Analyse
Der Umbau der Commerzbank

Im November wird die Commerzbank ihre neue Strategie vorstellen. Doch eines dürfte klar sein: Die Bank wird wohl ihr Privatkundengeschäft reformieren. Das aber wäre eine Kampfansage an die Sparkassen. Eine Analyse.
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FrankfurtDie Aufsichtsratsmitglieder der Commerzbank haben im Moment jede Menge Lesestoff. Die neue Strategie, die Vorstandschef Martin Blessing am 8. November vorstellen will, wirft ihre Schatten voraus. Details nennt die zweitgrößte deutsche Bank in den umfangreichen Papieren noch nicht, die sie dazu versandt hat, doch eines wird daraus schon klar: Der größte Hebel, an dem die Commerzbank ziehen will, ist das Geschäft mit den elf Millionen Privatkunden. „Die 2009 geplanten Kapazitäten waren auf Wachstum ausgerichtet - das ist aber nicht gekommen“, sagt ein Commerzbank-Manager. Deshalb muss umgesteuert werden.

Eine Milliarde Euro Gewinn, wie sie Blessing aus dem damals größten Filialnetz Deutschlands holen wollte, ist auf Jahre hinaus utopisch. „Es wird auf absehbare Zeit kein Patentrezept geben, mit dem Banken wieder so profitabel sein können, wie sie es vor drei oder vier Jahren waren“, sagt Rüdiger Filbry. Er leitet die Praxisgruppe Finanzinstitutionen in Deutschland und Österreich bei der Beratungsgesellschaft Boston Consulting, die die zehn größten deutschen Banken zu ihren Kunden zählt.

„Wachstum ist im Moment nur im Kampf gegen andere Banken möglich. Der Markt wird nicht größer“, sagt Mark Roach, der bei der Gewerkschaft Verdi für die Commerzbank zuständig ist und in ihrem Aufsichtsrat sitzt. Elf Millionen Privatkunden - das ist fast jeder siebte Deutsche, doch wenn man Kunden nach ihrer Hausbank fragt, wie das die Branche regelmäßig tut, nennen nur acht Prozent die Commerzbank. Zu lange hatte sie vor allem auf das Wertpapiergeschäft gesetzt - doch das liegt am Boden, weil die Kunden kein Vertrauen mehr in riskante Finanzprodukte haben und ihr Erspartes lieber in Tagesgeld parken. Ganze acht Euro hat die Commerzbank im ersten Halbjahr mit jedem privaten Kunden - vom Hausmeister bis zum Millionär - verdient, wenn man den Online-Broker Comdirect herausrechnet.

„Warum ist das Kreditgeschäft so lange vernachlässigt worden?“ fragt Verdi-Mann Roach. „Warum überlässt man da so vieles den Autobanken oder anderen?“ Doch mit einer stärkeren Konzentration auf das Brot- und Butter-Geschäft mit Girokonten und Hausbaukrediten würde die Bank vor allem den Sparkassen den Kampf ansagen, die ohnehin schon am meisten unter der Konkurrenz der Direktbanken leiden. Und den Bundestags-Abgeordneten - von denen viele selbst in den Verwaltungsräten der Sparkassen sitzen - kommt regelmäßig die Galle hoch, wenn die Commerzbank Kunden für ihr kostenloses Girokonto mit 50 Euro lockt. Ausgerechnet die Bank, die der Staat seit Jahren mit Milliarden am Leben hält. „Mit den 50 Euro kriegen sie sogar Millionäre“, erzählt ein Commerzbanker.

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  • Ich bin Mitarbeiter der BASF SE. Mein Arbeitgeber hat zu der damaligen Zeit ein Aktienkonto für Mitarbeiter eingerichtet, auf welches beim Kauf einer bestimmten Anzahl Aktien er eine bestimmte Anzahl Aktien ebenso zuschießt (mit einer Sperrklausel für 10 Jahre). Soweit, so gut, eine an und für sich gute Sache. Ich kaufte noch Aktien separat hinzu, 52 Stück. Von meinem Arbeitgeber wurden somit 10 Aktien ebenfalls auf dem Konto gutgeschrieben.
    Dieses Konto wurde damals bei der Dresdener Bank eingerichtet. Die Dresdener Bank wurde dann von der Commerzbank "geschluckt". Man bedenke: Die Commerzbank hat kurz darauf (in der Bankenkrise) auch noch 350 Millionen vom Staat (UNS!) kassiert! Ich würde da schon sagen: Kein Fett auf der Kette aber Fahrrad fahren wollen....
    Nun habe ich bei meiner Hausbank (Volksbank) ebenfalls ein Aktienkonto.
    Ich möchte hier nun mein Erlebnis mitteilen, um aufzuzeigen, welche Hindernisse die Commerzbank seinen "Kunden" in den Weg legt, Aktien von ihrem Konto auf das andere Konto zu transferieren.

    28.11.2012
    Schreiben an die Commerzbank mit der Bitte, meine Aktien (52 Stück) zu transferieren.
    Antwort der Commerzbank: Sie haben überhaupt KEINE Unterlagen über mich! Welch Wunder, ich bekam stets Kontoauszüge zugeschickt.
    Nun: Mit dem Schreiben der Bank kam ein dicker Block als Fragenkatalog. Ich füllte diesen aus, zurückgesand über die Filiale in meinem Ort.
    Am 04.02.2013 habe ich zur Sicherheit nochmals (es war in der Zwischenzeit noch kein Eingang auf meinem Konto zu vermelden) die Commerzbank angeschrieben bezüglich des Transfers. Zu diesem Zeitpunkt standen die Aktien bei 75,75 Euro.
    Am 18.02.2013 fragte ich bei meiner Hausbank nach, ob diese Aktien auf meinem Konto eingegangen seien: Nein.
    Da ging mir dann endlich die Hutschnur hoch: Anruf bei der Commerzbank. Dort wurde mir mitgeteilt, ich bräuchte eine PIN, zur Authentifizierung. Da ja aber zuvor keine Daten (angeblich) über mich vorlagen: Wie sollte ich da eine PIN haben?
    Frage an die Da

  • Ich war auch da-25 Jahre Omas anrufen genügt.Jetzt die Abfindung mitgenommen und nett das ALG einstreichen. Ehe der Laden zumacht.Verdienen tut er schon lange nix mehr.

  • Na dann mal prost, wenn die Bank den Bach runter geht. Erstmal fallen etliche Steuer- und Sozialversicherungszahler aus und zusätzlich noch dem System zur Last, weil Jobs in der Branche nicht auf der Straße liegen.

    Aber die meisten denken ja scheinbar nicht weit genug, wenn sie sich Pleite der Bank herbeisehnen. Das das Management für seine Fehler zahlen sollte ist ja okay. Aber es gibt nunmal auch tausende normale Angestellte in diesem Unternehmen, die einen guten Job machen wollen und für die Misere nichts können.

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