Abschreibungen Banken vor schweren Zeiten

Die deutschen Banken stehen vor einer dramatischen Abschreibungswelle im Kreditgeschäft, die ihren Höhepunkt voraussichtlich im nächsten Frühjahr erreichen wird. Nach den massiven Verlusten aus strukturierten Wertpapieren, werden die Banken jetzt von den Problemen in der Realwirtschaft eingeholt.
Dunkle Wolken über den Wolkenkratzern der deutschen Bankentürme in Frankfurt. Die deutschen Institute stehen vor einer dramatischen Abschreibungswelle. Quelle: Reuters

Dunkle Wolken über den Wolkenkratzern der deutschen Bankentürme in Frankfurt. Die deutschen Institute stehen vor einer dramatischen Abschreibungswelle.

(Foto: Reuters)

FRANKFURT. „Hier wird sich die Lage für die deutschen Banken in den nächsten 30 Monaten deutlich verschärfen. Dabei sind vor allem Zahlungsausfälle bei großvolumigen Finanzierungen belastend. Im ersten oder zweiten Quartal 2010 rechnen wir bei den Insolvenzen mit einen Höchststand“, sagte Stefan Best, Bankenexperte bei der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), am Donnerstag in Frankfurt.

Nach den massiven Verlusten aus strukturierten Wertpapieren, die die Finanzkrise auslösten, werden die Banken jetzt von den Problemen in der Realwirtschaft eingeholt. Dabei stimmen die Experten vor allem die Lage der exportorientierten Unternehmen, die Verschlechterung auf dem Markt für gewerbliche Immobiliekredite sowie die Probleme bei den Schiffsfinanzierungen skeptisch. Die Fachleute von Eurostat sagen beispielsweise für Deutschland in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 5,4 Prozent voraus, verglichen mit einem Minus von vier Prozent im Euro-Raum.

Vor diesem Hintergrund geht S&P für die Jahre 2009 bis 2011 bei den deutschen Instituten insgesamt von Wertberichtigungen auf Kreditforderungen in Höhe von mindestens 100 Mrd. Euro aus. Dabei wird vorausgesetzt, dass zehn Prozent der Kredite notleidend werden. Das sei aus heutiger Sicht möglich, sagte Best. Momentan liege die Ausfallquote in Deutschland bei knapp drei Prozent. Bei einer Situation wie in Skandinavien Anfang der 90er-Jahre und einer Ausfallquote von 15 Prozent seien Wertberichtigungen von bis zu 170 Mrd. Euro zu befürchten.

Die EZB erwartet in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht für die Banken im Euro-Raum bis 2010 noch Abschreibungen auf Kredite in Höhe von 283 Mrd. Dollar. Den Abschreibungsbetrag für 2007 bis 2010 gibt sie mit 649 Mrd. Dollar an. Der IWF hatte unlängst für den gleichen 4-Jahreszeitraum den Abschreibungsbedarf auf Kredite für den Euro-Raum plus Großbritannien auf 888 Mrd. Euro geschätzt.

Gerade in Deutschland sieht S&P ein hohes systemisches Risiko wegen der Struktur der Banken. Die Abhängigkeit von Firmenkundengeschäft und Investment-Banking (Wholesale-Banking) und der geringe Anteil des Privatkundengeschäfts macht große Banken krisenanfällig. Daher seien deutsche Banken auch so stark betroffen, obwohl die hausgemachten Kreditprobleme deutlich geringer sind als in den USA, Großbritannien oder Spanien. In den ersten beiden Quartalen lieferte das Kapitalmarktgeschäft – etwa bei der Deutschen Bank – zwar wieder gute Ergebnisse. Die Analysten von S&P glauben aber nicht, dass sich die Entspannung im Kapitalmarktgeschäft im weiteren Jahresverlauf fortschreiben lässt. Das gelte auch für die bisher guten Handelsergebnisse.

Skeptisch äußerte sich Best zu den Plänen der Bundesregierung, die noch sieben selbstständigen Landesbanken zu zwei oder drei Einheiten zu verdichten. Wenn der Bund auf Fusionen dränge, trage er auch eine politische Mitverantwortung, wenn die Zusammenschlüsse unter den öffentlich-rechtlichen Instituten am Ende scheiterten. „Fusionen von Landesbanken alleine beseitigen auch nicht die strukturellen Probleme der Geschäftsmodelle", gab der Bankenexperte zu bedenken. Ob die geplanten „Bad Banks“ zur Auslagerung toxischer Wertpapiere und Geschäftsbereichen zu besseren Ratings führten, lasse sich heute noch nicht sagen. Für einige Landesbanken seien die Anreize zur Teilnahme zudem nicht sonderlich hoch. Das gelte etwa für die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) oder die NordLB, die vergleichsweise gut dastünden. Die Landesbanken müssten ihre Unabhängigkeit aufgeben, obwohl sie die Lasten am Ende selbst tragen müssten. Zudem seien drei der öffentlich-rechtlichen Institute bereits rekapitalisiert worden.

Kritik übte Best an der ablehnenden Haltung der Sparkassenverbände, sich an den Ausfallgarantien und dem Verlustausgleich für die Bad Banks der Landesbanken zu beteiligen. Sparkassen und Volksbanken seien sehr gut mit Kapital ausgestattet. „Es ist schon erstaunlich, wenn sich die Sparkassen bei den Garantien für ihre Landesbanken im Rahmen der Bad Banks überfordert sehen“, so Best. Denn eigentlich seien die meisten Sparkassen überkapitalisiert. Zudem bilanzierten sie nach HGB und könnten bis zu vier Prozent des Kreditvolumens als stille Reserven bilden, die in den Bilanzen nicht sichtbar würden. Dabei handele es sich um Milliardenbeträge. Der Sparkassenverband DSGV konterte: „Den Sparkassen werden sowohl riesige Probleme als auch Überkapitalisierung vorgeworfen. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Um die Sparkassen muss sich keiner Sorgen machen.“

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