Abberufung von Vorständen

Schlappe für Commerzbank-Chefaufseher

Seit Monaten drängt Commerzbank-Chef Blessing darauf, zwei Vorstandsposten bei der Commerzbank abzuschaffen. Aufsichtsratschef Müller ist mit der entsprechenden Abstimmung gescheitert – zumindest vorerst.
Update: 14.10.2013 - 20:21 Uhr 5 Kommentare
Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller: Nötige Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt. Quelle: Imago

Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller: Nötige Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt.

(Foto: Imago)

FrankfurtDas Tauziehen um die Verkleinerung des Commerzbank-Vorstands geht in die nächste Runde. Der Vorschlag von Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, zwei Manager abzuberufen, verfehlte am Montag Informationen des Handelsblatts zufolge die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit in dem Kontrollgremium.

Einen neuen Anlauf könnte Müller in etwa vier Wochen wagen. Dann könnte der Chefaufseher seine Absicht mit Hilfe des Instruments des Zweitstimmrechts durchsetzen. Eine einfache Mehrheit vorausgesetzt, könnte Müller sein doppeltes Stimmgewicht einbringen, um die Manager abzuberufen. Abfindungsverhandlungen mit den beiden Managern waren bisher an unterschiedlichen Vorstellungen gescheitert.

Die Vorstände Ulrich Sieber und Jochen Klösges sollen nach Vorstellung von Vorstandschef Martin Blessing gehen. Das Institut baut derzeit über 5.000 Stellen ab und auch der Vorstand soll verkleinert werden. Die Manager verantworten die interne Abwicklungseinheit, in der das Institut Geschäfte gebündelt hat, von denen es sich trennen will. Sieber ist zudem für Personalfragen zuständig. Die Commerzbank wollte sich auf Anfrage nicht zu der Aufsichtsratssitzung äußern.

Der Münchener Wirtschaftsprofessor Manuel René Theisen hat das Vorgehen von Aufsichtsratschef Müller scharf kritisiert. „Der Aufsichtsrat hat sich blamiert“, sagte Theisen dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Das Instrument des Zweitstimmrechts sollte ein Vorsitzender nur im Kriegsfall einsetzen, wenn also eine existenzbedrohende Lage vorliegt.“ Er frage sich, warum die Vorstandsverträge noch 2011/2012 verlängert wurden. Dass es der Commerzbank schlecht gehe, wisse der Aufsichtsrat doch schon länger.

Theisen empfiehlt Müller, das Verfahren ohne weitere Konfrontation zu Ende zu bringen. „Ich wundere mich ohnehin, dass Herr Müller, der bis vor kurzem die Corporate Governance Kommission geleitet hat, offensichtlich versucht, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen“, so der Wirtschaftsprofessor.

Der Commerzbank-Vorstand hatte bereits im August auf Drängen Blessings beschlossen, den Vorstand auf sieben Mitglieder zu verkleinern. Eine einvernehmliche Einigung mit den betroffenen Vorständen ist aber nicht in Sicht. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stören sich vor allem daran, dass die bisher von Sieber bekleidete Position des Personalchefs künftig von einem anderen der verbleibenden sieben Vorstände „nebenbei“ erledigt werden soll.

Arbeitsrechtliches Neuland?
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5 Kommentare zu "Abberufung von Vorständen: Schlappe für Commerzbank-Chefaufseher"

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  • Es bahnt sich die nächste juristische Klatsche für die Commerzbank an.

    Man muss es dennoch als erstaunlich ansehen, dass bei der Qualität der Leitung das Institut nicht schon lange "umgefallen" ist.

    Möglicherweise will man sich in die Bankenunion retten. Dann zieht die Bankenaufsicht der EZB und dort wiederum die Forderung von Mersch, dass der Staat für die Bank haften muss.

    So elegant hat man sich die Sache ausgedacht.

    Eigentlich ist es genug mit diesen Spielereien zu Lasten der Bürger.

    Der Staat sollte die Vorstände und letztlich die Eigentümer fragen, ob Sie das Institut noch eigenverantwortlich leiten können oder nicht. Wird dies negativ beschieden, sollten die Eigentümer die Bank mit ihrem Restwert dem Staat zur Übernahme anbieten und anschließend übereignen. Der Staat kann dann die Spareinlagen der Bürger garantieren und sich aus dem nicht notwendigen Geschäft der Bank verabschieden. Die Bank wieder als solide Bank fortführen.

    Sollten die Eigner die Bank fortführen können, sollten sie dies tun und die Bürger in Ruhe lassen.

    Der Gedanke einer Enteignung, der schnell ins Spiel gebracht werden könnte, wäre obsolet, weil die Bank noch einen geschätzten Maximalwert von 1 € hat.

    Anschließend wäre die gesamte bisherige Geschäftsführung staatsanwaltschaftlich aufzuarbeiten. Staatsanwaltschaftlich bedeutet in diesem Fall nicht mit Staatsanwälten sondern kompetent im Regelungsbereich des Strafgesetzbuches.

    Aus Insiderinformationen ist mir bekannt, dass hier schon fein zu differenzieren ist und dies keinesfalls immer gleichgesetzt werden kann. Vollzugsbeamte der Staatsanwaltschaften sind bekanntlich politisch, nicht aber vom Gesetz gesteuert (siehe Stuttarter Nachrichten: Fahsel, Ex-Richter geht mit seiner Zunft ins Gericht - und die schweigt, 30.10.2008,
    http://content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/1862051_0_9223_-bitterboeser-leserbrief-ex-richter-geht-mit-seiner-zunft-ins-gericht-und-die-schweigt.html)

  • Bei Müller und Blessing trieft der Dilettantismus aus allen Poren. Liebe Frau Merkel und lieber Herr Schäuble, wann bitte werden Sie uns endlich von diesen Pappnasen befreien?

  • Es ist einfach nur unglaublich! Eine Bank aus dem DAX ist nicht einmal in der Lage sich ordentlich und professionell -- wie schon 1000-fach geschehen- von 2 Vorständen zu trennen. Wie unprofessionell ist das denn ?? Einmalig für ein Dax-Unternehmen. Herr Blessing, Sie müssen Herrn Sieber behalten. Der ist Personaler, der kann Trennungsverträge abschliessen Sie zahlen Kompetenz aus der Firma, die Sie ganz offensichtlich dann nicht mehr haben. Schwierig!
    Sie werden sie vor allem brauchen, da Sie noch viele Leute abbauen müssen, aufgrund der Marktsituation und insbesondere aufgrund der von Ihnen verantworteten Strategie. Oder haben Sie Sorge, dass Ihnen Herr Sieber mal Ihren eigenen Trennungsvertrag wasserdicht formulieren muss ?

  • Müller und Blessing sind zwei die es nicht können, das haben sie nun schon reichlich bewiesen, sie gehören einfach nur weg. Die beiden Vorstände die man gerne los werden möchte haben Verträge und die gelten nun mal in einem Rechtsstaat, da kann sich der komplette Aufsichtsrat auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln. Spätestens vor den Gerichtsinstanzen würden die Herrschaften klein beigeben müssen und es wäre nur ein weiteres bestätigendes Zeichen wie blamabel derzeit agiert wird. Sicher können die zwei Vorstände frei gestellt werden, allerdings müssen die fiskalischen Verpflichtungen im Vertrag eingehalten werden, was soll also diese Diskussion?! Sollte der ganze Zirkus auf Betreiben des Großaktionärs Bundesrepublik Deutschland veranstaltet werden, wäre es auch für die Politik ein Armutszeugnis. In der Politik und Finanzbranche wird der Rechtsverstoß allmählich zum Tagesgeschäft, beiden abgehobenen Banden gehört der Kopf gehörig gewaschen!

  • Die Vorgehensweise der Commerzbank gegenüber den beiden Vorständen S. und K. ist einfach nur skandalös. Hier sollten die Herren Müller und Blessing nun wirklich mal nachdenken ob sie alles richtig machen und ob sie selbst nicht gehen sollten. Wer hat die Verträge der beiden Herren bis 2017 verlängert ? Sind sie nun auf einmal wirklich so schlecht, dass ich Ihnen lieber Geld für das Nichtstun gebe als sie auf eine der vielen Baustellen der Bank zu setzen ?Ist es nicht wieder eine weitere alibi-Aktion um alibimäßig zu zeigen wie auch oben gespart wird..Nichts wird gespart, es wird weiter Geld zum Fenster rausgeschmissen, diese Entlassung rechnet sich nie! Wie geht man mit Menschen um ? Auch Manager sind Menschen, Siebert kann man keine Schuld nachweisen, er hat vieles richtig gemacht und dem Herrn Blessing viel Mist weggeräumt. Jetzt wird aber wieder im Sandkasten gespielt und die ´Menschen nach der Tageslaune von Martin Blessing ausgetauscht. Wie bei Dr. Kassow, wie bei 100ten von Filialleitern usw. Keine Strategie, immer nur Leistung vortäuschen zu Lasten von Menschen, Steuerzahlern und Kunden. Schade um die Bank!Es geht nichts voran, immer nur Rochaden die nichts bringen(siee Zielke als Nachfolger von Kassow uvm.
    Herr Bäumer bleiben Sie, übernehmen Sie und schicken Sie den Rest nach Hause. Professionell wie es sich gehört.
    Ein aufmerksamer Beobachter

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