Alfa, Henkel und Professor Otte
„Finger weg von unserem Bargeld“

Ökonomen wie Max Otte starten die Initiative „Stop Bargeldverbot“. Sie setzen sich für Bargeld ein, weil sie einen Eingriff in die Privatsphäre fürchten. Zu den Unterstützern zählen auch Politiker der Lucke-Partei Alfa.

DüsseldorfProminente Ökonomen setzen sich für den Erhalt des Bargeldes ein. Der Professor und Fondsmanager Max Otte hat gemeinsam mit dem Alfa-Politiker Joachim Starbatty sowie Hans-Olaf Henkel die Initiative „Stop Bargeldverbot“ unterzeichnet. Auch Roland Vaubel, Professor der Universität Mannheim und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Bundeswirtschaftsministeriums, und Alfa-Gründer Bernd Lucke zählen zu den Unterzeichnern.

Anfang Februar hat Bundesfinanzminister Schäuble seine Idee angekündigt, Bargeldzahlungen auf 5.000 Euro begrenzen. In zwölf Staaten Europas gibt es bereits solche Restriktionen. Als weiterer Schritt soll der 500-Euro-Schein aus dem Verkehr gezogen werden. John Cryan, Chef der Deutschen Bank, bezeichnete kürzlich in Davos „Bargeld als ein Auslaufmodell“.

Die Initiative ins Leben gerufen hat die liberale „Stiftung für Freiheit und Vernunft“, die von Dagmar Metzger, einer Unternehmerin aus München, geleitet wird.

Die Ökonomen fürchten, dass Bürger bei einer Abschaffung des Bargeldes der völligen Überwachung von Staat und Banken ausgeliefert wären. Auf ihrer Internetseite finden sie für eine mögliche Bargeldabschaffung drastische Worte: „Es geht bei einer möglichen Bargeldabschaffung um Ihre Freiheit. Hitler, Stalin und Mao Tse Tung hätten sich sicher über bargeldloses Zahlen gefreut.“

Die Sorge der Ökonomen: Ein vollelektronisches Geldsystem könnte nicht mehr länger die Privatsphäre bei Transaktionen schützen. Andreas Höfert, ehemaliger Chef-Ökonom der UBS, wird mit den Worten zitiert: „Der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.“

Doch neben der Verminderung der Freiheit drohe den Bürgern ein weiteres Problem. Sparer könnten Negativzinsen auf Erspartes drohen, wenn das Bargeld abgeschafft werden würde. Derzeit werden Bürger mit Bargeld zumindest kein Nominalwertverlust – bei einer Abschaffung des Bargelds wäre dieser Mechanismus aufgehoben. „Kein Bürger kann solchen Negativzinsen entgehen, wenn es kein Bargeld mehr gibt. Er muss den Banken dann Zinsen für sein Geld zahlen, das er dort hat. Will heißen: „Sein Geld wird täglich weniger“, sagte Henkel der Zeitung „Die Welt“.

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hält Beschränkungen von Bargeldzahlungen gar für verfassungswidrig. „Dies wären nicht gerechtfertigte Eingriffe in Freiheitsrechte, nämlich in die Vertragsfreiheit und Privatautonomie“, sagte Papier der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zudem habe das Verfassungsgericht immer wieder betont, „dass die Freiheitswahrnehmung der Bürger nicht total erfasst und registriert werden darf“.

Henning Jauernig
Henning Jauernig
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