Am Mittwoch wird das Gremium über die Strategie des Konzerns und Seiferts Zukunft beraten Börsen-Aufsichtsrat steht vor den Trümmern des LSE-Flops

Bei der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Börse geht es am Mittwoch ans Eingemachte. Beim Versuch, die Scherben der gescheiterten Übernahme der Londoner Börse (LSE) zusammen zu kehren, muss sich das Gremium mit weit reichenden Fragen befassen.

ina/pot/rob FRANKFURT. Welche strategischen Wachstumsoptionen hat die Börse nach dem LSE-Flop noch, wie viel Geld wird aus dem Unternehmen an die Aktionäre ausgeschüttet und schließlich: Will das Unternehmen mit Börsenchef Werner Seifert an der Spitze weitermachen?

Geht es nach Aufsichtsratschef Rolf Breuer, bleibt zumindest bei den Personalien alles beim alten. Es wäre „verhängnisvoll“, wenn Seifert ginge, sagte Breuer letzte Woche. Andere Aufsichtsräte sehen Seiferts Rolle weitaus kritischer. Er habe die Verhandlungen mit der LSE ungeschickt geführt und die eigenen Aktionäre von oben herab behandelt, lautet ein Vorwurf. „Er stand sich mit seiner Art wieder einmal selbst im Weg“, klagt ein Aufsichtsrat. Allerdings gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass Seifert morgen von dem Gremium gestürzt wird. „Es wäre nicht gut, irgendetwas über das Knie zu brechen“, hieß aus Kreisen des Aufsichtsrates. Zugleich wurden Meldungen, wonach Breuer eine vorzeitige Verlängerung von Seiferts Vertrag, der im Sommer 2006 ausläuft, anstrebe, in Aufsichtsratskreisen als Unsinn zurückgewiesen.

Allerdings steht auch der Aufsichtsrat selbst, allen voran Chefaufseher Breuer, unter gehörigem Druck. Die Hedge-Fonds TCI und Atticus haben damit gedroht, den Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung im Mai abwählen zu lassen. So weit wollen andere Aktionäre nicht gehen. Aber der Vorwurf, der Aufsichtsrat habe die Interessen der Aktionäre nicht genügend im Blick, ist auch bei längerfristig orientierten Fondsgesellschaften zu hören. Tatsächlich sitzen in dem Gremium viele Vertreter deutscher Banken, die ihre Börsen-Anteile längst verkauft haben. Eine Überlegung in Aufsichtsratskreisen ist daher, den neuen Eigentümern wie etwa den großen Kapitalgesellschaften oder möglicherweise sogar den Hedge- Fonds Sitze in dem Gremium anzubieten. Ein Problem dabei ist freilich, dass viele Fonds derartige Posten in aller Regel ablehnen.

Großen Diskussionsbedarf gibt es auch bezüglich der neuen strategischen Ausrichtung der Börse. Zwar ist eine Übernahme der LSE formell noch nicht endgültig vom Tisch, da sich die Börse bei einem Angebot von Euronext zum Kauf der LSE erneut in den Bieterwettkampf einschalten kann. Allerdings gilt dies in Aufsichtsratskreisen als extrem unwahrscheinlich. Auch Übernahmen anderer Börsen wie der in der Schweiz, in Spanien oder Italien gelten auf absehbare Zeit als kaum realistisch. „Jetzt wird wohl das organische Wachstum in den Vordergrund rücken“, sagte ein Aufsichtsrat. Vor allem das Derivategeschäft biete hier beträchtliche Chancen.

Ein Problem könnte allerdings sein, dass viele Großaktionäre massiv Geld aus dem Unternehmen in Form einer Sonderdividende oder eines Aktienrückkaufs herausziehen wollen. Seifert hat bereits zugesagt, dass er Gelder in „signifikantem“ Umfang ausschütten will. Doch im Aufsichtsrat gibt es durchaus Bedenken, die Aktionäre zu großzügig zu bedenken – schließlich dürfe sich die Börse nicht aller Wachstumsmöglichkeiten berauben.

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