Analyse

Wie krank sind die deutschen Banken?

Das Privatkundengeschäft ist unprofitabel, die Zahl der faulen Kredite steigt an. Deutschlands Finanzinstitute haben ihre Altlasten noch nicht abgebaut, da zeichnet sich der nächste Abschwung ab. Zehn Institute im Test.
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Die Frankfurter Bankenskyline, aufgenommen vom Neubau der EZB. Quelle: dapd

Die Frankfurter Bankenskyline, aufgenommen vom Neubau der EZB.

(Foto: dapd)

Frankfurt/BerlinSieht man einmal von der Euro-Krise ab, die für die meisten deutschen Institute hohe Abschreibungen auf ihre Staatsanleihen bedeutete, dann waren die vergangenen zweieinhalb Jahre gut für Banken: Die Wirtschaft boomte, Unternehmen bedienten ihre Kredite und Privatleute parkten ihr Erspartes anders als in Südeuropa ohne Angst vor Bankpleiten auf dem Konto. Im klassischen Bankgeschäft mit Firmen- und Privatkunden ließ sich also etwas verdienen.

Doch die Halbjahresberichte deuten eine Trendwende an. Überall stieg die Risikovorsorge, weil es mehr faule Kredite gab. Und die niedrigen Zinsen machen das Privatkundengeschäft immer unprofitabler. Der Abschwung kommt für die Branche zur Unzeit. Nicht nur weil die strengeren Kapitalregeln ab 2013 die Kapitalkosten nach oben treiben werden. Sondern auch weil die wenigsten Banken schon ihre Altlasten aus der Finanzkrise ausgeschwitzt haben.

Welche Banken gerüstet sind – und welche nicht
Gutachten: BayernLB-Gremien für Milliardenspekulationen haftbar
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BayernLB

Als letzte Landesbank hat die BayernLB grünes Licht von der EU-Kommission für ihr Sanierungskonzept bekommen. Das Institut muss sich von der Immobilientochter GBW und der ungarischen MKB trennen, die Bilanzsumme auf 200 Milliarden Euro zurückführen und fünf Milliarden Euro an den Freistaat zahlen. Vor lauter Altlasten und Sondereffekten fällt es manchmal schwer, das Geschäftsmodell zu erkennen. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es sich eindeutig herausgeschält hat.

Kernkapitalquote (1. Halbjahr 2012): 12,0 Prozent
Eigenkapitalrendite (1. Halbjahr 2012): 4,0 Prozent
Finanzstärke-Rating (Moody's): D-
Erhaltene Staatshilfen: 10,0 Milliarden Euro

Halbjahres-Pressekonferenz HSH Nordbank
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HSH Nordbank

Die HSH Nordbank, weltweit größter Schiffsfinanzierer, ist wieder im Krisenmodus. Die Schifffahrtskrise führte nicht nur zu einem Verlust im zweiten Quartal, die Bank (Bild: Vorstandschef Paul Lerbinger) muss sich auch Sorgen um die Kapitalquote machen. Denn mehr Schiffskredite gelten nun als ausfallgefährdet und müssen mit mehr Eigenkapital unterlegt werden Das drückt die Quote. Das Risikopotenzial soll nun gesenkt werden, heißt es. Die HSH überlebte die Finanzkrise nur durch milliardenschwere Hilfen von Hamburg und Schleswig-Holstein.

Kernkapitalquote: 12,7 Prozent
Eigenkapitalrendite: 1,0 Prozent
Finanzstärke-Rating: E+
Erhaltene Staatshilfen: 20,0 Milliarden Euro (3 Mrd. Euro Länder, 17 Mrd. Euro Soffin)

Nord/LB kann mit EU-Auflagen leben
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NordLB

Zwar ist die NordLB ohne Hilfe des Bundes durch die Finanzkrise gekommen. Doch die Umwandlung von Stillen Einlagen der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in Kernkapital stabilisierte die Bank (Bild: Vorstandschef Gunter Dunkel) nachhaltig und rief die EU-Kommission auf den Plan. Aber die von Brüssel angemahnten Einschnitte stellen das Geschäftsmodell der NordLB nicht infrage. Sie kümmert sich um Firmenkunden, ist stark im Gewerbeimmobiliengeschäft und finanziert Flugzeuge und Schiffe. Letzteres ist aktuell eine Herausforderung.

Kernkapitalquote: 10,4 Prozent
Eigenkapitalrendite: 3,9 Prozent
Finanzstärke-Rating: D
Erhaltene Staatshilfen: 3,3 Milliarden Euro

Landesbank Baden-Wuerttemberg zieht Bilanz
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LBBW

Die LBBW leidet unter den Altlasten aus der Finanzkrise und muss Staatshilfen zurückzahlen. Die von der EU verordnete Restrukturierung wollen die Stuttgarter dieses Jahr abschließen. Sie konzentrieren sich wieder auf das Geschäft mit Firmenkunden - ein angesichts der Stärke der heimischen Wirtschaft durchaus tragfähiges Geschäftsmodell. Der LBBW hilft zudem, dass sie mit der BW-Bank über eine Privatkundensparte verfügt. Allerdings ist der Wettbewerb um Privat- und Firmenkunden hart.

Kernkapitalquote: 14,2 Prozent
Eigenkapitalrendite: 3,7 Prozent
Finanzstärke-Rating: D+
Erhaltene Staatshilfen: 5,0 Milliarden Euro

huGO-BildID: 18051211 ARCHIV - Das Logo der Helaba prangt am 16. Dezember 2007 auf einer Niederlassung des Unternehmens in Offenbach. Die Bank will a
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Helaba

Wenn es einen Profiteur der WestLB-Auflösung gibt, dann die Helaba: Die in Frankfurt ansässige Landesbank hat die Finanzkrise ohne Staatshilfen überstanden und kürzlich unter anderem das Verbund- sowie das Mittelstandsgeschäft der WestLB übernommen. Damit kümmert die Helaba sich als Zentralinstitut um 170 von 430 Sparkassen Deutschlands. Das Institut, das stark in der Immobilienfinanzierung tätig ist, gilt als konservativ und stockte zuletzt die Risikovorsorge deutlich auf, was den Gewinn im ersten Halbjahr 2012 drückte.

Kernkapitalquote: 10,4 Prozent
Eigenkapitalrendite: 10,3 Prozent
Finanzstärke-Rating: D+
Erhaltene Staatshilfen: keine

HypoVereinsbank soll als Name verschwinden
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Hypo Vereinsbank

Die Deutschland-Tochter der italienischen Großbank Unicredit ist sehr gut kapitalisiert und gehört zu den profitabelsten Banken in Deutschland. Ihre Ertragsstärke bezieht sie aber praktisch nur aus dem sehr gut laufenden Firmenkundengeschäft. Mit Privatkunden verdient sie kaum etwas, strategisch sind aber deren Einlagen sehr wichtig. Ungünstig für die Bank ist ihre enge finanzielle Verflechtung mit dem Mutterkonzern, der unter dem Misstrauen der Märkte gegen alle italienischen Banken leidet.

Kernkapitalquote: 16,9 Prozent
Eigenkapitalrendite: 13,9 Prozent
Finanzstärke-Rating: C-
Erhaltene Staatshilfen: keine

DEKA
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Deka

Als Fondsanbieter der Sparkassen und mit ihrem Kapitalmarktgeschäft verfügt die Dekabank zwar über ein attraktives Geschäftsmodell. Doch das Ergebnis im ersten Halbjahr 2012 lag nur knapp unter Vorjahresniveau. Doch im Fondsgeschäft läuft es alles andere als rund: 2,1 Milliarden Euro zogen Anleger in den ersten sechs Monaten aus - vielfach enttäuschenden - Deka-Produkten ab. Der Umbau des Fondshauses soll jetzt beginnen, umsetzen muss ihn der künftige Dekabank-Chef Michael Rüdiger.

Kernkapitalquote: 14,0 Prozent
Eigenkapitalrendite: 18,9 Prozent
Finanzstärke-Rating: C-
Erhaltene Staatshilfen: keine

Das Handelsblatt hat zehn der größten deutschen Institute analysiert. Sie sind laut ihrem Finanzstärkerating bei Moody's angeordnet, das zeigt, wie stark eine Bank ohne Hilfe von außen ist. Ein „a“ steht für „hervorragende Finanzkraft“, ein „e“ für „sehr schwach ausgeprägte Finanzkraft“.

Das Ergebnis: Den besten Banken billigt Moody's nur eine „ausreichend hohe eigene Finanzkraft“ zu, den meisten anderen eine „nur schwach ausgeprägte“. „Wir haben zwar kaum Banken, die auf der Intensivstation liegen, aber andererseits strotzen die Institute nicht vor Kraft. Sie sind eher etwas ausgelaugt“, urteilt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance.

Drei Kernprobleme lassen sich identifizieren: der Wettbewerb, die Altlasten und das Geschäftsmodell. So ist der Konkurrenzkampf in keinem Land Europas so hart wie in Deutschland. Übertrieben fette Gewinne sind da nicht drin. „Deshalb konnten viele Banken in den vergangenen zwei, drei Jahren auch nicht so viel Speck ansetzen“, sagt Faust.

Umkehren statt „Weiter so“

Mittelprächtiges Rating für die Commerzbank
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21 Kommentare zu "Analyse: Wie krank sind die deutschen Banken?"

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  • Es gibt zu viele Banken auf dem Markt - aha.

    Da war doch mal was mit "too big to fail" - hätte es das nicht gegeben, hätte man über so manche Bankenrettung vielleicht noch mal nachgedacht. Wenn die Riesenbanken nicht weltweit mit den anderen Riesenbanken so viele und große Subprimegeschäfte gemacht hätten, wäre die Krise nicht so ausgedehnt gewesen, hätte nicht ein Institut alle anderen mit herunterziehen können. Jedenfalls war das der allgemeine Tenor, als die Finanzkrise ausbrach. Vor diesem hintergrund kann eine weitere Konzentration auf dem Bankenmarkt unmöglich zur Stabilisierung und größeren Sicherheit auf den Finanzmärkten beitragen. Ich denke deshalb, dass dieser Artikel eher dem Gewinnmaximierungsstreben der Großbanken mit ihrer Gier nach größeren Marktanteilen und damit mehr - auch politischer - Macht geschuldet ist, als einem echten Bedürfnis eines freien Bankenmarktes. Einem solchen freien Markt wäre mit mehr Wettbewerb unter mehr voneinander weitgehend unabhängigen Instituen mehr gedient als mit einer "Konzentration zum Oligopol". Einem solchen Oligopol stünde zudem jede Bankenaufsicht letztlich hilflos gegenüber, egal, wo sie angesiedelt wird und egal, was im Gesetz stünde.

  • Müsste die Frage nicht eher

    "Wie krank ist die deutsche Politik?"

    lauten? Aber der an permanenter Finanzschwäche
    leidenden deutschen Politik kann geholfen werden.

    Sparvorschläge wie Seehofer und Merkel bzw. CSU und CDU Geld für Rettungsschirme hereinsparen können:


    - Strassen (auch in Städten!) an ausländische
    Unternehmen verkaufen und "Strassenbenützungsgebühr"
    einführen: Beispiel: für Neuöttinger Strasse 5 Euro; bei der Rückfahrt und jedesmal wenn man die Strasse verlassen hat und wieder neu auffährt, wird wieder die volle Gebühr fällig; Ringstrasse 2 Euro; Burghauserstrasse 4 Euro; Michaelistrasse 2 Euro usw., wenn man also von NÖ, Michaelistrasse sagen wir z.B. zum Hornb... in AÖ fährt und zurück, werden leicht mal 40 Euro fällig!

    - in Häusern "Liftgebühr" einführen; für jede Einzelfahrt in jede Richtung werden 2 Euro fällig; d.h. einmal den Müll
    runterbringen: 4 Euro!


    - 10 Euro "Eintrittsgeld" für Supermärkte und Geschäfte! Spitzenidee!
    So wie man beim Arztbesuch 10 Euro bezahlen muss - wissen Sie übrigens, dass das die Idee von Seehofer war? -, wird jetzt bei jedem Besuch eines Geschäftes (gilt auch für Tankstellen, Getränkemärkte usw.) eine "Eintrittsgebühr" von 10 Euro fällig; nach kurzer Zeit wird dann die "Eintrittsgebühr" auf 15 bis 20 Euro erhöht!
    Dat Geld wird für Rettungsschirme gebraucht, wah!

  • tja, das wird sowieso die einzige Möglichkeit sein, sonst kann der Steuerzahler tatsächlich den ganzen toten Investment-Mist bezahlen.
    Deutschland hat 2008 damit angefangen, Baffin hatte fast eine halbe Billion zum "retten". Die Dinger laufen teilweise 30 Jahre.
    Die anderen Länder sind zu spät damit angefangen.

  • Ach, was soll der Geiz - einfach noch ein paar Bad Banks eröffnen, die faulen Kredite auslagern und die Bad Banks pleite gehen lassen - fertig ^^


  • Objektiv gesprochen und analisiert. Deutschland steht mit abstand am allerbesten da in Europa. Selbst bei einem Abschwung sind die meisten mittelständischen Betriebe und Privatkunden noch in der Lage ihre Kredite zu bedienen. Die von Deutschen Banken gehaltenen Staatsanleihen südeuropäischer Länder sind durch die EZB abgesichert und haben zudem den positiven Nebeneffekt hoch verzinst zu sein was für hohe Gewinne sorgt. Es ist absehbar dass die mittelfristige Schiffsfinanzierung von seitens des Staates subventioniert werden. Und wie sieht die Situation in den anderen Europäischen Ländern aus? Singulär ist auch die Tatsache das diese Bewertungen natürlich wieder einmal von Amerikanischen Ratdingagenturen vorgenommen wurde. Wann wird es auch dem Tumbesten endlich klar dass die Amerikanischen Ratdingagenturen im Verbund mit der Amerikanischen Finanz agieren vielleicht mit dem Fernziel solide Deutsche Banken in ihrem Wert zu minimieren um sie damit zu geeigneten Übernahmekandidaten zu machen und ihren eigenen Machtbereich, auch außerhalb der USA, auszubauen. Wo also die Sorge. Bevor die Deutschen Banken Pleite gehen, ist die gesamte Wirtschaft schon pleite.

  • @ SaytheTruth,

    Im Forum "Der eiserne Schäuble" hat ein "Roland" einen lesenswerten Beitrag geschrieben. In seiner namentlichen Aufzählung hat er aber Ihren Niknamen vergessen. Vielleicht beschweren Sie sich einmal. Ich denke, Sie gehören in jedem Falle dazu.

  • noch nicht gemerkt?
    wir haben ein marodes Bankensystem, ohne vernünftiges Geschäftsmodell, alle diese risikobehafteten Banken verdienen ihr "Geld" im Interbankenhandel, das klassische Bankgeschäft Einlagen gegen Kredite (Wirtschaft, Immobilien, Aktien) ist quasi zum erliegen gekommen.
    Die Realwirtschaft wird nicht mehr von den Banken im notwendigen Ausmaß mit Liquidität versorgt. Dies ist das eigentliche Problem welches sich seit über 10 Jahren schleichend durch den Markt bewegt und nun zu eskalieren droht. Hinzu kommt eine völlig überforderte Politik, die nichts zustande bringt ausser die Staatsschulden in exorbitante Höhen zu treiben.

  • Ja, alle Banken sollten Non-Profit-Organisationen sein, dito alle Versicherungen! Nur so kann man den Nutzen für die Allgemeinheit zurück bekommen.

  • Ich glaube nicht das "alle" europäischen Banken systemrelevant sind. Da aber alle Zockerbanken derzeit gerettet werden glaube ich nur an unfähige, korrupte, von Banken gesteuerte deutsche Marionettenpolitiker, die nur Stroh im Kopf haben und unfähig sind das Bankenspielkasino, welches sich selbst von Spareinlagen und der EZB finanziert, zu schließen. Eine Putzfrau ist für mich mehr wert wie ein Politiker, der noch nie im Leben gearbeitet hat und nur Unsinn und Lügen erzählt.

  • Aus der Sicht des Privatkunden haben die Banken in den letzten 10 Jahren nur versagt. Nur ein paar Stichworte schlechte Beratung, überhöhte Kreditzinsen, klumpen Risiko bei Staaatsanleihen aufgebaut und nicht zuletzt Einfluss auf die Gesetze genommen und nun lassen sich vom kleinem Steuerzahler retten und streichen noch fette Boni ein.
    Habe deshalb meine Geschäfte mit der grössten Deutsche Bank auf 0 € gefahren und tätige nun bei einer Genossenschaftsbank meine Geschäfte.

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