Der Markt für Weine boomt. Schließlich sind die edlen Tropfen nicht nur etwas für Genießer; von der steigenden Nachfrage profitieren auch Fonds und Aktien ausgewählter Händler. Doch für Weinfreunde, die den Rebensaft als Geldanlage nutzen wollen, ist die Auswahl alles andere als einfach.
FRANKFURT. Das „V“ auf dem Etikett steht für „Victory“ und ist unter Weinkennern das untrügliche Zeichen für „den Jahrhundertwein“: Der Chateau Mouton Rothschild, Jahrgang 1945, gilt als einer der begehrtesten, teuersten und natürlich besten Weine, die dieser Planet jemals hervorgebracht hat. „Année de la Victoire“, also „Jahr des Sieges“ steht unter dem auffälligen V-Zeichen und verdeutlicht damit die Ausnahmeposition des äußerst seltenen Weines. Als im Herbst 2006 beim Auktionshaus Christie ’s wieder einmal zwei Zwölfer-Kisten zur Versteigerung anstanden, waren zwei anonyme Bieter bereit, jeweils 290 000 Dollar zu bezahlen. Pro Kiste versteht sich.
Damit ist der Chateau Rothschild des Jahrgangs 1945 zwar nicht der teuerste Wein, der jemals verkauft wurde. Mittlerweile werden für herausragende Weine – vor allem aus dem westfranzösischen Bordelais – bis zu einer Million Dollar bezahlt. Interessanter ist vielmehr die Wertsteigerung. Anfang der 70er-Jahre, als der 45er Chateau Rothschild immerhin auch schon knapp 30 Jahre alt war, kostete die Zwölfer-Kiste noch 300 Dollar.
Für Weinfreunde, die den edlen Tropfen als Geldanlage nutzen wollen, ist die Auswahl alles andere als einfach. Dabei ist das Angebot an Wein-Investments vergleichsweise überschaubar. Das Spektrum reicht von Fonds über Aktien von großen südamerikanischen und chinesischen Weingütern bis hin zum direkten Einlagern großer Weine im eigenen Keller.
Wie Sie mit Zertifikaten höhere Renditen erwirtschaften, lesen Sie alle 14 Tage im Zertifikate-Newsletter von Handelsblatt.com.
» Hier geht's zur Anmeldung.
Unter fünf Fondsanbietern können Anleger derzeit wählen, wobei die bekanntesten Anbieter wie die ehemalige HVB-Tochter Blue Capital oder der Waldkirchener Weinhändler Jan-Erik Paulson ihre Tranchen inzwischen vollständig platziert haben. Beide hatten sich Anfang des Jahrtausends auf edle Rotweine aus besten, vor allem französischen Lagen spezialisiert, planen derzeit jedoch keine Neuauflage. Am Ende der Laufzeit werden die Weine dann beispielsweise bei Blue Capital an die Anleger ausgegeben oder für diese verkauft.
Neu ist hingegen, dass Anleger seit dem vergangenen Jahr in einen Fonds investieren können, der ausschließlich in deutsche Weine investiert. Unter dem Namen „Zum Wohl 2006“ kam der erste Rheinland-Pfälzische Weinfonds auf den Markt (www.winecapital.de), initiiert vom ehemaligen Banker Hans-Werner Busch. Daneben bietet die am Gardasee ansässige Gesellschaft Valveri Invest die Möglichkeit, über zwei Fonds in italienische Weine zu investieren.
Gemeinsam ist allen Wein-Fonds, dass sie mit einem durchschnittlichen Volumen von zwei bis drei Mill. Euro im Vergleich zu herkömmlichen Investmentfonds sehr klein sind, und dass kein großes Finanzinstitut hinter den Initiatoren steht. Die beschäftigen sich gewöhnlich erst ab einem Volumen von 30 bis 40 Mill. Euro mit der Frage nach einem möglichen Themenfonds. Eine solche Summe ist am Weinmarkt allerdings kaum zu platzieren, zumal die Weine am Ende der Fondslaufzeit wieder verkauft werden müssen, um die versprochene Rendite einzufahren.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der bekannteste deutsche Name ist die Aktie von Hawesko
Deutlich einfacher ist für Anleger dagegen der Kauf von Aktien großer Weingüter und -händler. Deren Vorteil: Sie sind konjunkturabhängig und krisenresistent. Das zeigte sich beispielsweise auch beim Platzen der New-Economy-Blase vor wenigen Jahren. „Wer in den großen Weinwerten veranlagt war, hatte vielleicht Sauerstoffbläschen im Glas, aber ansonsten mit dem Platzen der Technologieblase nichts zu tun“, sagt Gerhard Rehor von der österreichischen Raffeisenlandesbank Treasury. Anhaltspunkt für die Entwicklung von Weinaktien ist deren Index „Krescensio 19+1“, in dem die 19 wichtigsten börsennotierten Weinproduzenten der Welt plus die heimische Weinaktie Schlumberger enthalten sind.
Die Papiere der größten börsennotierten Kellerei der Welt, der chilenische Concha y Toro, werden sogar im Frankfurter Open Market gehandelt. Das Gros der Aktien geht indes an der Wall Street in New York um, wo die Aktie seit dem Jahr 1994 mit zuletzt wieder steigendem Erfolg gelistet ist. Analyst Jose Y Jordan von der Schweizer Großbank UBS hat gerade erst seine Kaufempfehlung für die Aktie bestätigt und traut ihr auf Sicht von zwölf Monaten ein Kursplus von über 40 Prozent zu.
Bekanntester deutscher Name ist die Aktie des Hamburger Weinhändlers Hawesko, die im abgelaufenen Jahr vom allgemeinen Aufwärtstrend an den Börsen kaum etwas abbekommen hat und am Ende wieder auf Ausgangsniveau notierte. Das soll sich in diesem Jahr ändern. Sowohl Holger Schwesig von der DZ Bank als auch Thilo Kleibauer vom Bankhaus M.M. Warburg haben zuletzt die Aktie zum Kauf empfohlen. Beide rechnen in diesem Jahr mit einer deutlich steigenden Nachfrage nach guten Weinen.
» Mehr zum Thema Rohstoffe und Devisen
Bleibt zu guter Letzt die Variante, sich selbst die ein oder andere Flasche eines guten Tropfens in den eigenen Keller zu legen. Das gestaltet sich derzeit nicht ganz einfach. Denn seitdem edle Weine zum Renditebringer geworden sind, tobt ein Preiskrieg. Für Top–Weine aus französischen Traditionsweingütern wie Chateau Lafite Rothschild oder Latour werden in der Subskription Preise von 500 Euro je Flasche bezahlt. Subskription heißt: Bereits ein Jahr vor der Auslieferung, also während der Wein noch im Fass reift. Sogar Hedge-Fonds sollen inzwischen involviert sein. Große Teile der Produktion gelangen so überhaupt nicht mehr in den regulären Handel.
Das Maß aller Dinge ist für Weinkäufer die 100-Punkte-Tabelle des Amerikaners Robert M. Parker, gerne auch der „Papst der Weinwelt“ genannt. Was seinen 100 Punkten nahe kommt, bietet automatisch Chancen auf weitere Preissteigerungen. Auch wenn diese in den vergangenen Jahren, speziell wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs in China und Russland, bereits immens angezogen haben.
Eine weitere Variante ist die Suche nach großen Jahrgängen. Aus der weiteren Vergangenheit zählen die Jahre 1945, 1947, 1959 und 1961 dazu. Zuletzt ragten besonders die Jahrgänge 2000 und 2001 heraus. Wer hier in Top-Weine investiert, der kann Experten zufolge gute Preissteigerungen erwarten. Oder falls es doch anders kommt, zumindest einen wundervollen Abend bei tollen Weinen erleben.

