Analyse Warum die Deutsche Börse ihren Vorstand umkrempelt

Theodor Weimer macht wesentliche Entscheidungen seines Vorgängers wieder rückgängig – und bekommt drei neue Vorstandskollegen.
Update: 24.04.2018 - 20:15 Uhr Kommentieren
Seit Anfang 2018 steht Weimer an der Spitze der Deutschen Börse. Quelle: Bloomberg
Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer

Seit Anfang 2018 steht Weimer an der Spitze der Deutschen Börse.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtTheodor Weimer ist bekannt für klare Ansagen und schnelle Entscheidungen. Seit seinem Amtsantritt im Januar hat der 58-Jährige auf der zweiten Führungsebene bereits kräftig aufgeräumt und mehrere Manager vor die Tür jetzt. Jetzt ist die Konzernspitze dran.

Die Deutsche Börse plane „personelle und strukturelle Veränderungen im Vorstand“, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Der Aufsichtsrat wolle am Mittwoch drei neue Vorstände berufen und das Gremium von fünf auf sechs Mitglieder erweitern. Zudem sollen die Vorstandsbereiche neu zugeschnitten werden.

Das wichtigste Ressort Kunden, Produkte und Kernmärkte, in dem das Derivategeschäft Eurex und die Wertpapierverwahrtochter Clearstream angesiedelt sind, wird aufgespalten. Es fährt aktuell rund 75 Prozent aller Erträge ein.

Weimers Vorgänger Carsten Kengeter hatte Clearstream und Eurex zusammengelegt und sich davon Synergien versprochen – gerade beim Einsatz von Sicherheiten, der für alle Kunden große Bedeutung hat. Doch innerhalb der Deutschen Börse war vielen klar, dass das Ressort wieder aufgeteilt werden muss, wenn der zuständige Vorstand Jeffrey Tessler Ende des Jahres in Ruhestand geht.

„Keiner außer Jeff kann Eurex und Clearstream gleichzeitig führen“, sagt eine mit dem Thema vertraute Person. „Das wieder aufzuteilen, ist nur logisch. Seine Nachfolger können nur reüssieren, wenn ihre Marktbereiche überschaubar sind.“

Künftig wird Eurex zusammen mit dem Abwicklungshaus Eurex Clearing im Ressort Trading (Handel) zusammengefasst. Clearstream sowie das Daten- und Indexgeschäft werden in einem anderen Vorstandsbereich gebündelt. Das IT-Geschäft soll künftig von einem Chief Information Officer verantwortet werden, der als Chief Operating Officer (COO) außerdem für den Betrieb der Börse zuständig ist.

Durch den Umbau ist auch das seltsam zugeschnittene Ressort von Vize-Chef Andreas Preuß Geschichte. Preuß war lange für das Derivategeschäft zuständig und hatte die IT-Abteilung in dieser Zeit Finanzkreisen zufolge regelmäßig als zu wenig kundenorientiert und zu teuer kritisiert.

Kengeter übertrug dem größten Kritiker 2016 deshalb kurzerhand die Verantwortung für IT. Zusätzlich ist Preuß, der voraussichtlich im Mai 2019 in Ruhestand geht, aktuell noch für das Daten- und Indexgeschäft sowie die Energiebörse EEX und die Devisenhandelsplattform 360T zuständig.

Innerhalb der Börse fordern viele, dass auf Preuß ein ausgewiesener IT-Spezialist folgen muss. „Wir verstehen uns als IT-Unternehmen. Also müssen wir uns auch so aufstellen“, sagt ein Konzerninsider. Bei Eurex und Clearstream machen sich mehrere interne Kandidaten Hoffnung auf einen Aufstieg zum Vorstand. Die Deutsche Börse nannte die Namen der neuen Vorstände nicht. Dies soll erst nach der Absegnung durch den Aufsichtsrat am Mittwochabend geschehen.

Weimer schafft mit der neuen Struktur die Basis für seine neue Strategie, die er am 30. Mai auf einer Investorenkonferenz präsentieren will. Unterhalb der Konzernspitze hat der langjährige Hypo-Vereinsbank-Chef in den vergangenen Monaten bereits vieles neu sortiert. Den erweiterten Vorstand schaffte er bereits nach wenigen Wochen im Amt ab, später dann auch die zentralen Einheiten für Vertrieb und Produktentwicklung.

Damit hat Weimer einen Großteil der Entscheidungen seines Vorgängers Kengeter wieder rückgängig gemacht. Die Deutsche Börse ist künftig also wieder so ähnliche gegliedert wie unter dem langjährigen Vorstandschef Reto Francioni. Auch die Manager Ashwin Kumar und Rob Jolliffe, die Kengeter verpflichtet hatte, setzte Weimer wieder vor die Tür – und installierte mit Christoph Hansmeyer stattdessen einen Vertrauten als Strategiechef.

Die meisten Mitarbeiter der Deutschen Börse finden es gut, dass Weimer nach dem Horrorjahr 2017 durchgreift. Angesichts der geplatzten Fusion mit der London Stock Exchange und des Ermittlungsverfahrens gegen Ex-Chef Kengeter hoffen sie auf einen Neustart. Investoren ist dabei vor allem wichtig, dass Weimer nicht nur für neue Strukturen, sondern auch für steigende Erträge sorgt.

In den ersten drei Monaten ist der Deutschen Börse das dank der Ausschläge an den Märkten aller Voraussicht nach gelungen. Details wird das Unternehmen am Mittwochabend verkünden, wenn es seine Zahlen für das erste Quartal vorlegt – das erste unter Weimers Ägide.

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