Amnestie
Schweizer Banken im Wettlauf gegen die Zeit

Schweizer Banken beschäftigen derzeit Heerscharen von Anwälten und Buchprüfern. Bis zum 31. Dezember müssen die Institute entscheiden, ob sie in den USA Straffreiheit wegen der Beihilfe zu Steuerhinterziehung beantragen.
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Die 300 Banken der Schweiz beschäftigen in diesen Tagen ein ganzes Heer an Anwälten, Buchprüfern und Mitarbeitern aus den eigenen Reihen im Wettlauf mit der Zeit. Bis zum 31. Dezember müssen sie entscheiden, ob sie bei den USA Straffreiheit beantragen für etwaige Beihilfe zur Steuerhinterziehung amerikanischer Bürger.

Banken in der Schweiz nehmen Konten genauer unter die Lupe, bevor sie die Frage beantworten, ob sie dem Offenlegungsprogramm der USA beitreten - dem bislang am weitesten gefassten Ansatz der USA im Kampf gegen Steuerhinterziehung im Ausland.

„Es ist harte Arbeit, an die richtigen Daten zu kommen und sich durch komplexe Systeme zu arbeiten, um alle Fakten auf dem Tisch zu haben”, sagte David Fidan, Partner bei Deloitte LLP. „Das ist sehr teuer und bindet Anwälte, Buchhalter und Bankmitarbeiter ein. Man braucht dazu in größeren Banken unter Umständen 20, 30 oder 40 Leute - über vier oder fünf Monate.”

Banken, die Grund zur Annahme haben, sie könnten gegen Steuergesetze verstoßen haben, können das US-Justizministerium bitten, auf eine Strafverfolgung zu verzichten. Im Gegenzug müssen die Finanzhäuser offenlegen, wie sie Amerikanern dabei geholfen haben, Vermögen zu verstecken. Zudem sollen sie Daten zu versteckten Konten übergeben und Strafen zahlen.

Banken, die bei dem Programm nicht mitmachen, drohen strafrechtliche Ermittlungen - so, wie das bereits bei 14 Banken einschließlich der Credit Suisse Group AG der Fall ist.

Die Schweizer Behörden haben die Banken aufgefordert, bei dem Programm mitzumachen. Die Schweizerische Bankiersvereinigung (SBVg) kritisiert allerdings Kosten und unbeantwortete Fragen, etwa danach, wer als US-Kunde gilt und welche Vermögenswerte als unversteuert eingestuft werden.

Bislang haben mindestens 33 Banken ihre Teilnahme zugesagt, darunter 19 Kantonalbanken, Edmond de Rothschild Group, der Vermögensverwalter im Besitz von Baron Benjamin de Rothschild, EFG International AG, kontrolliert vom griechischen Milliardär Spiro Latsis und dessen Familie, sowie Valiant Holding AG mit Sitz in Bern.

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Strafzahlungen des Programms seien viel zu hoch

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  • Ohne die Leitwährung Dollar wären derartige Erpressungen ausländischer Banken seitens der USA unmöglich. Dieser Wettbewerbsvorteil der USA sollte fallen. Der Dollar ein wertloser Papierschnipsel.....

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