Allianz-Quartalszahlen

Bätes Kniff erfreut die Börsianer

Die Allianz gibt sich nach starken Zahlen für das zweite Quartal optimistischer für das Gesamtjahr – und korrigiert damit die bescheidenen Prognosen vom Frühjahr. Dennoch bleiben offene Fragen an Konzernchef Oliver Bäte.
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Der Allianzchef ist für seine unkonventionelle Führungskultur bekannt. Quelle: AFP
Oliver Bäte

Der Allianzchef ist für seine unkonventionelle Führungskultur bekannt.

(Foto: AFP)

MünchenWenn Konzerne wichtige Mitteilungen nach Börsenschluss versenden, ist das üblicherweise ein Grund, misstrauisch zu werden. Der Handel ist dann ausgesetzt, die meisten Wirtschaftsjournalisten schon im Feierabend. Folglich gibt es möglichst wenig Aufmerksamkeit für schlechte Zahlen und kleine oder große Skandale. Nun hat die Allianz die Analysten überrascht und ihre Zahlen für das zweite Quartal 2017 um 22.37 Uhr verschickt. Ohne vorherige Ankündigung, untypisch im Vergleich zum Gros der anderen Dax-Konzerne – aber eben typisch Allianz.

Europas größter Versicherer setzte schon in der Vergangenheit häufig auf das Überraschungsmoment. Und erneut ging das auf. Die Börsianer spendeten am Morgen Applaus. Mit einem Plus von zwischenzeitlich 1,8 Prozent lagen die Allianz-Anteile am Donnerstag in der Gunst der Anleger weit vorn.

Für Freude unter den Börsianern hat dabei ein bei Unternehmen gerne verwendeter Kniff gesorgt. Bei 10,8 Milliarden Euro sollte das operative Ergebnis auch in diesem Jahr liegen, plus/minus 500 Millionen Euro: So hatte es Vorstandschef Oliver Bäte bei der Präsentation der Jahreszahlen für 2016 am 17. Februar angekündigt. Dieses Niveau wurde bereits im vergangenen Jahr erreicht. Wäre es tatsächlich so gekommen, wäre die Allianz auf der Stelle getreten. Entsprechend verhalten reagierten die Investoren damals.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Gut ein halbes Jahr später geben sich Vorstand und Aufsichtsrat optimistischer. Nun soll das operative Ergebnis am oberen Ende der einst genannten Spanne liegen: also vermutlich bei 11,3 Milliarden Euro, vorbehaltlich unvorhersehbarer Ereignisse, Krisen oder Naturkatastrophen. Letzteres ist eigentlich logisch, und dass speziell Versicherer das immer wieder betonen, gehört zur Branche wie die vielen kleingedruckten Passagen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Dass es am Ende tatsächlich so kommt, dazu braucht es indes keine prophetischen Gaben. Nur wirklich große Schadensereignisse oder hausinterne Skandale wie in anderen Branchen könnten die Planung noch verhageln. Grund dafür waren die guten Zahlen im zweiten Quartal. Um 23 Prozent ist das operative Ergebnis in den Monaten April bis Juni gestiegen. Wo im vergangenen Jahr zu dieser Zeit noch 2,4 Milliarden Euro standen, sind es nun 2,9 Milliarden. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 29,994 Milliarden Euro. Das ergibt eine operative Marge von knapp 9,7 Prozent. Hätte es in diesem an Feiertagen reichen Quartal zwei Arbeitstage mehr gegeben, hätte wohl eine 30 vor dem Komma gestanden.

Beim Blick ins Detail fällt auf, dass alle Sparten des Konzerns überzeugten. Herausstechen konnte die Sachversicherung mit den Bereichen Sachen und Unfall: Auf 1,4 Milliarden und damit um 28 Prozent stieg das operative Ergebnis dieser Sparte. Dabei ist der Umsatz hier nur um verhaltene 0,6 Prozent auf 11,685 Milliarden angestiegen. Bei solch einem geringen Plus kommt es dann auch auf mehrere Zahlen hinter dem Komma an.

Dass es hier so steil bergauf ging, hat zwei Gründe: Zum einen fiel die Schaden-Kosten-Quote – sie zeigt das Verhältnis von Auszahlungen für Schäden zu Beitragseinnahmen – von 96,4 im Vorjahreszeitraum auf nun sehr auskömmliche 93,7. Zum anderen gab es im ersten Halbjahr weltweit so wenige Naturkatastrophen wie seit elf Jahren nicht mehr, wie die Experten der Munich Re in unmittelbarer Nachbarschaft der Allianz gerade erst ausgerechnet haben. Der Anteil aus Schäden an Naturkatastrophen bei der Allianz sank so im zweiten Quartal auf 1,0 Prozent – im Vorquartal waren es noch 4,4 Prozent.

Allianz will Aktien zurückkaufen
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  • Umweltzerstörung bringt Profit.
    Mal abgesehen von den Investments der Allianz.
    In Stuttgart werden gerade Grünflächen plattgemacht, welche bisher zu einem gleichnamigen Vereinssportgelände gehörten. Das Grundstück gehört der Allianz, war aber bisher nicht als Baugrundstück ausgewiesen.
    Die CDU hatte dies viele Jahre verhindert.
    Ausgerechnet jetzt, wo Stuttgart einen grünen Oberbürgermeister und eine Grüne Landesregierung hat, wird das Gelände für die Bebauung freigegeben, wodurch Allianz in Hundertmillionenhöhe profitiert. Begründeung, wie immer: sonst zieht Allianz ab und dann entfallen Arbeitsplätze. Dass dann halt anderswo welche entstehen ist irrelevant. Dass der Abzug eine leere Drohung ist, erscheint sehr wahrscheinlich.

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