48 Stunden vor Veröffentlichung
Stresstest-Ergebnis kommt auf den letzten Drücker

Gerade einmal zwei Tage will die EZB den Banken geben, die Ergebnisse des Stresstests vor der Veröffentlichung zu prüfen. Dabei sind viele Fragen offen – etwa wann die Geldhäuser Ad-Hoc-Mitteilungen verschicken müssen.
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FrankfurtDie Aufsichtsbehörden wollen den Banken erst auf den letzten Drücker mitteilen, ob sie den europaweiten Fitnesscheck bestanden haben. Die Institute sollten erst 48 Stunden vor der Veröffentlichung der Ergebnisse im Oktober erfahren, wie sie in dem Test abgeschnitten haben, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Dies habe die Europäische Zentralbank (EZB), die ab November die Aufsicht über die wichtigsten Banken der Euro-Zone übernimmt, den Banken bei Treffen am Dienstag und Mittwoch mitgeteilt.

Nach dem Willen der EZB sollen die Banken die Ergebnisse von Bilanzcheck (AQR) und Stresstest dann innerhalb von 48 Stunden abzeichnen, wie einer der Insider erklärte. Sie würden damit quasi bestätigen, dass die Zahlen korrekt sind und die Aufsichtsbehörden richtig gerechnet haben. Einige Bank-Manager hätten bei den Treffen mit der EZB jedoch deutlich gemacht, dass sie Bauchschmerzen mit dieser Vorgehensweise haben. „Die Banken können diesen hoch komplexen AQR-Prozess innerhalb von 48 Stunden nicht so nachvollziehen, dass sie ihn guten Gewissens freizeichnen können“, sagte der Insider. Ebenfalls noch nicht geklärt sei die Frage, wie verhindert werden kann, dass die Geldhäuser nach dem Erhalt der Fitnesscheck-Ergebnisse Ad-Hoc-Mitteilungen verschicken müssen.

„Es gibt einen laufenden Dialog mit den Banken über den Fitnesstest, zu dem in dieser Woche auch Treffen mit den Finanz- und Risikovorständen der Banken stattgefunden haben“, erklärte ein EZB-Sprecher. Die Zentralbank wolle die Banken zu einem späteren Zeitpunkt über den exakten Zeitplan informieren. Die Aufsichtsbehörden prüfen derzeit 128 Banken in Europa auf Herz und Nieren. Sie wollen damit verhindern, dass unentdeckte Risiken zum Vorschein kommen, wenn die EZB die Aufsicht über die größten Institute der Euro-Zone übernimmt. Die im Aufbau befindliche Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB ist ein Teil der sogenannten Bankenunion, mit der die Steuerzahler in der Euro-Zone künftig besser vor den Folgen von Bankenkrisen geschützt werden sollen. Zudem hoffen die Aufseher, dass durch den Fitnesscheck das Vertrauen steigt und Investoren wieder verstärkt Geld in europäische Institute stecken.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bitte besser recherchieren, da Sie bei der Auswahl der Institute, die durch die EZB überprüft werden, Ihrem Artikel http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/finanzaufsicht-ezb-wird-21-deutsche-banken-beaufsichtigen-/10117042.html widersprechen.

    "Gestrichen wurden die zur bundeseigenen KfW-Förderbank gehörende KfW-Ipex-Bank, die in der Finanzkrise 2007/08 als erstes deutsches Geldhaus gestrauchelte IKB und der Finanzdienstleister W&W. Aus der gesamten Euro-Zone werden künftig 120 Institute von der EZB beaufsichtigt, bislang hatte die Liste 128 Banken umfasst."

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