Allianz Hauptversammlung
Letzter Vorhang für Michael Diekmann

Mit einem minutenlangen Applaus verabschieden Allianz-Aktionäre den langjährigen Chef Michael Diekmann. Ein satter Konzerngewinn im ersten Quartal dürfte den Abgang erleichtern. In der Kritik stand jedoch Pimco.
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MünchenRund 3100 Aktionäre waren gekommen – trotz strömenden Regens, Bahnstreik und Verkehrschaos. Es ist ein besonderer Tag für die Allianz: Zum letzten Mal stand der langjährige Chef Michael Diekmann auf dem Podium. Der Vertrag des 60-Jährigen war vergangenes Jahr ausgelaufen und auf seinen Wunsch nicht verlängert worden. Am Tag nach der Hauptversammlung übernimmt der zehn Jahre jüngere Oliver Bäte die Führung des Unternehmens. Er ist in der 125-jährigen Firmengeschichte der erst zehnte Vorstandsvorsitzende.

Diekmann bekam von den anwesenden Aktionären viel Applaus – so viel Applaus, dass der Aufsichtsratschef Helmut Perlet den Aktionären den Rat gab, sie sollten sich noch etwas für das Ende der Rede aufheben. „Wenn ich Bilanz ziehe, dann ist das beeindruckend“, sagte Perlet. In den zwölf Jahren, in denen Diekmann den Konzern führte, sei der Umsatz um fast 50 Prozent gestiegen, die Marktkapitalisierung rund dreimal so hoch und die Dividendensumme habe sich verachtfacht.

„Sie übergeben die Allianz in einer ausgezeichneten Verfassung“, lobte Perlet. Das heiße allerdings nicht, dass der Nachfolger Oliver Bäte keine Herausforderungen vor sich habe - Perlet sprach dabei die Geldpolitik der EZB und die Digitalisierung an.

Diekmanns eigener Auftritt kam dagegen eher bescheiden daher: „Dem Unternehmen Allianz geht es unter allen Aspekten gut und darauf sind wir stolz“, sagte er in seiner letzten Rede als Vorstandsvorsitzender. Und auch der Gruß an die Aktionäre durfte nicht fehlen: „Zum Abschluss meiner diesjährigen Ansprache möchte ich mich auch sehr herzlich bei Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, bedanken und mich von Ihnen verabschieden.“ Seinem Nachfolger Bäte wünschte Diekmann „viel Erfolg und eine ruhige Hand“ und appellierte an die Aktionäre, Bäte dasselbe Vertrauen entgegenzubringen wie ihm, Diekmann, selbst.

Abseits der Floskeln ging Diekmann auch auf die Allianz-Tochter Pimco ein. Der langjährige Chef des mittlerweile noch zweitgrößten Anleihe-Managers der Welt, Bill Gross, war im Herbst vergangenen Jahres überraschend ausgeschieden. Seither ziehen Anleger ihr Geld bei Pimco ab. Ein so prominenter Wechsel an der Spitze eines Asset-Managers sei unvermeidlich mit Abflüssen von Kundengeldern verbunden, sagte Diekmann. „Das ist sehr bedauerlich, aber es ist wichtiger, dass wir die richtige Aufstellung für die Zukunft haben und uns nicht von Einzelpersonen abhängig machen.“

Ein gutes Vorzeichen sieht der Noch-Chef darin, dass Mittelabflüsse seit Jahresbeginn Monat für Monat weniger geworden seien. Das stimme ihn „zuversichtlich, dass wir eine Stabilisierung der verwalteten Kapitalanlagen im Jahr 2015 erreichen werden.“ Während auch Großaktionär Union Investment Fortschritte bei Pimco ausmachte, äußerten sich andere Teilnehmer der Hauptversammlung, darunter die Rechtsanwältin Daniela Bergdolt, schon skeptischer: Die Schlammschlacht vergangenes Jahr habe der Allianz geschadet, so die Aktionärin.

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  • Man muss die Lebensleistung dieses Mannes würdigen!

    Man muss ihm zugestehen, dass er sich seine größte Lebensleistung fast bis zum Schluss aufgehoben hat. Es war das Lebensversicherungsreformgesetz, dass er mit Unterstützung von Frau König im letzten Jahr durchgebracht hat. Es regelte die Enteignung der Lebensversicherten in der Größenordnung von ca. 80 Mrd. Euro und sichert so die Bonis zahlreicher Vorstände über Jahre.

    Einige der unbetroffenen Leser mögen dies als Häme bezeichnen, aber Betroffene, die mittels Lebensversicherungen ihre eigene Altersvorsorge bestreiten wollten, wurden betrogen. Sie wurden derart betrogen, dass sie nicht einmal aufgrund der Regelungen des Lebensversichertenreformgesetzes vor Richter ziehen konnten und ihren Rechtsanspruch durchsetzen konnten. Dass sie sich nicht einmal an die BAFin in der Funktion des Verbraucherschutzes wenden konnten, weil diese nach eigenen Angaben Banken und Versicherungen, nicht aber für Verbraucher zuständig sind, beschreibt den fehlenden Schutz der Verbraucher vollständig.

    Zugegeben, dieses Gesetz hatte auch für die Versicherer seinen Preis, seine Kröte. Sie sind aufgrund des Kapitaltransfers vom Versicherten zur Versicherungsgesellschaft weiterhin Staatsbonds zu kaufen und so das Geld der Versicherten zu Gunsten des Staates zu waschen.

    Die Nullzinsen oder gar die Minuszinsen sind nichts anderes, als eine 100 %ige Steuer des Staates auf alle Einkünfte auf Einlagen. Wohl gemerkt auf Einlagen, nicht auf Dividenden, in denen bestimmte Kreise ihre Altersvorsorge gestalten.

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