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23.06.2008 
Neue Transaktionen

Banken wagen Verbriefungen

von Peter Köhler

Die Verbriefungsinitiative TSI sollte die Rahmenbedingen für Verbriefungen verbessern. Doch durch die Finanzkrise hat das Projekt seine bisher gesteckten Ziele nicht erreichen können. Das wird sich ändern, sagen Experten. Sie erwarten eine Belebung des Sektors im zweiten Halbjahr.

FRANKFURT. Rund ein Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise gibt erste Zeichen der Wiederbelebung am Verbriefungsmarkt für Kreditforderungen. "Die europäischen Märkte haben sich in den vergangenen Wochen leicht entspannt", sagte DZ-Bank-Vorstandsmitglied Wolfgang Köhler auf einer Veranstaltung der True Sale Initiative in Frankfurt. Die Grundüberlegungen der Verbriefung - etwa die Freisetzung von Eigenkapital in den Bankbilanzen und die Umverteilung von Risiken - seien nach wie vor richtig. Allerdings würden die Marktteilnehmer in Zukunft mehr Transparenz verlangen und einfache Produkte bevorzugen, sagte Hartmut Bechtold, Geschäftsführer der True Sale International GmbH (TSI).

Die Verbriefungsinitiative TSI ist ein Vorzeigeprojekt zur Stärkung des Finanzplatzes Deutschland. Hinter dem Kürzel TSI stehen 13 Großbanken aus dem privaten, genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Lager. Mit der im Juni 2004 an den Start gegangenen TSI sollen die Rahmenbedingungen für Verbriefungen verbessert und eine Infrastruktur für solche Transaktionen aufgebaut werden. Durch die Finanzkrise ist das Projekt hinter den ursprünglichen Zielen zurückgeblieben.

Vor allem für Autodarlehen und Mittelstandskredite gebe es nun wieder vermehrt Käufer, sagte Köhler, der auch stellvertretender Beiratsvorsitzender der TSI ist. Laut Bechtold hat es im ersten Halbjahr auf dem deutschen Markt acht Transaktionen via TSI im Volumen von sieben Mrd. Euro gegeben; sechs Verbriefungen seien echte True-Sale-Transaktionen gewesen, bei denen nicht nur die Risiken transferiert werden, sondern die Portfolios aus der Bankbilanz verschwinden.

Über die Plattform der TSI können die Banken in Deutschland Kredite oder die damit verbundenen Risiken an institutionelle Investoren verkaufen. Wegen der Verwerfungen an den weltweiten Finanzmärkten ist der einst boomende Verbriefungsmarkt in den vergangenen zwölf Monaten erheblich unter Druck geraten.

Für das zweite Halbjahr rechnen die Experten aber mit einer Belebung. Bechtold erwarte neue Verbriefungen über mindestens zehn Mrd. Euro; bei reibungsloser Platzierung seien auch 20 Mrd. Euro über TSI denkbar. Vor allem Automobilfinanzierungen, Konsumentenkredite und Mittelstandsdarlehen seien in den kommenden Monaten zu erwarten. Auch VW Financial Services, die Finanzierungstochter des Automobilkonzerns, wolle weitere Milliardentransaktionen über TSI abwickeln, erläutert Klaus-Dieter Schürmann, Vorstand bei VW Financial Services. Durch die Einführung eines "Verhaltens-Scorings" könne man heute noch besser abschätzen, wie sich die Kunden verhielten, was zu niedrigeren Ausfallraten führe, sagte Schürmann. Beispielsweise könne sich der Kunde über eine Versicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit für seine Finanzierung absichern; das verbessere die Qualität der verbrieften Kreditportfolios.

VW hatte sich mit der Transaktion "Driver Five" noch im Februar 2008 an den Verbriefungsmarkt gewagt und war dabei erfolgreich. Die Emission war überzeichnet; der Aufschlag lag bei 58 Basispunkten über dem Referenzzins Euribor. Vor Ausbruch der Finanzkrise hatte der Aufschlag lediglich acht Basispunkte betragen. Marktteilnehmer schätzen, dass der Aufschlag aktuell bis 30 bis 40 Basispunkten liegen dürfte. Der Höhepunkt der Finanzkrise wäre nach diesem Maßstab überschritten. Allerdings müsse man die Verbriefungen heute in kleineren Tranchen auf deutlich mehr Adressen verteilen. "Früher reichten 20 Investoren für eine Milliardentransaktion; heute sind es vielleicht 50", schätzt ein Branchenexperte.

Für DZ-Bank-Vorstand Köhler waren laxe Vergabebedingungen für Kredite, eine mangelnde Bankenaufsicht und eine hohe Intransparenz verbriefter Produkte in den USA die Hauptursachen der Krise. Der deutsche Verbriefungsmarkt zeuge dagegen auch heute von hoher Qualität. Die Ausfälle lägen im Rahmen der Erwartungen.

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