Diese Strategie hat dem Fonds auf sehr lange Sicht eine gute Wertentwicklung beschert: Seit der Auflegung 1970 hat er um 2 415 Prozent zugelegt - das sind umgerechnet knapp neun Prozent pro Jahr. Auf Sicht von zehn Jahren ergibt sich ein Plus von 117 Prozent . Zum Vergleich: Der Vergleichsmaßstab des Fonds, der MSCI-World-Index, hat im gleichen Zeitraum nur um 0,09 Prozent zugelegt - bei vergleichbarer Schwankungsbreite. Das sehr gute Zehnjahresresultat führt denn auch Morningstar-Analyst Hedrich als Plus des Fonds an. Hingegen habe dieser DWS-Fonds in den vergangenen drei und fünf Jahren nur durchschnittlich abgeschnitten, moniert Hedrich.
Letztlich steht und fällt der Fonds mit den Ideen und dem Instinkt Kaldemorgens. Denn der Vermögensbildungsfonds I ist ganz klar nach dem sogenannten Top-Down-Ansatz gestrickt: Ausschlaggebend ist die Meinung und des Fondsmanagers zu den großen und langfristigen Marktbewegungen. Erst dann werden diese auf Sektoren, Regionen und Währungen heruntergebrochen. Und danach erst empfehlen die Analysten im Fondsteam die Einzeltitel.
Infografik: Wertentwicklung des DWS Vermögensbildungsfonds I
Solche Megathemen sind etwa das Anziehen der US-Märkte, die Stabilisierung des Dollars, das nach wie vor bestehende Risiko im Markt und das Wachstum in Asien. Steigende Rohölpreise und der Klimawechsel sind weitere dieser Megathemen. Dementsprechend werde auch die Performance dieses Fonds nicht vom "Stock-Picking", also der Auslese von Einzeltiteln, getrieben, sondern von der Ländereinteilung, der Sektorauswahl, der Aufteilung zwischen Aktien und Kasse und dem Währungsmanagement, sagt Hedrich. Seine Kollegin Lesley Hodges-Ann von Standard & Poors sieht es genauso: Die wichtigste Quelle für den Mehrwert dieses Fonds in der Vergangenheit seien die Entscheidungen Kaldemorgens gewesen, wie er das Portfolio auf Regionen und Sektoren aufgeteilt habe.
Das Aktienportfolio des DWS Vermögensbildungsfonds I ist meist zwischen 90 und 100 Titel stark, die relativ lange gehalten werden. Ende des ersten Quartals hatten der Ölindustrie-Ausrüster Schlumberger und die Finanzwerte Münchener Rück und Allianz das höchste Gewicht im Portfolio.
Kniess setzt jetzt stark auf einen schwächeren Euro beziehungsweise einen sich stabilisierenden Dollar und ein Anziehen der US-Märkte. "Wir erwarten, dass die USA und Japan als erste dynamisch aus der schwachen Marktphase herauskommen", sagt der Fondsmanager. "Und in der zweiten Jahreshälfte werden wir dann sehen, wie nachhaltig diese Entwicklung sein wird." Momentan sei der Fonds auch über Indexfutures in den USA engagiert. Sukzessive sollen diese aber zugunsten von Engagements in einzelne US-Titel aufgelöst werden. "Wir werden diese Positionen Schritt für Schritt aufbauen, die Größe unseres Fonds zwingt hier zur Disziplin", sagt Kniess.
Auf mittlere Sicht sei das Fondsmanagement mit seiner Top-Down-Strategie gut gefahren, habe allerdings 2005 wegen übergroßer Vorsicht das Nachsehen gehabt, bescheinigen die Fondsanalysten von Standard & Poors dem Management. "2003 war die Performance sehr stark aufgrund der rechtzeitigen Investitionen in zyklisches Wachstum und ein stärkeres Engagement in Südostasien und Japan." Im Jahr darauf habe sich der Wechsel hin zu einer mehr defensiven, zurückhaltenden Strategie ausgezahlt, doch 2005 habe das Fondsmanagement damit den Zug verpasst und vor allem in den Schwellenländern und in Japan zu wenig investiert. "Brasilien und eine gute Aktienauswahl in China haben dann 2006 den Fonds wieder in das Top-Viertel in seinem Segment zurückgebracht." Für die Untergewichtung des US-Marktes und den rechtzeitigen Rückzug aus Japan im vorigen Jahr geben die S&P-Analysten dem Fondsmanagement Pluspunkte.
Bleibt die Frage, wie gut Kaldemorgen und Kniess ihren Top-Down-Ansatz in der veränderten Konstellation in der Praxis umsetzen. Einen Vertrauensvorschuss der Analysten haben sie jedenfalls.

