Analyse US-Großbanken und das Prinzip Hoffnung

Die Ergebnisse von JP Morgan, Wells Fargo und Bank of America zeigen einen positiven Trend. Ob damit ihre hohen Bewertungen zu rechtfertigen sind, bleibt aber noch offen. Sie beruhen vor allem auf dem Prinzip Hoffnung.
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Die US-amerikanische Großbank hat gute neue Zahlen vorgelegt. Quelle: Reuters
Bank of America

Die US-amerikanische Großbank hat gute neue Zahlen vorgelegt.

(Foto: Reuters)

New YorkMehr Zinseinnahmen, weniger Zinsausgaben, diese Trends zeigen sich bei den ersten Ergebnissen der US-Banken fürs vierte Quartal wie auch für das gesamte Jahr 2016. Die Branche profitiert vom Wachstum der Wirtschaft wie auch von steigenden Zinsspannen.

Die Einnahmen aus Gebühren sind dagegen leicht gesunken. Die Bonität der Kredite bleibt robust, betonen die Geldhäuser, der vielfach befürchtete Verfall der Qualität in diesem Bereich ist noch nicht zu erkennen. Der viel beachtete Handel mit Zinspapieren, Devisen und Rohstoffen hat sich als robust erwiesen. Die Ausgaben außerhalb des Zinsbereichs sind gesunken, zum Teil gilt das auch für den Personalaufwand.

Einige Banker müssen sich daher wohl mit niedrigeren Boni zufrieden geben, für Morgan Stanley sind entsprechende Informationen auch schon an die Öffentlichkeit gelangt. Insgesamt gilt also: Der Zins sprudelt, Kosten und Risiken bleiben unter Kontrolle. Der Gewinntrend der Branche zeigt moderat aufwärts, außer bei Wells Fargo, wo ein Skandal im Vertrieb das Ergebnis drückt.

Ob mit dem guten Trend die hohen Bewertungen der Banken gerechtfertigt sind, bleibt noch offen. Denn darin liegt viel Hoffnung auf die neue Regierung Trump, die ja noch gar nicht angetreten ist. Wegen der hohen Aktienkurse hatten zuletzt die Citigroup Goldman Sachs und UBS die Citigroup als „Verkauf“ eingestuft – ein relativ selten vergebenes Rating.

JP Morgan hat im vierten Quartal nach Steuern 6,7 Milliarden Dollar verdient, was gegenüber dem Vorjahresquartal einer Steigerung um 24 Prozent entspricht, im gesamten Jahr 2016 waren es 24,7 Milliarden mit einer Steigerung von nur einem Prozent.

Wells Fargo hat im Quartal 5,3 Milliarden Dollar verdient, und im Jahr 21,9 Milliarden, was einem Rückgang um vier Prozent entsprach. Die Bank hatte früher zeitweise sogar höhere Ergebnisse als JP Morgan ausgewiesen. Sie steht wegen eines Skandals im Vertrieb unter Druck, bei dem Mitarbeiter ohne Zustimmung der Kunden in deren Namen Konten eröffnet haben, um ihre Verkaufszahlen zu verbessern. Der Bankenriese in San Francisco hat gerade ein neues Vergütungssystem für die Filialen eingeführt. Danach steigen am unteren Ende der Gehaltsskale die festen Bezüge und die Boni werden an die Gruppenleistung gekoppelt und zudem nicht mehr für einzelne Produkte vergeben. So soll der hohe Vertriebsdruck, der zu dem Fehlverhalten geführt hatte, gemildert werden.

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Europas Banken stecken in der Krise. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere.

Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Bis auf drei Banken liegt das KBV bei allen Geldhäusern unter 1, drastisch fällt dieser Wert bei der Deutschen Bank aus. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen würden als von der Fortführung des Geschäfts, – oder, dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2017. Aktienkurse vom 3. August 2017

Platz 10: Commerzbank
2 von 12

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 11: Barclays
3 von 12

Nettoverlust: 1.440 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –4,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,1 Prozent

KBV: 0,63

Platz 7: RBS
4 von 12

Nettogewinn: 791 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,8 Prozent

KBV: 0,66

Platz 9: Credit Suisse
5 von 12

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 8: Deutsche Bank
6 von 12

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 5: Société Générale
7 von 12

Nettogewinn: 1.058 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 9,5 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,7 Prozent

KBV: 0,65

Bank of America gilt in besonderen Maß als Gewinner von steigenden Zinsen. Die Bank hat im Quartal 4,7 Milliarden verdient, und im Jahr 17,9 Milliarden, was einer Steigerung um rund 13 Prozent entsprach.

Blackrock hat ebenfalls Zahlen vorgelegt. Dabei bestätigten sich gleich zwei Trends: Der Fluss von Geld zu großen Vermögensverwaltern und der Tausch von aktiv gemanagten gegen passiv gemanagte Fonds. Der erste Trend ist gut für den Gewinn, der zweite dagegen nicht, weil im passiven Bereich die Einnahmen viel niedriger sind. Das verwaltete Vermögen von Blackrock legte um elf Prozent auf gut 5,1 Billionen Dollar zu. Der Gewinn stieg zwar im Quartalsvergleich um sechs Prozent, lag aber im Gesamtjahr mit 3,2 Milliarden Dollar sogar etwas niedriger als 2015.

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