Ärger mit der Versicherung
Wenn der Baum in die falsche Richtung fällt

Wenn Kunden Ärger mit der Versicherung haben, können sie sich kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden. Der war im vergangenen Jahr so gefragt wie nie – und hatte einige skurrile Fälle zu lösen.

BerlinFür einen hilfsbereiten Waldbesitzer lief es unglücklich. Er wollte einer Bekannten beim Fällen einer 14 Meter hohen Kiefer helfen. Als der Inhaber eines Motorkettensägeführerscheins mit seiner Arbeit fertig war, verfing sich die Kiefer in einem anderen Baum, änderte die Fallrichtung und landete schließlich auf dem Traktor der Bekannten.

Ein Fall für seine Privathaftpflichtversicherung, dachte der Holzfäller. Doch die verwies auf die gefährliche Beschäftigung, die nicht von der Versicherung abgedeckt sei. Diese Haltung konnte der eingeschaltete Versicherungsombudsmann nicht nachvollziehen. Das einmalige Baumfällen auf dem Grundstück eines Dritten reiche nicht aus, um von einer gefährlichen Beschäftigung zu sprechen, meinte der Ombudsmann. Und Gartenarbeiten an Bäumen seien eine normale Tätigkeit von Privatleuten. Schließlich hatte die Versicherung ein Einsehen und beglich den Schaden.

Das Beispiel zeigt, wie durch Hilfe des Ombudsmanns Streitfälle außergerichtlich beigelegt werden können. Der Begriff „Ombud“ stammt aus dem skandinavischen Sprachraum und bedeutet sinngemäß „Treuhänder“. Entscheidungen des Ombudsmanns bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro sind für die Versicherer verbindlich.

Nicht alle Fälle, die Versicherungsombudsmann Günter Hirsch mit seiner Mannschaft im vergangenen Jahr bearbeitete, sind dabei so spektakulär wie der des Holzfällers. Aber immer häufiger werden die Dienste des ehemaligen Präsidenten des Bundesgerichtshofs in Anspruch genommen. Die Zahl der Beschwerden stieg 2015 um knapp fünf Prozent auf gut 20.800 – mehr Beschwerden gingen seit Aufnahme der außergerichtlichen Schlichtungstätigkeit im Jahr 2001 noch nie ein.

Besonders unzufrieden waren Kunden von Rechtsschutz- und Kfz-Kaskoversicherungen. Der Eingang der Beschwerden legte hier um 32 Prozent zu. In einem Fall weigerte sich die Rechtsschutzversicherung, die Kosten für eine Klage auf Rückzahlung von rund 300.000 Euro zu übernehmen. Der Versicherte habe sich schließlich an der Finanzierung eines Bordells beteiligt, was nicht dem Privatbereich, sondern dem gewerblichen Bereich zuzuordnen sei.

Was steckte dahinter? Eine Rockergruppe hatte den Versicherten genötigt, auch teilweise durch Morddrohungen, sich an der Finanzierung eines Bordells in Höhe von 300.000 Euro zu beteiligen. Dieses Geld wollte der Beschwerdeführer nun zurück haben. Der Versicherungsombudsmann gelang es, die Versicherung davon zu überzeugen, dass der Versicherte Opfer einer Erpressung war.

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Wenn der Baum in die falsche Richtung fällt

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Wenige falsche Beratungen, aber viele schlampig dokumentierte

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