Abwicklungsanstalt

EAA schultert weitere 100 Milliarden

Die Bad Bank EAA hat ein neues 100-Milliarden-Kapitel aufgeschlagen – ohne größere Belastungen für den Steuerzahler, wie die Bank mitteilt. Ziel sei eine schwarze Null am Ende des Abwicklungszeitraums.
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Die Erste Abwicklungsanstalt schultert weitere Milliarden. Quelle: dpa

Die Erste Abwicklungsanstalt schultert weitere Milliarden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Bad Bank Erste Abwicklungsanstalt (EAA) will weitere rund 100 Milliarden Euro aus der Erbmasse der ehemaligen WestLB ohne größere Belastungen für den Steuerzahler schultern. „Unser Ziel bleibt es, den zügigen Abbau des Portfolios fortzusetzen und am Ende des Abwicklungszeitraums eine schwarze Null zu erreichen“, sagte Vorstandsmitglied Matthias Wargers am Montag in Düsseldorf.

Die EAA war vor rund zweieinhalb Jahren als Reste-Rampe der WestLB mit Portfolien in einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro an den Start gegangen. Bis zur Jahresmitte 2012 reduzierte die EAA die ihr übertragenen Risiko-Kredite und Staatsanleihen auf rund 45 Milliarden Euro. Bis Dezember will der Vorstand nun eine Abwicklungsstrategie für das neue, dann rund 150 Milliarden Euro umfassende Portfolio vorlegen.

Das sind die Milliardenfriedhöfe der Geldinstitute
huGO-BildID: 13755195 ** ARCHIV ** Das Logo der Hypo Real Estate, aufgenommen am 7. Oktober 2008 am Hauptsitz des Unternehmens in Muenchen. Die Oppos
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Bad Banks

In den sogenannten Bad Banks haben deutsche Institute seit dem Beginn der Finanzkrise ihre krisenverursachenden Schrottpapiere ausgelagert. Bad Banks sind also die Abwicklungsanstalten der Geldhäuser. Dort sollten die Papiere eigentlich still und leise beerdigt werden. Doch die Abwicklung zieht sich. Es kann noch lange dauern, bis alle Schrottpapiere „unter der Erde“ sind und in Frieden ruhen.
Die Krisengeschäfte wurden von den Banken entweder in externe Gesellschaften ausgelagert oder sie werden intern abgewickelt. Das größte Milliardengrab in Deutschland ist die Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE).

HRE-"Bad Bank" schreibt 3 Milliarden Euro ab
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Hypo Real Estate

Ende 2010 lagerte die verstaatlichte Hypo Real Estate mit Unterstützung des Bundes Risikokredite und Randgeschäfte im Wert von 175 Milliarden Euro in eine Bad Bank aus. Die Gesellschaft ist rechtlich von der Münchener Hypo Real Estate abgespalten.

Buchungsfehler bei Abwicklung der HRE durch FMS Wertmanagement
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Hypo Real Estate

Die Bad Bank firmiert unter dem Namen FMS Wertmanagement. Das Problem der sauberen rechtlichen Trennung ist, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Löcher der staatlichen Bad Bank mit Steuergeldern stopfen muss. Bis 2020 könnten noch weitere Milliarden-Abschreibungen folgen. In der Zusammenarbeit zwischen HRE und FMS gibt es zudem immer wieder Pannen. Denn das wenige Personal der FMS kann die Arbeit nicht ohne die HRE-Kollegen erledigen.
Der spektakulärste Fehler war dabei der 55-Milliarden-Euro-Rechenfehler im Herbst 2011. Schuld daran waren allerdings die Mitarbeiter der irischen HRE-Tochter Depfa, die ihre Kollegen nicht über abweichende Buchungsmethoden informiert hatten.

Bad Bank der Hypo Real Estate gestartet
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Hypo Real Estate

Außerdem musste die Bad Bank FMS Wertmanagement Milliarden-Abschreibungen nach dem griechischen Schuldenschnitt hinnehmen. Insgesamt kamen so 8,9 Milliarden Euro zusammen. Weitere Belastungen durch die Hellas-Anleihen sind möglich. Im Geschäftsjahr 2011 hat die Bad Bank insgesamt 9,97 Milliarden Euro Verlust gemacht.

Die gesunden Reste der Hypo Real Estate wurden unterdessen umbenannt. Die Bank schreibt ihre Kunden mittlerweile unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank (PBB) an.

Bilanzpressekonferenz WestLB
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WestLB

Die Landesbank Nordrhein-Westfalens mit Sitz in Düsseldorf ist seit dem 1. Juli 2012 Geschichte. Die Bank wurde nach Vorgaben der EU-Kommission zerschlagen. Die Lasten der Vergangenheit werden dagegen nicht so schnell verschwinden.

Die Bad Bank der WestLB, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), hatte Ende 2011 Schrottpapiere im Wert von 51 Milliarden Euro im Depot. Bei der Ausgliederung des schadhaften Portfolios Ende 2009 war der Nominalwert mit 77,5 Milliarden Euro allerdings noch ein Drittel höher. Der Abwicklungsplan sah ursprünglich einen Rückgang auf 55 Milliarden Euro bis Ende 2011 vor. Doch mit der Abwicklung der WestLB bekam die EAA einen neuen Haufen Arbeit.

WestLB-Abwicklungsanstalt
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WestLB

Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro werden nun aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA landen. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

West LB-Mitarbeiter demonstrieren
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WestLB

Der Immobilien-Finanzierer Westimmo ist als Ganzes in die Abwicklungsanstalt EAA überführt worden. Denn das Institut ist eine Pfandbrief-Bank - und damit nicht so leicht aufzulösen. Der Pfandbrief, eine mit Immobilien- oder Staatskrediten besicherte Bankanleihe, genießt in Deutschland einen hohen gesetzlichen Schutz. Die Kreditbestände können aber erst mit der Zeit abgebaut werden. Erst wenn Pfandbriefe fällig werden, werden auch Kreditsicherheiten überflüssig. Das Vermögen der Bad Bank EAA soll bis zum Jahr 2025 verkauft werden.

(Bild: Demo von WestLB-Mitarbeitern vor der Zentrale in Düsseldorf im Juni 2011)

Die EAA war im Dezember 2009 eingerichtet worden, um Giftpapiere der WestLB zu verwerten - mit milliardenschweren öffentlichen Garantien im Rücken. Mitte 2012 wurde nun die WestLB nach langem Streit mit der EU-Kommission um öffentliche Beihilfen und Garantien vollständig zerschlagen. Rund 100 Milliarden Euro aus ihren Beständen landen bei der EAA.

Die Übertragung soll bis zum Jahresende vollzogen sein, dann schlägt die EAA ein neues Kapitel auf. Unter anderem landet dann auch die Immobilienbank WestImmo in ihren Büchern. Der WestLB war es nicht gelungen, das Institut vor ihrer Zerschlagung zu verkaufen.

Die beiden EAA-Chefs Wargers und Markus Bolder haben seit der Einrichtung der EAA bereits Risikopositionen mit einem Volumen von rund 32 Milliarden Euro abgewickelt. Das letzte Halbjahr 2012, allein von dem ursprünglichen WestLB-Portfolio geprägt, konnten sie sogar mit einem positiven Ergebnis abschließen - nach Steuern blieben nach sechs Monaten 9,7 Millionen Euro.

Das Eigenkapital konnte die EAA damit leicht auf 624 Millionen Euro erhöhen. Es ist indes seit dem Start der EAA deutlich geschmolzen - nicht zuletzt aufgrund von Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen. Die Bad Bank war mit 3,1 Milliarden Euro Eigenkapital gegründet worden.

  • rtr
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5 Kommentare zu "Abwicklungsanstalt: Bad Bank der WestLB schultert weitere 100 Milliarden"

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  • Für eine CD der Bad Banks HRE und WestLB würde wohl kein Finanzminister einen Cent bezahlen. Warum auch? Man kennt ja den Inhalt ;-) Solange man das Publikum mit netten Presseaktionen ruhigstellen kann ist die Welt noch in Ordnung. Und das Publikum ist zufrieden. Obwohl die steuerneutrale Verbuchung von 100 Milliarden Euro Schrott ein Lehrbeispiel für buchhalterische Tricksereien wäre. Die Schulbuch-Ökonomen langweilen ihre Studenten mit Standardmodellen. Sinnloser kann Ausbildung nicht sein. In den Bad Banks von Deutschland bis Griechenland spielt das wahre Leben. Es ist Zeit, die Lehrbücher neu zu schreiben.

  • Das Muster ist immer dasselbe:
    1. Gründung einer BAD BANK und Hinweis, dass wahrscheinlich keine Belastungen kommen werden.
    2. Einbuchung einer satten Abschreibung mit anschließender EK Maßnahme als ""einmalige" Korrektur".
    3. Ausweisung eines kleinen Liquidisierungsgewinnes im Folgejahr, der als "Problemlösung" gefeiert wird.
    4. Satte Abschreibung im Folgejahr mit EK Maßnahme
    5. Kleiner Gewinn im darauffolgenden Jahr mit "Presseinfo"
    6....

    Irgendwann wundern sich die Steuerzahler, weil statt des angeblich nahezu ausgeglichen Staatshaushaltes die Schulden trotzdem massiv gestiegen sind.

    Wichtig bei diesem Spiel ist es, die Bad Banks und ihre guten/schlechten Nachrichten so zu postionieren, dass einem kleinen Gewinn bei der HYPO Real Estate der satte Verlust der andern Bad Bank möglichst gegenübergestellt wird. (Ringtauschmodell)

    Folge: Der Leser denkt: Ist doch nicht so schlimm.

    Die Suppe wird dann noch mit einer EU weiten Bankaufsicht/-insolvenzversicherung "abgeschmeckt" bei der die Deutschen Kreditinstitute für die Beitragszahlungen und die Peripheriebanken für die Inanspruchnahme verantwortlich sind.

    Chappeau! Ich hätte es mir nicht besser ausdenken können.

  • Schrottplatz bleibt Schrottplatz. Mit diesem Artikel erreicht die Volksverdummung einen weiteren traurigen Höhepunkt. Natürlich belasten die Bad Banks die Steuerzahler. Sonst hätten diese Konstruktionen doch keinen Sinn. Die Hoffnung dahinter lautet simpel: Verluste über die Zeit verteilen bis es niemanden mehr kratzt.

  • Bei einer Standardfirma würde ich dazu sagen: das ist Insolvenzverschleppung.
    Bei dieser Verdrehung sei die Frage erlaubt: warum kann ein kleiner Mittelständer nicht auch seine "Bad-Risiken" einfach auslagern statt eine Pleite hinzulegen?

  • Das Ergebnis jahrzehntelanger SPD Politik am Rhein: die grösste deutsche Bad Bank. Und heute kaufen Finanzminister Hehlergut. Mutti Kraft ersetzt Mutti Merkel. Da wird bestimmt alles gut.

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