Achleitner preist neuen Deutsche-Bank-Chef
„Er spricht gut deutsch“

Zuletzt hatte sogar der Betriebsrat der Konzernzentrale gegen die Deutsche-Bank-Spitze gewettert. Nach dem Abschied Anshu Jains preist der Chefaufseher den Nachfolger John Cryan in einem Brief an die Belegschaft.
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FrankfurtDeutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner setzt darauf, dass der künftige Vorstandschef John Cryan den „Kulturwandel“ des Instituts glaubhaft verkörpert. „John Cryan ist nicht nur ein erfahrener Banker (...), sondern steht persönlich und beruflich für die Werte, die nötig sind, die Deutsche Bank voranzubringen und die Strategie 2020 erfolgreich umzusetzen“, lobte Achleitner den designierten Nachfolger von Anshu Jain in einem Reuters am Montag vorliegenden Brief an die 100.000 Mitarbeiter der größten deutschen Bank. Zuletzt hatten sich auch Teile der Belegschaft gegen Jain gestellt: Der Betriebsrat in der Deutsche-Bank-Zentrale forderte offen einen „radikalen Neuanfang“.

Indirekt kontrastiert der Aufsichtsratschef in dem Brief die Qualitäten Cryans mit Jains kritisierten Schwächen. Cryans Name sei nicht mit Altlasten verbunden, und er spreche gut Deutsch, betonte Achleitner. Jains Glaubwürdigkeit hatte stets darunter gelitten, dass er vor seinem Antritt als Co-Vorstandschef das Investmentbanking geführt hatte, das der Deutsche Bank einen Großteil der milliardenteuren Altlasten und Rechtsstreitigkeiten eingebrockt hat, unter denen sie leidet. Zudem hatte der Inder Jain trotz aller Beteuerungen, die Sprache zu lernen, sich nur selten auf Deutsch geäußert. Auf der Hauptversammlung ließ er seine Rede simultan vom Englischen ins Deutsche übersetzen.

Achleitner warb für Cryan: „Ich bin überzeugt, dass Sie die Wertschätzung des Aufsichtsrats für ihn teilen werden, sobald Sie ihn kennengelernt haben“, hieß es in dem Brief weiter. Der Brite sitzt seit zwei Jahren im Aufsichtsrat der Deutsche Bank. „Er bringt eine externe Sichtweise mit ein, aber verfügt über profunde Kenntnisse zur Deutsche Bank.“ Jain hatte 20 Jahre für die Deutsche Bank gearbeitet, sein Partner in der bisherigen Doppelspitze Jürgen Fitschen sogar 28 Jahre.

„Jegliche Kritik an der Art und Weise, wie sie die Bank geführt haben, darf nicht den substanziellen, jahrzehntelangen Beitrag überschatten, den sie für unsere Bank geleistet haben“, ging Achleitner erneut auf Distanz zur Doppelspitze, die seit fast genau drei Jahren amtiert. Cryan soll Jain von Juli an als Teil des Führungsduos ersetzen. Nach der Hauptversammlung 2016 soll er die Bank allein führen. Die Entscheidung von Fitschen und Jain, vorzeitig abzutreten, zeige „auf beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen“, schrieb Achleitner.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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