ABN Amro kauft LGT
Der Fürst verabschiedet sich aus Deutschland

Die Übernahme der BHF Bank wäre ein großer Sprung gewesen - doch Finanzaufseher machten der LGT einen Strich durch die Rechnung. Das Geschäft mit den reichen Privatkunden in Deutschland machen jetzt die Niederländer.
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Frankfurt/DüsseldorfAlles hätte so schön sein können: Sich die Deutsche-Bank-Tochter BHF schnappen, 2000 Beschäftige mehr, Gas geben im Deutschlandgeschäft mit anspruchsvollen Kunden - endlich schwarze Zahlen.
Der Deal schien eine klare Sache zu sein; unterschriftsreif. Auch die Deutsche Bank, die ihre Tochter gerne los geworden wäre, glaubte sich auf der sicheren Seite. So sicher, dass im Sitzungssaal der Traditionsbank BHF in Frankfurt Mitte April schon alles vorbereitet war für den Tag, an dem die monatelange Unsicherheit über den Verkauf endlich ein Ende haben sollte. Große Bühne, große Scheinwerfer, edle Bestuhlung, aufwendige Ton- und Fernsehtechnik.

Auf den letzten Metern gescheitert

Und dann ging alles ganz schnell: Die feierliche Verkündung des Verkaufs an die Liechtensteiner LGT platzt und die Führungskräfte der BHF-Bank werden über das Scheitern aller Gespräche informiert. Enttäuschung pur. Die BHF-Bank soll so weit wie möglich in die Deutsche Bank integriert werden.

Schuld an dem Scheitern war die deutsche Finanzaufsicht BaFin, die kritische Fragen zu früheren Steuersünden und zum Fürstenhaus stellte. Damit machten die Aufseher der LGT in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung und verhinderten die Übernahme der früheren Sal.-Oppenheim-Tochter.

Nach dem geplatzten Verkauf steht für die Liechtensteiner fest, dass sie dem Geschäft mit reichen Privatkunden in Deutschland den Rücken kehren und ihr Geschäft zum Verkauf stellen wollen. Die 2003 gegründete Privatbank sei zwar laufend gewachsen, aber nie in die schwarzen Zahlen gekommen. „Ohne Wachstum durch eine Übernahme können wir die strategischen Ziele nicht erreichen, die wir uns für das Private Banking in Deutschland gesetzt haben“, sagte der Sprecher im April. LGT werde sich nun auf andere Märkte konzentrieren.

Altlast "Zumwinkel-Affäre"

Das Geschäft mit den wohlhabenden Deutschen geht jetzt an die Niederländer – wie heute bekannt wurde, übernimmt die Privatbank Delbrück Bethmann Maffei die LGT Deutschland. Bis zum Ende des Jahres soll der Kauf abgeschlossen sein, teilte die Tochter der niederländischen ABN Amro mit. Über den Preis wird sich derzeit noch ausgeschwiegen und auch, was aus den 135 Mitarbeitern wird, die von der LGT Bank Deutschland an sieben Standorten beschäftigt werden, ist offen.

Stimmen die Kartellbehörden dem Deal zu, baut Delbrück Bethmann Maffei das verwaltete Vermögen hierzulande auf rund 20 Milliarden Euro aus. Die Privatbank mit Sitz in Frankfurt ist für das Vermögen von 120.000 besonders betuchten Kunden verantwortlich und verwaltet rund 16,4 Milliarden Euro.

Die Bankenaufseher der BaFin hatten den Liechtensteinern die „Zumwinkel-Affäre“ von 2008 offenbar nicht verziehen. LGT hatte Ende 2010 gehofft, mit einem Bußgeld von 50 Millionen Euro einen Schlussstrich zu ziehen. Sich in Deutschland nach einem anderen Übernahmeziel umzusehen, erschien den Liechtensteinern aussichtslos. In Finanzkreisen hatte es geheißen, kaum eine Bank aus der Schweiz oder aus Liechtenstein hätte die Einwände der BaFin ausräumen können.

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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