Aktiengeschäft Warum die Deutsche Bank verstärkt Berufsanfänger rekrutiert

Seite 2 von 2:
Es gibt viele Gründe für den Niedergang der Deutschen Bank

Oliver Rolfe von Spartan International hat seine eigene Theorie zu den Plänen Peter Selmans: „Dass sie sich nicht herauskaufen werden, sagt Peter deshalb, weil sie es nicht können“, meint er. Spartan International ist ein in London ansässiger Personalvermittler, der sich auf den Bereich Aktienhandel konzentriert. „Die einzige Möglichkeit ist, wie Ajax oder Tottenham Hotspur zu sein“, sagt Rolfe weiter: „Investiere in die Jugend, vermittle ihr die Mentalität und Richtung des Unternehmens, und in sieben bis zehn Jahren wirst du ein vollwertiges Geschäft haben.“

Chief Executive Officer John Cryan, 57, hatte das Aktiengeschäft weitgehend von der Schrumpfkur des Fixed-Income-Handels ausgenommen, als er Mitte 2015 die Führung des Frankfurter Kreditinstituts übernahm. Er übertrug dem damaligen Leiter des Bereichs, Garth Ritchie, das gesamte Märktegeschäft und sagte, er wolle in das Cash-Aktiengeschäft und in Prime Brokerage investieren. Gleichwohl ist der Ertrag aus dem Aktienhandel seither im Jahresvergleich in jedem Quartal gesunken und brach in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um 25 Prozent auf 332 Millionen Euro ein.

Die Performance der Deutschen Bank im Aktienbereich in den zwei Jahren bis 2017 ist laut Bloomberg-Berechnungen die schlechteste unter den großen globalen Investmentbanken, die bisher die Ergebnisse für das Gesamtjahr vorgelegt haben. Société Générale SA und Goldman Sachs, wo Selman bis 2016 Co-Leiter für Aktien war, verzeichneten einen Rückgang von rund 16 Prozent.

Die Leistung im Aktienbereich „ist ein weiterer Riss in der Wand“, sagt Michael Hünseler, der bei Assenagon Asset Management in München 22 Milliarden Euro inklusive Deutsche-Bank-Aktien betreut. „Cryan hat es versäumt, das Geschäft wie versprochen wiederzubeleben.“

Es gibt viele Gründe für den Niedergang. Großen Einfluss auf die Entwicklung hatte der Zeitraum Ende 2016, als Befürchtungen über die Fähigkeit der Deutschen Bank, ihre Rechtskosten zu begleichen, Hedgefonds-Kunden veranlassten, Mittel aus dem Prime-Brokerage-Geschäft abzuziehen.

Auch eine Reihe von Abgängen leitender Banker seit dem Jahr 2015 sorgte für Unruhe in dem Geschäftsbereich, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte. Handelschef Andre Crawford-Brunt, die globalen Sales-Leiter Jonny Potter und Derek Capanna und Prime Co-Chef Murray Roos sind gegangen.

In Cash-Aktien – der Handel von regulären Aktien für Kunden – machen Investoren inzwischen ein größeres Geschäft mit Nicht-Banken-Intermediären, sagte Cryan am zweiten Februar nach der Ergebnisvorlage gegenüber Analysten und Journalisten. Das Handelsgeschäft der Deutschen Bank wurde ebenfalls letztes Jahr in einem Bericht herausgestellt, demzufolge es am stärksten von Europas umfassenden Mifid-II-Regeln betroffen ist, die im vergangenen Monat in Kraft traten.

„Die Märkte verändern sich“, sagte Cryan, der zwei Jahre zuvor bekräftigte, dass dies ein Geschäft sei, in dem die Deutsche Bank sein müsse. „Wenn man sich einfache Produkte wie Cash-Aktien – Sekundärhandel mit Cash-Aktien – ansieht, dann hat sich ein Großteil des Volumens, das Wachstumsvolumen, von den Banken insgesamt wegbewegt.“

Mit dem Aktienhandel in einer strukturellen Verschiebung hat Investmentbanking-Co-Chef Marcus Schenck am zweiten Februar die Notwendigkeit betont, den Aktienderivate-Bereich zu verbessern, der mit komplexeren Produkten zu tun hat. Das Geschäft, das seit 2015 wiederholt von den Führungskräften für Einbrüche verantwortlich gemacht wurde, legte für das vierte Quartal „deutlich niedrigere“ Erträge vor, die auf „Handels-Underperformance“ zurückzuführen seien, wie aus einer Präsentation hervorging.

Schenck bezeichnete die Einstellung von Selman – ein ehemaliger Co-Leiter für Aktienderivate bei Goldman Sachs – als Teil der Bemühungen der Bank, dieses Geschäft zu verbessern. Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr zudem David Silber und Mark Chen von Citigroup Inc. als Co-Leiter Aktienderivate Nord- und Südamerika an Bord geholt.

Das Aktienderivategeschäft litt ähnlich wie der Rest der Investmentbank im letzten Jahr unter einem Mangel an Volatilität an den Märkten. Einige Kunden hätten sich 2016 auch aus dem Handel der Produkte mit der Deutschen Bank zurückgezogen, weil sie Sorge um die Stabilität der Bank hatten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Und während die kostspieligen Rechtsstreitigkeiten, die diese Ängste auslösten, inzwischen beigelegt wurden, fiel der Aktienkurs der Deutschen Bank vergangene Woche auf das zuletzt in diesem Zeitraum zu beobachtende Niveau, nachdem die Ergebnisse der Bank im vierten Quartal die Anleger enttäuscht hatten.

Selman geht davon aus, dass die Deutsche Bank im Jahr 2018 dank der aus dem Weg geräumten Rechtsstreitigkeiten und des im letzten Jahr neu aufgenommenen Kapitals in der Lage sein wird, besser abzuschneiden. „Der Jahresbeginn war solide. Wir haben eine Zunahme der Volatilität gesehen, die für unsere Kunden besser war“, sagt er.

Hedgefonds-Kunden, die im Jahr 2016 Mittel aus dem Prime-Brokerage-Bereich abgezogen hatten, seien jetzt zurückgekehrt, fügt er an, mit Salden „zurück auf und über das Hoch von 2016.“

„Die Leute wollen wirklich eine fokussierte europäische Investmentbank als ihren Kontrahenten haben“, sagt Selman. „Wir sind zunehmend diese Bank der Wahl.“

  • Bloomberg
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Aktiengeschäft - Warum die Deutsche Bank verstärkt Berufsanfänger rekrutiert

4 Kommentare zu "Aktiengeschäft: Warum die Deutsche Bank verstärkt Berufsanfänger rekrutiert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ... eine NEUE STRATEGIE fahren will:
    Weg vom überteuerten SPEKULANTEN - BANKERN
    hin zu wenigen gut ausgebildeten INVESTOREN - BANKIERS

    ICH PERSÖNLICH HALTE DIE STRATEGIE FÜR GUT

  • "Neben der Einstellung von Universitätsabsolventen will Selman auch in die Technologie der Deutschen Bank investieren, was dazu beitragen soll, das, was verloren gegangen ist, wiederzuerlangen."
    Universitätsabsolventen ist wohl der richtige Weg, wenn man in KONTINENTAL EUROPA

  • Gute Idee, das mit den Berufsanfängern. Da werden die Konkurrenten echte Angst kriegen. Ein großer Teil von ihnen wird wahrscheinlich von vornherein die eigene Bude schließen. Gegen Berufsanfänger ist eben kein Kraut gewachsen. Aber müssen es gleich teure Akademiker sein? Hilfsschüler wären doch viel billiger.

  • Was zählt denn mehr,
    der gute Wille oder das gute Ergebnis ?
    Ich glaube, nach jahrelangem relativ erfolgsarmen Anlauf des guten Willens
    .. sollte das Ergebnis gewertet werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%