Analyse
Wie aus soliden Bankiers die bösen Buben wurden

Das Bild von Bankern hat sich radikal gewandelt. Aus den einstigen Finanzberatern sind Produzenten von immer komplexeren Investmentprodukten geworden. Über Image und Selbstverständnis einer ganzen Branche.
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London/Düsseldorf„Wer im Rolls-Royce durch Frankfurt fährt, kriegt von mir keinen Pfennig Kredit.“ Der flotte Spruch stammt tatsächlich von einem Bankchef – genauer gesagt von Hermann Josef Abs, dem Übervater der Deutschen Bank, der in den 1950er- und 1960er-Jahren die Geschicke des Frankfurter Geldhauses lenkte. Eigentlich war Abs als angestellter Manager das, was man heute einen Banker nennen würde. Aber das entsprach so gar nicht dem Selbstverständnis des ehemaligen Partners des privaten Bankhauses Delbrück, Schickler & Co: „Ich behalte mir aus einer gewissen Eitelkeit den Titel Bankier vor“, war seine Meinung dazu.

Von Abs stammt auch das Zitat: „Gewinn ist gut, aber nicht alles.“ Worte aus einer anderen Zeit. Viele würden wohl sagen, aus einer besseren Zeit – als die Marktwirtschaft noch sozial war und Banker noch Bankiers waren – oder sich zumindest so fühlten.

Im kommenden Jahr wird Anshu Jain, Chefinvestmentbanker der Deutschen Bank, auf den Posten rücken, den Abs einst innehatte. Das Zahlengenie Jain wuchs in Neu-Delhi auf und entwickelte sich in den USA zum lupenreinen Investmentbanker angelsächsischer Prägung. Jain war einer der Ersten, der den Siegeszug komplexer Derivatekonstruktionen vorausgesagt hat. Er und sein verstorbener Mentor Edson Mitchell machten aus dem Geldhaus in der deutschen Provinz eine Weltmacht im Investment-Banking. Heute ist Jain der Herr über ein Heer von Händlern. Sie treiben eine Geldmaschine an, die die Konkurrenz mit einer Mischung aus Angst und Respekt als „Flowmonster“ bezeichnet.

Abs und Jain: zwei Menschen, zwei Karrieren, zwei Momentaufnahmen, die zeigen, wie radikal sich Image, Realität und Selbstverständnis der Geldbranche seit den Wirtschaftswunderzeiten gewandelt haben.

In der jungen Bundesrepublik waren Banken noch ziemlich simple, überschaubare Gebilde. Sie sammelten bei den Sparern Geld ein, das sie dann als Kredite an die Konzerne aus Stuttgart, München und dem Ruhrgebiet verliehen, die damit die Weltmärkte eroberten. Unter Abs war die Deutsche Bank die Zentrale des Rheinischen Kapitalismus, die Spinne im Netz der eng verflochtenen Deutschland AG.

Als Global Player auf einem weltumspannenden Finanzmarkt hat sich der Bonner, der seine Karriere ohne Studium nach einer Banklehre startete, nie gesehen. Der Enkel eines königlich-preußischen Justizrats war ein Kind des deutschen Bürgertums, er fühlte sich Werten verpflichtet, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen.

Kommentare zu " Analyse: Wie aus soliden Bankiers die bösen Buben wurden"

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  • Herr Abs hat Ethik und Moral anders definiert. In der Bank Ackermanns hätte sich der Mann nie zurecht gefunden.

    Abs war Banker.

  • Derivate oder früher Finanzinnovationen als Teufelszeug zu betrachten liegt voll im öffentlichen Trend. Diese Meinung wird oft von Leuten vertreten, die die Sache nicht verstanden haben.

    Es ist korrekt, dass auch nach meiner Meinung manches, vieles blödsinnig ist. Aber weshalb gibt es diese Auswüchse? M.E. liegt dies häufig daran, dass viele - auch in den Banken und dort bis in die Führungsspitze hinein - nicht verstanden haben, um was es geht. Wenn dem so ist kann somit fachlich überhaupt keine Kontrolle ausgeübt werden. Das betrifft auch die Finanzmarktaufsicht. Betrachten Sie dazu doch selbst die Beipiele bei SocGen, bei UBS oder auch Barings.

    Ungeachtet dessen werfen die Probleme, existentielle Probleme Fragen hinsichtlich einer adäquaten Finanzmarktaufsicht auf. Man mag Verständnis dafür aufbringen, dass diese Institution mit der Problemstellung überfordert war bzw. ist. Nicht desto trotz ist diese Tatsache unakzeptabel. Es hätte zumindest auffallen müssen, dass die Führungsebenen häufig mit dem "Teufelszeug" überfordert waren und keine Fachaufsicht ausgeübt haben und konnten. Das Geschäft war intern und extern unbeaufsichtigt.

    Vor diesem Hintergrund darf es niemanden verwundern, dass unbeaufsichtigte Geschäfte "böse Buben", angeködert mit viel Geld unwiderstehlich angelockt wurden.

    Wenn der selbstgekürte Kanzlerkandidat der SPD, Herr Steinbrück, als ehemaliger Finanzminister und Dienstaufsicht der BAFin sich heute hinstellt und das Derivativgeschäft pauschal geiselt, dann hat er heute auch noch nicht verstanden. Während seiner Amtszeit hatte er alle Macht dem ein Ende zu setzen was er heute gern verboten sähe. Er hat genau dies aber selbst unterlassen. Er hat das Recht auf Kritik verwirkt.

    Was brauchen wir?
    Wir brauchen eine effiziente Aufsicht der Derivate - intern und extern.
    Wir brauchen eine Aufsicht die frei von Lobbyismus ist.
    Wir brauchen eine Unterlegung der Derivate mit Eigenkapital wie das Geschäft selbst, das sie abbilden.

  • Die Dt.Bank erwirtschaftet mit einem Spieleinsatz von über 2 Billionen € Ergebnisse weit unter Sparbuchniveau. Zur Täuschung und zum Generieren von Bonuszahlungen wird jedoch eine Erfolgsillusion gezimmert.Dabei wird das kümmerliche Ergebnis nicht auf den realen Spieleinsatz, sondern nur auf das darin enthaltene Körnchen Eigenkapital bezogen. Fertig ist die Mogelpackung "Eigenkapitalrendite". Bei der Dt.Bank ist sie kein Ausweis rentierlicher Anlage, sondern massiver Verschuldung.
    Hätte die Nachkriegs-Dt.Bank statt eines Abs einen Ackermann/Jain an der Spitze gehabt, es wäre nie zum Wiederaufbau gekommen.
    Stattdessen wären die Preise für Schuttberge gestiegen - als Scheinwohlstand.

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