Aktien von Fosun ausgesetzt
Aufregung um Chinas Warren Buffett

Fosun-Gründer Guo Guangchang ist verschwunden – die Nachricht hat den chinesischen Markt erschüttert. Inzwischen hat der Konzern etwas Licht ins Dunkel gebracht. Hat das Auswirkungen auf die BHF-Bank-Offerte?

PekingDie Geschichte erinnert an einen Wirtschaftskrimi: Der chinesische Milliardär und Eigner des Investmentunternehmens Fosun, Guo Guangchang, war seit Donnerstagmorgen nicht mehr erreichbar, berichtete das chinesische Wirtschaftsmagazin „Caixin”. Nutzer von sozialen Netzwerken hätten beobachtet, wie er am Flughafen von Shanghai von Polizisten abgeführt worden sei. Das Magazin schrieb von möglichen Korruptionsermittlungen gegen den Investor. Bereits im August wurden Fosun und Guo von einem chinesischen Gericht im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen gegen den früheren Chef der staatlichen Bright Food Group, Wang Zongnan, genannt. Wang wurde seinerzeit zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Inzwischen hat Fosun etwas Licht ins Dunkel gebracht. Guo unterstütze die Behörden derzeit bei „bestimmten Untersuchungen“ auf dem chinesischen Festland, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Worum es dabei im Detail geht, blieb unklar. Nach Konzernangaben ist Guo – so weit es ihm möglich ist – nach wie vor in Entscheidungen des Tagesgeschäfts eingebunden. „Das Geschäft läuft normal.“

Die Nachricht von Guangchangs Verschwinden hat die Aktienmärkte auf dem Festland und in Hongkong nachhaltig erschüttert. Am Freitag wurden die Fosun-Papiere in Hongkong vom Handel ausgesetzt. Vor dem Aussetzen rutschten Anteilsscheine um 11 Prozent. Auch die Anleihen des Unternehmens verbilligten sich um rund 16 Cent, sodass die Anleihe 83 statt 92,5 Cent kostete.

Der gesamte Markt reagierte negativ auf die Nachricht. Aktien chinesischer Unternehmen sind auf ein Fünf-Wochen-Tief gerutscht. Der Shanghai Composite Index notierte gegen Mittag rund ein Prozent tiefer bei 3422 Punkten. Dabei verloren Unternehmen, die mit der Fosun-Gruppe verbandelt sind, bis zu 2,9 Milliarden Dollar an Wert, so die Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg.

„Die Nachricht hat eine durchschlagende Wirkung auf den Markt. Investoren sind besorgt, dass etwas Ähnliches auch in anderen Firmen passieren könnte”, sagt Gerry Alfonso, Händler bei Shenwan Hongyuan Group in Schanghai. „Sie werden in Zukunft einen genaueren Blick auf das Management von Unternehmen werfen müssen, um das Risiko eines solchen Vorfalls abzuschätzen.”

Das Verschwinden des Fosun-Chefs ist auch deshalb von Bedeutung, weil Fosun in der chinesischen Investmentbranche als tonangebend gilt. In China ist Guangchang als Investor so angesehen wie im Westen Warren Buffett, er ist einer der reichsten Männer des Landes. In den 1990er Jahren hatte er Fosun mit einem Startkapital von gerade einmal 6000 US-Dollar gegründet. Seine Strategie setzt auf Übernahmedeals: Allein in diesem Jahr hat Fosun rund 16 Übernahmegeschäfte im Wert von insgesamt 4,5 Milliarden US-Dollar verkündet. Davon stehen nun Deals im Wert von rund 2,2 Milliarden noch aus. Auch in Deutschland geht der 48-Jährige gerne auf Einkaufstour: Mit seiner Beteiligungsgesellschaft ist er am Hamburger Modeunternehmen Tom Tailor beteiligt. Außerdem kontrolliert Guo die Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Angesichts seines Verschwindens besonders brisant: Derzeit liefert er sich mit Fosun eine Übernahmeschlacht um die BHF-Bank in Frankfurt. Fosun hat 529 Millionen Dollar geboten, um die Aktionäre herauszukaufen, wurde aber von der französischen Investmentbank Oddo getoppt. Diese hält bereits fast 21,6 Prozent der Anteile. Oddo habe sich zudem die Anteile von der Franklin Templeton Gruppe (17,5 Prozent) und der von Stefan Quandt kontrollierten Investmentgruppe Aqton (11,2 Prozent) gesichert. Daher sei Oddo & Cie zuversichtlich, BHF Kleinwort Benson übernehmen zu können. Zudem bekam die Bank inzwischen unter Auflagen grünes Licht der EZB.

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Aufregung um Chinas Warren Buffett

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Übernahmeschlacht um BHF-Bank noch nicht abgeschlossen

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