Ackermann im Deutsche-Bank-Prozess „Mir wurde nichts in den Mund gelegt“

Im Prozess wegen des Vorwurfs des Prozessbetrugs gegen amtierende und ehemalige Deutsche-Bank-Manager hat Ex-Chef Josef Ackermann das Wort ergriffen. Auch Jürgen Fitschen äußerte sich erstmals.
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Das Bild zeigt den Ex-Chef der Deutschen Bank am 18. Mai 2015 im Verhandlungsaal München. Quelle: dpa
Josef Ackermann

Das Bild zeigt den Ex-Chef der Deutschen Bank am 18. Mai 2015 im Verhandlungsaal München.

(Foto: dpa)

MünchenAm Landgericht München ist am Montag der Prozess gegen fünf amtierende und ehemalige Top-Manager der Deutschen Bank in die nächste Runde gegangen. Mit fester Stimme wies Ex-Vorstandschef Josef Ackermann den Vorwurf des Prozessbetrugs von sich. „Ich habe stets nach meinem besten Wissen und Gewissen ausgesagt“, sagte Ackermann in Saal B273, „mir wurde nichts in den Mund gelegt.“ Es gehe um Ereignisse, die mittlerweile mehr als 13 Jahre zurückliegen. Ackermann beteuerte, er habe „zu keinem Zeitpunkt seine Aussagen mit anderen Angeklagten abgesprochen oder abgestimmt“.

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft dem aktuellen Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, seinen beiden Vorgängern Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weiteren Ex-Managern vor, in einem Prozess um Schadenersatzforderungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch nicht die Wahrheit gesagt und ihre Aussagen unzulässigerweise abgesprochen zu haben.

Auslöser für den jahrelangen Rechtsstreit waren nur wenige Sätze, die der damalige Chef der Deutschen Bank, Breuer, im Januar 2002 in ein Reportermikrofon gesprochen hatte. Breuer zweifelte in dem kurzen Gespräch die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs an – angeblich um später einen Auftrag Kirchs an Land ziehen zu können. Wenig später ging dessen Medienkonzern unter. Kirch machte dafür zeitlebens Breuer und die Deutsche Bank verantwortlich. Die Bank zahlte schließlich über 900 Millionen Euro in einer außergerichtlichen Einigung.

Ackermanns Verteidigungslinie im aktuellen Fall wurde am Montag deutlich: Die Bank habe damals kein Mandat von Kirch haben wollen, argumentierte er. Die Annahme der Staatsanwaltschaft, die Bank habe Kirch mit den Aussagen Breuers gezielt schaden wollen, sei deshalb „lebensfremd“. „Ich habe in 40 Jahren Bankerfahrung nie erlebt, dass ein Kunde schlecht geredet wird, um ein Mandat von ihm zu erhalten“, so Ackermann. „Wenn wir ein Mandat hätten haben wollen, hätten wir den Wert der Vermögenswerte nicht schlechtgeredet.“ Schließlich hänge die Vergütung für die Bank vom erzielten Preis ab.

Fragen der Staatsanwaltschaft wolle Ackermann nicht beantworten, so sein Anwalt Eberhard Kempf. Man wolle erst die Auswertung weiterer Ermittlungsakten abwarten.

Fitschen und Ackermann: So erschienen sie vor Gericht

Nach Verzögerungen am vorangegangenen Prozesstag sollte neben Ackermann auch Co-Chef Jürgen Fitschen und die anderen Angeklagten am dritten Verhandlungstag die Möglichkeit erhalten, sich zum Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren zu äußern. Fitschen nutzte am Montag die Gelegenheit dazu. Auch er wies den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren zurück. „Ich habe in Zusammenhang mit dem Kirch-Verfahren zu keinem Zeitpunkt gelogen oder betrogen“, sagte der Top-Banker am Montag vor dem Landgericht München.

Geplant waren diese Erklärungen eigentlich schon vor knapp zwei Wochen. Verteidiger hatten aber bemängelt, dass die Staatsanwaltschaft sie zu kurzfristig mit neuen Ermittlungsergebnissen aus anderen Verfahren konfrontiert habe. Der Vorsitzende Richter Peter Noll hatte deshalb einen Verhandlungstag abgesetzt, um allen Beteiligten mehr Zeit für die Aktenlektüre zu geben.

Der ehemalige Aufsichtsratschef Börsig äußerte sich ebenfalls vor Gericht. „Eine wahrheitswidrige Aussage widerspräche mir total.“ Auch die anderen Angeklagten hatten die Vorwürfe vor Prozessbeginn zurückgewiesen. Breuer will sich vor Gericht vorerst aber nicht äußern, kündigte sein Anwalt an.

Mit Material von dpa

So zeigt sich die Deutsche-Bank-Elite vor dem Landgericht
Jürgen Fitschen
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Vor dem Landgericht München I beginnt heute der Prozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Ihm und den Mitangeklagten wird vorgeworfen, im Zivilprozess mit dem Medienunternehmer Leo Kirch die Justiz getäuscht haben. Außer Fitschen auf der Anklagebank ...

Josef Ackermann
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... sitzen sein Vorgänger Josef Ackermann (rechts), der das größte Deutsche Geldhaus von 2002 bis 2012 leitete, sowie ...

Rolf E. Breuer
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... Ackermanns eigener Vorgänger Rolf E. Breuer (rechts), von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher. Danach war Breuer bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Bank – und trat angeblich wegen des Rechtsstreits mit Kirch zurück. Dazu kommen noch zwei weitere Ex-Vorstände der Deutschen Bank.

Clemens Börsig
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Clemens Börsig (M) war von 2001 bis 2006 Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, bis 2012 dann Aufsichtsratschef. Anfang 2002 war er Risikochef des Geldinstituts.

Tessen von Heydebreck
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Tessen von Heydebreck saß von 1994 bis 2007 im Vorstand der Deutschen Bank, 2002 war er Vorstand für Compliance, Recht, Revision und Personal, zuletzt leitete er das Rechtsressort. Heute sitzt er unter anderem im Aufsichtsrat der Postbank.

Strafprozess gegen Manager der Deutschen Bank
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Breuer hatte 2002 in einem Interview Zweifel an der Kreditwürdigkeit Leo Kirchs geäußert. Die Folge war ein Jahrelanger Rechtsstreit mit Kirch und dessen Erben, den die Deutsche Bank 2014 schließlich mit einem Vergleich und einer Zahlung über 925 Millionen Euro beilegte. In dem Prozess soll Breuer über die Absicht der Bank, durch das Interview mit Kirch ins Geschäft zu kommen, dann gelogen haben.

Absprache zum Prozessbetrug
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Die Manager stützten Breuers Aussage vor Gericht zunächst. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen daher versuchten Prozessbetrug im Verfahren um Schadenersatz für die Kirch-Erben vor. Die Manager sollen sich abgesprochen haben, um das Gericht durch unwahre Angaben zu täuschen und Schadenersatzzahlungen abzuwehren. Ihre Vorwürfe stützt die Staatsanwaltschaft auf zahlreiche Dokumente, die unter anderem bei einer Razzia der Deutschen Bank gefunden wurden.

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3 Kommentare zu "Ackermann im Deutsche-Bank-Prozess: „Mir wurde nichts in den Mund gelegt“"

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  • Vielen Dank für den Hinweis, Herr Dittmann. Den Fehler haben wir korrigiert.

  • Hier wird gelogen, dass sich die Balken biegen.
    Ackermann ist -einfach ausgedrückt- ein Dunkelmann; die Deutsche Bank hat sich zu einem
    Mafiainstitut "gemausert". Versaut und korrupt bis ins Mark!
    Ackemann, seine unmittelbaren Vorgänger und Nachfolger haben nur eines verdient:
    Entziehung Ihrer Befähigungsnachweise, Enteigung und [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hallo,
    ein Wirtschaftsblatt sollt den Unterschied zwischen 900 Millionen oder Millarden kennen und nicht verwechseln.

    Mit feundlichen Grüssen

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