Ackermann hält am Stellenabbau fest – Betriebsrat drängt auf Beschäftigungspakt: Schröder ermahnt Deutsche Bank zu sozialer Verantwortung

Ackermann hält am Stellenabbau fest – Betriebsrat drängt auf Beschäftigungspakt
Schröder ermahnt Deutsche Bank zu sozialer Verantwortung

Der Stellenabbau bei der Deutschen Bank provoziert weiter intensive Debatten. Am Sonntag reihte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Reihen der Kritiker ein.

pot/olm/Reuters FRANKFURT/M. Gegenüber der „Welt am Sonntag“ mahnte Schröder, die Bank dürfe bei ihrem Streben nach Rendite ihre soziale Verantwortung nicht vergessen. „Brachialgewalt hilft da sicherlich nicht.“ Schröder, der seine Kritik in moderatere Worte verpackte als andere Politiker vor ihm, empfahl Konzernchef Josef Ackermann den früheren Bankchef Alfred Herrhausen als Vorbild. Dieser habe die Bank stets auch in der Pflicht gegenüber den Beschäftigten und Deutschland gesehen.

Ungeachtet aller Diskussionen hält die Deutsche Bank an ihren Plänen fest. Ackermann will konzernweit 6 400 Arbeitsplätze streichen. Da zugleich 1 200 Jobs in Niedrig-Lohn-Regionen entstehen sollen, verschwinden per saldo 5 200 Mitarbeiter, davon 1920 in Deutschland. Auf diese Weise will die Bank, die im letzten Jahr 2,5 Mrd. Euro verdiente, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern erreichen. Dies wäre auf internationaler Bühne ein guter, aber keineswegs außergewöhnlicher Wert.

Für Verwirrung hatte vorübergehend der Chefvolkswirt des Institutes, Norbert Walter, gesorgt. Walter hatte gesagt, es könne sich lohnen. den Schritt noch einmal zu überdenken. Dem widersprach die Bank umgehend. „Die Position bleibt unverändert“, betonte ein Sprecher. Diese Kommunikationspanne ist nicht die erste. In Finanzkreisen herrscht vielfach die Auffassung vor, dass die Bank die Einschnitte nicht genügend erklärt habe. Auch der Zeitpunkt der Bekanntgabe sei unglücklich gewählt gewesen. Am Tag vor der Veröffentlichung der Einzelheiten des Stellenabbaus war bekannt geworden, dass die Arbeitslosenzahl in Deutschland erstmals über fünf Millionen gestiegen war.

Der Betriebsrat der Deutschen Bank fordert weiter einen Verzicht auf die Stellenstreichung. Zudem drängt die Arbeitnehmervertretung auf ein Wachstumsprogramm sowie einen Beschäftigungspakt, um den Standort Deutschland zu stärken. In dieser Woche wollen sich Betriebsrat und Vorstand zu einem Spitzengespräch treffen. Aus Sicht der Bank soll dabei aber nur über eine „sozialverträgliche“ Form des Stellenabbaus gesprochen werden.

Auf Arbeitgeberseite werden die Pläne ebenfalls kontrovers diskutiert. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegießer, appellierte an die Unternehmen, vor einem Arbeitsplatzabbau alle Möglichkeiten zu nutzen und notfalls „eine Zeit lang niedrigere Renditen zu akzeptieren.“ Demgegenüber sagte Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, dass „derartige Patriotismusdebatten“ nirgends hin führten. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt betonte, Unternehmen könnten nur dann ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, wenn sie ausreichende Gewinne erzielten.

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