Abschreibungen auf Detroit
Nach Commerzbank-Debakel fordern die Grünen Konsequenzen

Eine Tochter der Commerzbank hatte Millionenbeträge in die US-Pleitestadt Detroit investiert. Die Bank muss nun Abschreibungen vornehmen. Grünen-Politiker fordern nun striktere Regeln – für alle Geldhäuser.
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BerlinDie Grünen haben sich nach dem Detroit-Debakel der Commerzbank für schärfere Regeln beim Handel mit Wertpapieren ausgesprochen. Detroit gehe es nicht erst seit ein paar Jahren schlecht. „Die Entscheidung, Detroit einen so großen Betrag zu leihen, war daher sicherlich keine Kreditentscheidung mit fundierter Kreditanalyse. Wahrscheinlich hat das Management der Eurohypo Anlagen mit Top-Rating gesucht, für die es kein oder kaum Eigenkapital vorhalten musste“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online. „Insofern zeigt diese Debakel wieder einmal, warum das Geschäftsmodell der Ratingagenturen reformiert werden muss und warum wir eine Schuldenbremse, sprich harte leverage ratio brauchen, damit Banken nicht mehr vermeintlich sichere Wertpapiere quasi ohne Eigenkapital kaufen können.“

Hintergrund ist ein Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wonach die teilverstaatlichte Commerzbank wegen der Insolvenz der US-Stadt Detroit eine Abschreibung in nicht genannter Höhe vorgenommen hat. Die Bank bestätigte, dass sie der Stadt über Töchter Kredite gegeben habe. Dabei soll es sich laut „FAZ“ um ein Volumen von mehr als 400 Millionen Dollar handeln. Dem Bericht zufolge vergab die Problemtochter Eurohypo den Kredit an Detroit.

Die „Bad Bank“ der Hypo Real Estate, FMS Wertmanagement, hält Anleihen der Stadt Detroit über 200 Millionen Dollar, die zum Teil ebenfalls bereits wertberichtigt sind. Die verstaatlichte belgische Dexia hatte Detroit 305 Millionen Dollar geliehen, muss aber im zweiten Quartal nur noch 59 Millionen Euro davon abschreiben. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's hatten vor der Pleite zuletzt im Juni die Bonität der strauchelnden Metropole herabgestuft. Bei beiden Agenturen rangierte Detroit tief im Bereich der Schrottpapiere.

Es sei gut möglich, dass Detroit erst die erste große kommunale Pleite in den USA sei, sagte Schick. „Wer meint, dass die Finanzkrise vorbei ist, ist einmal mehr als Gesundbeter entlarvt.“ Auf jeden Fall werde deutlich, dass deutsche Banken mal wieder bei einem Debakel am Finanzmarkt an vorderster Stelle dabei sind. „Der Mythos, Deutschland sei nur Opfer der Finanzkrise, ist eindeutig entlarvt“, betonte der Grünen-Politiker. „Unverantwortliche Kreditvergabe deutscher Banken ist eine wesentliche Ursache der Finanzkrise.“

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Abschreibungen auf Detroit: Nach Commerzbank-Debakel fordern die Grünen Konsequenzen"

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  • Ob Herr Schick auch die Frage beantworten kann, warum er 1910, als die Schieflage Griechenlands bekannt wurde den Kauf griechischer Staatsanleihen und die sofortige finanzielle Unterstützung der griechischen Regierung befürwortet hat?
    Der Politiker Schick ist nicht dafür bekannt, daß er Geld nach rationalen wirtschaftlichen Kriterien investiert.
    Der Opportunismus diese Mannes widert einen an!

  • 400 Mio. von 14 Mrd. sind 3%. Die CoBank finanziert dieser Stadt also 3% der Gesamt-Schulden. Wie blöd muss man eigentlich sein? Wo ist Jörg Krämer, der Chef-Komiker
    (sorry: Volkswirt) von diesem Laden. Sonst weiß dieser Schlaumeier doch zu jedem MIST seine Weisheiten. Das mal zum Thema Banken + Volkswirte = saudummes Pak.

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