Allianz-Chef Oliver Bäte Teambuilding im Kugelhagel

Die Allianz hat mit einer außergewöhnlichen Strategieübung manche Topmanager verschreckt. Kritiker sehen ihre Chance, um wegen der teilweise ungewohnten Methoden gegen Konzernchef Bäte zu sticheln.
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Der 52-Jährige führt seit fast zwei Jahren den Versicherungskonzern Allianz. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt
Allianz-Chef Oliver Bäte

Der 52-Jährige führt seit fast zwei Jahren den Versicherungskonzern Allianz.

(Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

FrankfurtEs sollte eigentlich nur die Firmenkultur ein bisschen beleben. Oder wenigstens ein paar Kollegen wachrütteln. Aber die paramilitärischen Gäste, die Allianz-Chef Oliver Bäte jüngst auffuhr, befeuerten am Ende doch eher seine internen Gegner.

Der Hintergrund: Als kürzlich die weltweit gut 250 Topmanager des Konzerns zum jährlichen Führungstreffen zusammenkamen, da lief das seit Bätes Amtsantritt im Jahr 2015 übliche Teambuildung anders ab als erwartet: Ein Kampfpilot sollte gerettet werden, berichtet der „Spiegel“. Auf großen Leinwänden simulierten Kampfjets und Militärhubschrauber eine Gefechtssituation. Ehemalige US-Militärs sorgten dafür, dass alles möglichst echt aussah. Das Ziel lautete: schnelle und transparente Entscheidungsabläufe nach Vorbild der US-Streitkräfte als Übung für die Gruppe.

Eine auf Teambuilding-Maßnahmen spezialisierte Agentur hat das Spektakel für die Allianz organisiert. Nur, wo früher eine Kletterwand und später ein Wildwasser-Rafting ausreichten, muss heute auch hier noch mehr Kitzel geboten werden.

Das Signal nach außen sollte sein: Seit Bäte am Ruder ist, wird nicht mehr wie unter seinem Vorgänger Michael Diekmann die neue Strategie lediglich von oben verkündet; stattdessen wird durch „Experimentieren“ in der Gruppe versucht, gemeinsam die neue Marschrichtung zu entwickeln. Und das ist nur eines von vielen Terrains, auf denen sich Bäte derzeit bewegt. Er mischt an zu vielen Stellen mit, heißt aus Sicht seiner Widersacher, zu denen noch immer zahlreiche, sehr konservative Kräfte in Europas größtem Versicherer gehören. Denen gefielen die von Bäte angestoßenen Veränderungen von Anfang an nicht. Kein Wunder, will er doch unter anderem im Mittelmanagement komplette Ebenen streichen. Da wirkt die Kriegsführung schnell recht echt.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Bäte kennt den Widerstand. „Jede Veränderung führt zu Unzufriedenheit“, sagte der 52-Jährige kürzlich bei der Vorlage der Bilanz mit gewohnt schnellem Sprechstil. In Zukunft werde man aber nicht alle Managementebenen benötigen.

Vielerorts wird er bei der Allianz noch immer als der Ex-McKinsey-Mann mit dem Rechenschieber gesehen, auch wenn er mittlerweile fast zehn Jahre im Konzern ist. Seine Gegner setzen auf die Zeit nach dem 3. Mai. Dann soll bei der Hauptversammlung Michael Diekmann in den Aufsichtsrat gewählt werden und dort im Anschluss auch den Vorsitz übernehmen. Bätes Vorgänger wäre damit auch sein oberster Kontrolleur. Das wird eine Zeit, auf die sich Oliver Bäte nach eigenen Worten sehr freut. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet.“ Seine Neider werden sich anderes erhoffen.

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