte jemand sein Geld in einen Investmentfonds stecken, der sich vor allem durch höhere Gebühren von Indexfonds unterscheidet? "Es gibt keinen Grund, wenn wir auf lange Sicht nicht bessere Renditen erzielen", sagt Forey. Aber in der Vergangenheit hätten er und sein Team es meistens geschafft, den Index zu schlagen. Man wird sehen, ob ihm das auch in diesem Jahr gelingen wird. Gerade in turbulenten Zeiten zeigt sich, was ein guter Manager wert ist

