1 Bewertung ****
16.07.2008 
Krise in den Schwellenländern

Emerging-Markets-Bonds als Trutzburg

von Andrea Cünnen

Anders als die Aktienmärkte sind die Anleihen der Schwellenländer bislang recht glimpflich durch die Finanzmarktkrise gekommen. Denn die Staaten stehen heute sehr viel besser da als noch vor Jahren.

Die Investoren zieren sich, in Schwellenländer zu investieren. Klicken Sie auf die Lupe. Grafik: HBLupe

Die Investoren zieren sich, in Schwellenländer zu investieren. Klicken Sie auf die Lupe. Grafik: HB

FRANKFURT. "Die allgemeine Furcht der Investoren vor Risiken hat auch die Bonds der Emerging Markets erfasst, aber lange nicht so deutlich wie in früheren Krisen", sagt Janis Hübner, Volkswirt bei der Dekabank. Ablesen lässt sich das an den Risikoprämien für auf Dollar lautende Anleihen der Emerging Market. Sie bieten im Schnitt 3,2 Prozentpunkte mehr Rendite als ausfallsichere US-Staatsanleihen. Die Risikoprämien sind - gemessen am EMBIG-Index von JP Morgan - in diesem Jahr um 0,6 Prozentpunkte gestiegen. Historisch sind die Aufschläge aber noch relativ niedrig.

Während der Russland-Krise Ende der neunziger Jahre schnellten die Risikoprämien auf über 11,5, nach dem Zahlungsausfall Argentiniens Anfang 2001 auf zehn Prozentpunkte nach oben. "Damals standen die Schwellenländer auch im Zentrum der Krise, jetzt werden sie lediglich von der US-Immobilienkrise und der Finanzmarktkrise in Mitleidenschaft gezogen", sagt Hübner.

Das liegt auch daran, dass die Schwellenländer - trotz der Sorgen um anziehende Inflationsraten - heute fundamental sehr viel besser dastehen als noch vor Jahren. So hat heute über die Hälfte der Schwellenländer von den Ratingagenturen eine Bonitätsnote im soliden sogenannten Investment-Grade. Die durchschnittliche Bonität liegt mit "BB+" eine Stufe darunter. "Noch vor wenigen Jahren erreichten gerade mal zehn Prozent der Papiere diesen Status", sagt Ulrich von Auer, Experte für Schwellenländer-Bonds bei JP Morgan Asset Management.

Widerstandsfähiger gegen externe Einflüsse werden die Emerging Markets auch, weil sie immer mehr Anleihen in heimischen Währungen begeben. Damit sind sie weniger abhängig von ausländischen Geldgebern und den Wechselkursschwankungen. Dazu kommt der Rohstoffboom. "Das Geld daraus nutzen viele Länder, um Schulden abzubauen und Währungsreserven aufzustocken" betont von Auer. In China, Indien, Brasilien und Russland übersteigen die Währungsreserven inzwischen die staatlichen Auslandsschulden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Notwendige Korrektur  Artikel in Merkliste

10.10.2008 von Matthias Eberle

Die Aktienkurse rasen in die Tiefe. Ein Blick auf die US-Wirtschaft zeigt warum. Amerika steht vor einer tiefen Rezession, die weitere Korrekturen an den Börsen nach sich ziehen muss. Kommentar

Markt-Monitor

Die erwünschte Panik ist da  Artikel in Merkliste

10.10.2008 von Frank Wiebe

Der Ausverkauf ist da. Für die Wende an den Aktienmärkten braucht es allerdings mehr: Auf der IWF-Tagung haben die Spitzen des Finanzsystems die Chance, die Abwärtsspirale zu durchbrechen. Kommentar

weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Umfrage zum Thema "Bankpräferenzen" 

Welche Bankgeschäfte wickeln Sie privat online ab und wie zufrieden sind Sie mit dem Online-Angebot? Was erwarten Sie von Ihrer Bank? Unter allen Teilnehmern der Umfrage wird ein iPod nano (8GB) von Apple im Wert von 149 Euro verlost. Machen Sie jetzt mit! Hier geht es zur Umfrage WEB-Link


Handelsblatt Börsenradio 10.10.2008 (Abendausgabe) 

10.10.2008Börsenradio

Steinbrück: Umfassende Bankenhilfen nötig - Dax mit 22 Prozent Wochenminus - Ölpreise brechen auf neues Jahrestief ein Anhören


Anzeige