Allianz, Münchner Rück & Co.
Deutsche Versicherer nur mit leichtem Beitragsplus

2015 war kein einfaches Jahr für die deutschen Versicherer. Sie haben das geringste Beitragsplus seit 2011 verbucht. Die nächsten zwölf Monate werden wohl nicht viel einfacher, sagt der Verbandspräsident.

BerlinDie deutschen Versicherer haben im vergangenen Jahr das geringste Beitragsplus seit 2011 verbucht. Die Einnahmen stiegen wegen des schwächelnden Geschäfts mit der Lebensversicherung nur um 0,5 Prozent auf 193,6 Milliarden Euro, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Für 2016 stellte GDV-Präsident Alexander Erdland ein ähnliches Wachstum in Aussicht. „Das laufende Jahr wird sicher voller Herausforderungen sein und nicht einfacher als das zurückliegende.“

Bei der Lebensversicherung sanken die Einnahmen um 1,3 Prozent auf 92,5 Milliarden Euro und damit erstmals seit vier Jahren. Das Neugeschäft habe geschwächelt, bei Riester-Policen habe es ein deutlich zweistelliges Minus gegeben, sagte Erdland. Für 2016 rechnet der GDV erneut mit einem Beitragsrückgang bei der Lebensversicherung von einem Prozent.

Wegen der niedrigen Zinsen verlieren Lebensversicherungen für die Kunden an Attraktivität, der Garantiezins wurde Anfang 2015 auf 1,25 Prozent gesenkt. Zugleich haben die Lebensversicherer Probleme, die Renditen zu erwirtschaften, die sie den Kunden einst versprochen haben. Viele rücken deshalb von lebenslangen Garantien ab, für die sie sich mit langlaufenden Staatsanleihen eindecken müssen, die aber kaum noch Rendite abwerfen. Die Branche bastle zunehmend an Produkten mit zeitlich begrenzten Garantien, sagte Erdland. Zudem bauten die Unternehmen Kapitalpuffer („Zinszusatzreserve“) auf und senkten die Kosten, um sich besser gegen Krisen zu wappnen.

Der oberste Aufseher der Versicherer, BaFin-Chef Felix Hufeld, hatte angekündigt, Firmen in „Manndeckung“ zu nehmen, deren Leistungsfähigkeit mittelfristig Fragen aufwerfe. Von Schieflagen einzelner Unternehmen sei ihm nichts bekannt, sagte GDV-Chef Erdland. Die durchschnittliche Verzinsung der Kapitalanlagen habe im Vorjahr leicht unter den 3,9 Prozent aus 2014 gelegen. Der durchschnittliche Garantiezins – was die Versicherer den Kunden versprochen haben – betrage knapp drei Prozent.

Nicht zuletzt wegen der enttäuschenden Riesterbilanz fordert der GDV mehr Anreize für die Altersvorsorge. „Wir wünschen uns einen runden Tisch, ein Innovationsbündnis für Altersvorsorge in Deutschland“, sagte Erdland. Hier müssten Politik, Verbraucher, Rentenversicherung, Wirtschaft und Versicherer zusammenkommen. Ziel sei es, nach einer Bestandsaufnahme „sauber durchzurechnen, was nötig ist für die Zukunft.“ Denn es gebe eine Versorgungslücke. Deshalb hatte es zuletzt auch eine Debatte um eine Art Zwangsrente („Deutschland-Rente“) gegeben, um Menschen vor Altersarmut zu schützen.

Bei der Schaden- und Unfallversicherung gab es 2015 ein Plus von 2,6 Prozent, ein ähnliches Wachstum erwartet der Verband für 2016. Die Leistungen stiegen allerdings kräftig um knapp sechs Prozent, ein Grund dafür war der Sturm „Niklas“, der im März 2015 über Deutschland hinwegfegte. Unterm Strich sank der versicherungstechnische Gewinn dieser Sparte deshalb im Vorjahr um rund ein Drittel auf 2,1 Milliarden Euro.

Zu den Verbands-Mitgliedern gehören Branchenriesen wie die Allianz und die Münchner Rück.

Agentur
Reuters 
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