Ackermann-Nachfolge
Doppelspitze soll Deutscher Bank Zeit verschaffen

Die Deutsche Bank will der Nachfolgedebatte um Josef Ackermann endlich ein Ende setzen. Die geplante Doppelspitze aus Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen gilt jedoch nicht als Dauerlösung.
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Frankfurt Die Deutsche Bank erkauft sich mit der geplanten Doppelspitze Zeit in der zähen Nachfolgedebatte. Denn das in großen Teilen des Aufsichtsrats bevorzugte Duo aus Top-Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen ist keine Dauerlösung, da sind sich viele Investoren und Analysten einig. Fitschen wird bald 63 Jahre alt und ist daher wohl nur ein Übergangspartner für den gebürtigen Inder an der Spitze des größten deutschen Geldhauses. „Jain soll so Zeit gegeben werden, sich in Deutschland zu verankern“, sagt Konrad Becker, Finanzexperte beim Bankhaus Merck Finck, am Montag zu Reuters.

Ist die Doppelsitze eine Verlegenheitslösung?

Aufsichtsratschef Clemens Börsig will mit dem Modell Jain/Fitschen einen Schlussstrich unter die jahrelange Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Josef Ackermann ziehen. Insider rechnen damit, dass der 100-prozentige Investmentbanker Jain in einigen Jahren alleine das Ruder übernehmen dürfte, um nicht wieder eine neue Nachfolgedebatte loszutreten. Experten sehen in Fitschen als Co-Chef daher nur ein Feigenblatt, um die Defizite des 48-jährigen Partners - wie etwa die fehlenden politischen Drähte hierzulande - eine gewisse Zeit zu überdecken.

„Nach einer Übergangszeit wird Jain alleine an der Spitze stehen“, betont Matt Clark vom Investmenthaus Keefe Bruyette & Woods. „Letztlich wollen Investoren und Mitarbeiter auch wissen, wer das Sagen hat.“ Bankenprofessor Wolfgang Gerke spricht von einer reinen „Verlegenheitslösung“.

Generell sehen auch Aktionäre Doppelspitzen eher kritisch, weil die Verantwortlichkeiten oft nicht klar und Hahnenkämpfe zu befürchten sind. Bei der Deutschen Bank sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Investoren sind klar für Jain, dessen Bereich mehr als 80 Prozent der Gewinne der Bank erwirtschaftet. Da ihm aber die Kontakte im politischen Berlin fehlen, ist ein Partner unabdingbar, der die Außendarstellung der Bank übernehmen könnte. Daher halten viele Aktionäre ein Duo für eine gute Lösung. Auch der Vorstand selbst ist Kreisen zufolge mittlerweile klar für eine Doppelspitze. Die Bank äußert sich zum Stand der Nachfolgedebatte nicht.

Noch keine endgültige Entscheidung für Jains Tandempartner

Neben Fitschen gelten auch noch Risikovorstand Hugo Bänziger und Privatkundenchef Rainer Neske als Kandidaten für Jains Tandempartner, um ein Gegengewicht zum Investmentbanking zu haben. Endgültig entschieden ist Aufsichtsratskreisen zufolge noch nichts, auch wenn Börsig und weitere einflussreiche Mitglieder für Jain und Fitschen sind. Die nächste reguläre Sitzung des 20-köpfigen Gremiums ist am 26. Juli geplant, vorher muss das Präsidium noch sein Votum abgeben. „Eine Mehrheit ist noch nicht sicher“, sagte ein Aufsichtsrat. Die Tageszeitung „Die Welt“ meldete dagegen vorab aus der Dienstagausgabe, die Zustimmung des Gremiums sei nicht mehr fraglich. 

Ackermann war lange Zeit für Ex-Bundesbankchef Axel Weber, was Börsig aber skeptisch sah. Weber kündigte daraufhin vor kurzem seinen Wechsel zur Schweizer UBS an. Seither ist das ohnehin schwierige Verhältnis des Konzernchefs zu Börsig noch angespannter. Sollte in den nächsten Wochen eine Nachfolgelösung präsentiert werden, wird ein frühzeitiger Abgang Ackermanns immer wahrscheinlicher. Denn ansonsten würde er bis zum Ende seiner Vertragszeit 2013 nur noch im Schatten der neuen Führung stehen. Insider können sich das nur schwer vorstellen und halten es für gut möglich, dass Ackermann bereits auf der Hauptversammlung 2012 geht. Spekulationen über einen kurz bevorstehenden Rücktritt Ackermanns versuchte die Bank indes zu zerstreuen. Ein Sprecher bezeichnete einen „Bild“-Bericht über einen schnellen Abgang des Vorstandschefs als „absoluten Quatsch“.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „Jain soll so Zeit gegeben werden, sich in Deutschland zu verankern“

    Habe ich da etwa was verpasst? Seit Ewigkeiten ist der Hauptsitz New York. Auch "Soll und Haben" wurden an die Tochter verkauft. Also was hat dieses Unternehmen - abgesehen vom Namen - noch mit Deutschland zu tun?

    Und mal ganz nebenbei. Vielen scheint nicht aufgefallen zu sein, dass eine Doppelspitze von vornerein geplant war. In UK wurde die Zukunft längst bewusst, dass bei Ausbruch einer größeren Krise als Lehman Brothers viele Investmentbanken insolvent wären. Daher weiß man längst auf der Insel, dass man einige alte Gesetze wieder aus der Schublade holen wird und Banken wieder verbietet Private- und Investmentbanking in einem Haus zu führen. Bei einer Trennung braucht man logischerweise auch zwei Spitzen. Und wenn man trennt, dann kann man getrost das Investmentbanking insolvent gehen lassen.
    Es dürfte den meisten doch nicht entfallen sein, dass Großbanken in den letzten Jahren mit Vorliebe ihr Private Banking ausbauten. Sicher nicht wegen der Rendite.

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