Aktie gibt deutlich nach Deutsche Bank meldet Verlust für 2017

Die Deutsche Bank erwartet, dass die US-Steuerreform ihr Ergebnis mit rund 1,5 Milliarden Euro belasten wird. Für das Gesamtjahr 2017 sei mit einem Nachsteuerverlust zu rechnen. Die Aktie gerät unter Druck.
Update: 05.01.2018 - 17:21 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank: Verlust für 2017 erwartet – Aktie gibt nach Quelle: dpa
Deutsche Bank

Dunkle Wolken über der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/FrankfurtDie Aktionäre der Deutschen Bank sind Kummer gewohnt. Aber auf den bunten Strauß an schlechten Nachrichten, die Vorstandschef John Cryan am Freitag präsentierte, waren sie dann doch nicht vorbereitet. Die Quintessenz der Hiobsbotschaften: Das größte heimische Geldhaus erwartet für das „Gesamtjahr 2017 einen geringen Verlust nach Steuern“. Dabei hatte Cryan zu Beginn des vergangenen Jahres noch leicht schwarze Zahlen versprochen. Außerdem hatte der Vorstandschef eine Dividende von mindestens elf Cent je Aktie in Aussicht gestellt. Ob es trotz des erwarteten Jahresverlusts bei den Ausschüttungsplänen bleibt, hat die Bank nach Informationen aus Finanzkreisen noch nicht entschieden. 2016 hatte sich der Verlust des Frankfurter Geldhauses auf 1,4 Milliarden Euro summiert.

Anleger reagierten schockiert auf die Meldung. Die Aktie vergrößerte ihre Verluste nach Bekanntwerden der Nachricht. Sie notierte am späten Nachmittag bei 15,49 Euro und damit 5,16 Prozent schwächer als am Vortag.

Wichtigster Grund für die erneut roten Zahlen ist die Steuerreform in den USA. Die US-Regierung will den Steuersatz für Unternehmensgewinne von 35 auf 21 Prozent senken. Die Reform ist ein zentraler Pfeiler der Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung. Es mag absurd wirken, aber die geplante Erleichterung wird einige Geldhäuser zuerst teuer zu stehen kommen, darunter auch die Deutsche Bank. Schuld sind die Spätfolgen der Finanzkrise. Damals häuften viele Institute im US-Geschäft hohe Verluste auf. Diese Verluste können die Banken steuerlich geltend machen und in die Zukunft übertragen. Daraus ergeben sich sogenannte Verlustvorträge (Deferred Tax Assets), die die künftige Steuerlast drücken.

Fallen nun die Steuersätze in den USA, sinkt auch der Wert der Verlustvorträge, daher werden Abschreibungen fällig. Bei der Deutschen Bank werden das rund 1,5 Milliarden Euro sein, die sich auf das Jahresergebnis durchschlagen. Bislang hatten die Analysten im Schnitt mit einem Gewinn von 1,3 Milliarden Euro gerechnet. Außerdem dürfte die Neubewertung der latenten Steueransprüche in den USA die harte Kernkapitalquote (CET 1) des Frankfurter Instituts um rund 0,1 Prozentpunkte reduzieren. Auswirkungen auf die Fähigkeit, die fälligen Zahlungen auf bestimmte Nachranganleihen (Additional Tier 1) zu leisten, erwartet die Bank nicht. Im Frühjahr 2016 hatten Diskussionen darüber, ob die Bank die Zinsen für diese riskanten Bonds bezahlen kann, das Geldhaus in eine Vertrauenskrise gestürzt.

Die Deutsche Bank ist nicht das einzige Institut, das durch die US-Steuerreform getroffen wird. Auch die US-Finanzriesen Citi und Goldman Sachs sowie die europäischen Großbanken Credit Suisse, UBS und Barclays rechnen mit milliardenschweren Abschreibungen. Bei der Deutschen Bank kommen allerdings weitere schlechte Nachrichten hinzu: Nach dem enttäuschenden dritten Quartal 2017 im wichtigen Wertpapierhandel setzte sich die Flaute auch in den Monaten Oktober bis Dezember fort. „Die Erträge aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Aktien sowie dem Finanzierungsgeschäft dürften daher im vierten Quartal etwa 22 Prozent geringer ausfallen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum“, warnt die Bank.

Damit ist der Reigen der schlechten Nachrichten nicht zu Ende. Die Bank erwartet jetzt einen Vorsteuerverlust im vierten Quartal, unabhängig von den höheren Aufwendungen für Restrukturierung, Abfindungen und Rechtsfälle, die das Quartalsergebnis insgesamt mit etwa 0,5 Milliarden Euro belasten dürften. Die Gründe für die roten Zahlen im Schlussquartal sind neben schwachen Erträgen höhere bereinigte Kosten. Sie werden voraussichtlich in etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums liegen. Außerdem belastet ein Verlust aus dem kürzlich bekanntgegebenen Verkauf des Privat- und Firmenkundengeschäfts in Polen die Bank.

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