+++ Fintech-Ticker +++

Neuer Robo-Advisor setzt auf Trendinvestments

Ein Tag ohne Neuigkeiten aus der Fintech-Branche? Kaum vorstellbar. Welche Finanz-Start-ups gerade starten oder eine Finanzspritze bekommen und wer mit wem kooperiert: Neues von Werthstein, Scalable Capital und Smava.
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Der neue Robo-Advisor will sich insbesondere durch Trendinvestments von der Konkurrenz abheben. Quelle: Screenshot
Werthstein

Der neue Robo-Advisor will sich insbesondere durch Trendinvestments von der Konkurrenz abheben.

(Foto: Screenshot)

FrankfurtNach jüngsten Zählungen gibt es in Deutschland rund 700 Finanztechnologie-Start-ups. Sie helfen nicht nur bei der Digitalisierung der Finanzbranche, sondern bieten häufig auch einen konkreten Nutzen für Kunden: indem sie Finanzprodukte und -dienstleistungen günstiger und leichter zugänglich machen.

+++ Werthstein startet mit Trendinvestments +++

Rund zwanzig Robo-Advisors sind in Deutschland bereits aktiv, jetzt kommt mit Werthstein ein weiterer digitaler Vermögensverwalter hinzu. Das Unternehmen mit Sitz in München will sich insbesondere durch ein Investment-Komitee und individuell wählbare, trendbezogene Investments – „Zeitgeists“ genannt – von den Wettbewerbern abgrenzen. „Bei uns steht nicht der Algorithmus, sondern der Mensch im Vordergrund“, sagt Bastian Lossen, Geschäftsführer der Schweizer Muttergesellschaft des Robo-Advisors, der Werthstein AG, dem Handelsblatt. Zwar sei auch bei Werthstein ein Algorithmus im Einsatz, „doch der bestimmt nicht unsere Anlagestrategie, sondern ist ein Hilfsmittel, damit wir unseren Kunden das passende Portfolio zuordnen können“.

Das Investment-Komitee wird nach Angaben von Werthstein von Giles Keating geleitet, der zuvor unter anderem als Chefökonom der Credit Suisse tätig war und von zwei weiteren Ex-Bankern unterstützt wird. „Für die Entwicklung unserer Zeitgeists sind wir zudem laufend mit externen Finanzexperten in Kontakt“, erklärt Lossen. Diese sind auf der Internetseite des Anbieters auch in Info-Videos zu sehen. Darin beschreiben sie die möglichen Chancen einzelner Zeitgeist-Themeninvestments und nennen Branchen sowie Anbieter, die für eine Investition in Frage kommen sollen. Aktuell werden beispielsweise „Zeitgeists“ mit Fokus auf Profi-Sport, Märkte in Nordeuropa, Haustiere oder Robotertechnik beworben.

Kunden sollen neben einem Basisportfolio bis zu zehn Zeitgeists auswählen und darin jeweils maximal zehn Prozent ihrer Anlagesumme investieren können. „Unser Angebot zielt auf Menschen, die in aktuelle Trends investieren wollen und dabei Unterstützung wünschen“, sagt Lossen. Wer Kunde von Werthstein werden will, muss dort mindestens 35.000 Euro anlegen. Statt einer jährlichen Managementgebühr in Abhängigkeit der Anlagesumme zahlt jeder Kunde monatlich pauschal eine Gebühr in Höhe von 57 Euro. Zusätzlich müssen die Kunden jährlich 0,25 Prozent der Anlagesumme als Depotgebühr an die Baader Bank zahlen. Auch Fondsgebühren kommen noch hinzu. Diese sollen bei etwa 0,2 Prozent liegen. Insbesondere für kleinere Vermögen ist der Anbieter damit deutlich teurer als die meisten Wettbewerber. Bis Ende des Jahres will Lossen mit dem neuen Angebot „mindestens einige hundert Kunden“ gewinnen.

+++ Scalable Capital expandiert in die Schweiz +++

Der Münchener Robo-Advisor macht auch mit TV-Spots auf sich aufmerksam. Quelle: Screenshot
Scalable Capital

Der Münchener Robo-Advisor macht auch mit TV-Spots auf sich aufmerksam.

(Foto: Screenshot)

Nach Deutschland, Großbritannien und Österreich startet der digitale Vermögensverwalter Scalable Capital jetzt auch in der Schweiz. Wie das Unternehmen am 10. Januar mitteilte, soll den Schweizer Kunden eine eigene Website und Kunden-Hotline sowie ein spezifisches Steuer-Reporting angeboten werden. Als depotführende Partnerbank agiert die Baader Bank.

Aktuell verwaltet der Robo-Advisor nach eigenen Angaben mehr als 600 Millionen Euro von mehr als 20.000 Kunden. Das Fintech hat sein Angebot im Februar 2016 in Deutschland gestartet und setzt auf eine dynamische Portfolioverwaltung auf Basis des sogenannten Value-at-risk-Ansatzes. Der Kunde werde gemäß seiner individuelle Risikoneigung und -tragfähigkeit in eine von 23 Risikokategorien eingeordnet.

Die Portfolios sollen fortlaufend überwacht werden. „Signalisieren Projektionen eine drohende Verletzung der Risikovorgabe, werden die Portfoliogewichte automatisch angepasst“, so das Unternehmen. Damit solle verhindert werden, dass der Kunde bei der nächsten Korrektur aus Angst vor hohen Verlusten aus dem Markt aussteige und dann zu lange an der Seitenlinie stehen bleibe, so Florian Prucker, Geschäftsführer und Mitgründer von Scalable Capital. Im vergangenen Jahr hatte Scalable durch den Start einer Kooperation mit der ING Diba zusätzlichen Schub bekommen. Zu den Investoren und Minderheitsgesellschaftern gehören BlackRock, Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures.

+++ Smava erhält 65 Millionen Dollar +++

Über das Portal können Verbraucher Kredite vergleichen. Quelle: Screenshot
Smava

Über das Portal können Verbraucher Kredite vergleichen.

(Foto: Screenshot)

Das Kreditportal Smava hat am 9. Januar den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 65 Millionen Dollar gemeldet. Die Private-Equity-Firma Vitruvian Partners habe die Runde mit Beteiligung weiterer Investoren wie Runa Capital angeführt. Der Vitruvian-Partner Jussi Wuoristo werde künftig dem Aufsichtsrat von Smava angehören. Mit dem neuen Geld will das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Scoring-Technologie weiterentwickeln und in neue Marktsegmente expandieren. Über das Internetportal von Smava können Verbraucher Kreditkonditionen vergleichen und die Kredite abschließen.

Aktuell soll das Portal mehr als 70 Kreditvarianten zwischen 1.000 und 120.000 Euro von 25 Banken und privaten Kreditgebern umfassen. Smava ist 2007 gestartet und hatte sich zunächst auf die Kreditvergabe zwischen Privatleuten konzentriert. Später wurde der Vergleich von Bankkrediten zum neuen Schwerpunkt des Geschäftsmodells. Nach eigenen Angaben hat Smava bereits „Kredite mit einem Volumen von mehr als drei Milliarden Dollar vermittelt“. Zu den weiteren Investoren, die bislang insgesamt 135 Millionen Dollar in Smava investiert haben sollen, zählen auch Verdane Capital und Earlybird.

+++ Paypal investiert in Weltsparen +++

Über das Zinsportal können Sparer Tages- und Festgeldkonten eröffnen. Quelle: Saving Global
Mitarbeiter von Weltsparen

Über das Zinsportal können Sparer Tages- und Festgeldkonten eröffnen.

(Foto: Saving Global)

Kurz vor dem Jahreswechsel hat sich das Zinsportal Weltsparen mit einem Paukenschlag gemeldet: Paypal habe einen zweistelligen Millionenbetrag in das Berliner Fintech investiert und damit einen Anteil an dem Unternehmen erworben. Noch viel wichtiger als das Geld sei aber die geplante Partnerschaft mit dem US-Zahlungsdienst, sagte Tamaz Georgadze, Gründer und Geschäftsführer des Zinsportals, dem Handelsblatt. Wie genau die Partnerschaft aussehen soll, werde aktuell besprochen, sagte Georgadze. „Wir sind noch in der frühen Phase der Produktentwicklung. Die Idee ist, dass Paypal-Kunden über die Plattform auf unsere Sparprodukte zugreifen können.“

Das könne dann ähnlich aussehen wie die Einbindung von Weltsparen bei der Smartphone-Bank N26 und der Fidor-Bank. Die Nachricht ist eine Erfolgsmeldung für das Fintech, das im EU-Ausland als Raisin bekannt ist. Zugleich dürfte sie manchen Banker zusammenzucken lassen. Schon seit Längerem wird darüber spekuliert, dass US-Konzerne wie Paypal oder auch Google und Amazon ins Bankgeschäft einsteigen. Jetzt wird es ernst…

+++ Was in der Fintech-Szene 2017 sonst noch wichtig war +++

Investments, Namen und Kooperationen 2017
ING startet Fintech-Fonds
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Die niederländische Bank ING hat am 25. Oktober bekannt gegeben, dass sie den 300-Millionen-Euro schweren Fonds ING Ventures gestartet hat, um damit in Fintechs zu investieren. Mit Fintechs zu kooperieren und in sie zu investieren gehöre zum Kern ihrer Innovationsstrategie. Weltweit hat die Bank nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren bereits 115 strategische Partnerschaften und Investments getätigt.

Deutsche Bank startet Digi-Venture-Fonds
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Die Deutsche Bank beteiligt sich mit knapp 25 Prozent am Fintech Dwins. Es ist das erste Investment des neuen Digi-Venture-Fonds der Privatkundensparte. Der Fonds soll in strategisch interessante Finanztechnologie-Unternehmen investieren und ist aktuell mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgestattet. Ab Dezember sollen Deutsche Bank-Kunden den von Dwins entwickelten Finanzplaner „Finanzguru“ exklusiv nutzen können...

N26 will in die USA expandieren
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Die Smartphone-Bank N26 will ab Mitte 2018 in den US-Markt eintreten und Kunden dort ein Girokonto mit Karte, Überweisungen, Barabhebungen sowie einem speziellen Kundenbindungsprogramm anbieten. Nach Angaben des Berliner Finanztechnologie-Start-ups können sich US-amerikanische Kunden ab sofort in eine Warteliste eintragen. „Die USA sind ein spannender Markt für N26, der uns große Möglichkeiten eröffnet“, sagte Gründer und Geschäftsführer Valentin Stalf, der die Pläne am 23. Oktober in Las Vegas vorstellte...

Bux sammelt 10,6 Millionen Euro ein
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Die niederländische Börsen-App Bux hat 10,6 Millionen Euro von einem Investorengremium um den deutschen Fonds Holtzbrinck Ventures eingesammelt. Bux widmet sich einem sehr deutschen Problem: der weit verbreiteten Angst vor Aktien. Gründer Nick Bortot (Foto) will vor allem jungen Leuten die Börse spielerisch näherbringen. Das Amsterdamer Start-up soll bereits 1,2 Millionen Nutzer haben, ein Drittel davon in Deutschland und Österreich...

JP Morgan übernimmt WePay
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JP Morgan hat den Zahlungsdienstleister WePay übernommen. Wie am 18. Oktober bekannt wird, will die größte US-Bank damit wohl rund vier Millionen kleine Unternehmen besser in den hauseigenen Zahlungsverkehr integrieren...

Compeon erhält zwölf Millionen Euro
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Der auf Firmenkunden spezialisierte Kreditvermittler Compeon sammelt zwölf Millionen Euro ein. Wie die Vermittlungsplattform für Unternehmensfinanzierungen am 12. Oktober meldet, stammt das Geld von seinen Altinvestoren. Angeführt wurde die zweite Finanzierungsrunde von Tengelmann Ventures. Beteiligt sind daneben auch btov Partners und Dieter von Holtzbrinck Ventures – letztere gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt. Compeon bezeichnet sich selbst als Marktführer unter den digitalen Plattformen für gewerbliche Finanzierungen und kooperiert mit mehr als 220 Banken, Fördermittelanbietern und Spezialfinanzierern. Gegründet wurde das Fintech von Nico Peters, Frank Wüller und Kai Böringschulte (Foto: von links). Die Plattform ging Mitte 2013 an den Markt.

Element bekommt Bafin-Lizenz
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Das von dem Berliner Company-Builder Finleap gegründete Start-up „Element“ hat für sein Versicherungsgeschäft eine Lizenz von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin erhalten. Wie das Fintech am 11. Oktober meldet, gilt die Erlaubnis für Schaden- und Unfallversicherungen, was Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherungen sowie das Reisegeschäft einschließt. Als möglichen Partner nennt Element neben anderen Start-ups aus der Versicherungsbranche – sogenannten InsurTechs – auch etablierte Marken und Händler sowie klassische Versicherungen und Vermittler. Geschäftsführer Sascha Herwig (links im Bild, mit Wolff Graulich und Henning Groß) war zuletzt Bereichsleiter bei der Nürnberger Versicherung.

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