Ackermann-Interview
Deutsche Bank profitiert von der Krise

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann glaubt, dass seine Bank von der Krise eher profitiert als unter ihr leidet - und hält an seinem Plan für dieses Jahr fest: 10 Milliarden Euro Gewinn.
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FrankfurtDie Deutsche Bank sieht sich in der aktuellen Euro-Schuldenkrise keinen Refinanzierungsengpässen ausgesetzt. Im Gegenteil: Vorstandschef Josef Ackermann erkennt sogar Anzeichen, dass das größte deutsche Geldhaus von einer „Flucht in die Qualität“ profitiert. „Was die Liquidität betrifft, da hatten wir noch nie irgendwelche Refinanzierungsprobleme“, sagte der Schweizer in einem Interview dem Fernsehsender CNBC. „Unsere Position ist ziemlich stark und wird auch stark bleiben.“

Die Schuldenkrise hat viele Investoren verunsichert. Vor allem US-Geldmarktfonds ziehen Gelder von europäischen Banken zurück, was mittlerweile Finanzkreisen zufolge auch die US-Regulierungsbehörden beunruhigt. Befürchtungen vor Refinanzierungsengpässen hatten zuletzt die Aktien einiger Großbanken wie die von Societe Generale in den Keller und die Preise zur Absicherung von deren Schulden nach oben getrieben.

Ackermann ist einer der ersten Top-Banker, der sich offiziell zu den jüngsten Unruhen an den Märkten äußert. Ähnlich wie nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 vertrauen sich die Banken untereinander im Moment immer weniger. Sie leihen sich deshalb untereinander nur noch zögerlich Geld, vor allem Institute in den Euro-Krisenländern sind betroffen.

Viele Großbanken bringen ihre überschüssigen Mittel lieber zur Europäischen Zentralbank (EZB), obwohl dies kaum Zinsen einbringt. „Wir waren immer in der Lage, viele Gelder bei den Zentralbanken zu parken“, sagte Ackermann in dem Interview. Die Deutsche Bank verfügt nach eigenen Angaben über eine Liquiditätsreserve von mehr als 150 Milliarden Euro, auf die sie weltweit zurückgreifen kann. Zudem hat sie ihren Refinanzierungsbedarf für dieses Jahr - wie viele andere Großbanken - in den ersten sechs Monaten bereits zu 80 Prozent gedeckt.

Unabhängig davon müssen sich Finanzinstitute aber immer wieder kurzfristig Mittel beschaffen. Hier spielen US-Geldmarktfonds als Geldgeber eine wichtige Rolle. Nachdem sie ihr Engagement in europäische Banken in den vergangenen Monaten um ein Fünftel reduziert haben, machen sich US-Regulierer nun Sorgen über die Liquiditätsausstattung europäischer Geldhäuser, die in den USA aktiv sind und dort keine Einlagen von Privatkunden haben.

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