Analyse
Wie krank sind die deutschen Banken?

Das Privatkundengeschäft ist unprofitabel, die Zahl der faulen Kredite steigt an. Deutschlands Finanzinstitute haben ihre Altlasten noch nicht abgebaut, da zeichnet sich der nächste Abschwung ab. Zehn Institute im Test.
  • 21

Frankfurt/BerlinSieht man einmal von der Euro-Krise ab, die für die meisten deutschen Institute hohe Abschreibungen auf ihre Staatsanleihen bedeutete, dann waren die vergangenen zweieinhalb Jahre gut für Banken: Die Wirtschaft boomte, Unternehmen bedienten ihre Kredite und Privatleute parkten ihr Erspartes anders als in Südeuropa ohne Angst vor Bankpleiten auf dem Konto. Im klassischen Bankgeschäft mit Firmen- und Privatkunden ließ sich also etwas verdienen.

Doch die Halbjahresberichte deuten eine Trendwende an. Überall stieg die Risikovorsorge, weil es mehr faule Kredite gab. Und die niedrigen Zinsen machen das Privatkundengeschäft immer unprofitabler. Der Abschwung kommt für die Branche zur Unzeit. Nicht nur weil die strengeren Kapitalregeln ab 2013 die Kapitalkosten nach oben treiben werden. Sondern auch weil die wenigsten Banken schon ihre Altlasten aus der Finanzkrise ausgeschwitzt haben.

Das Handelsblatt hat zehn der größten deutschen Institute analysiert. Sie sind laut ihrem Finanzstärkerating bei Moody's angeordnet, das zeigt, wie stark eine Bank ohne Hilfe von außen ist. Ein „a“ steht für „hervorragende Finanzkraft“, ein „e“ für „sehr schwach ausgeprägte Finanzkraft“.

Das Ergebnis: Den besten Banken billigt Moody's nur eine „ausreichend hohe eigene Finanzkraft“ zu, den meisten anderen eine „nur schwach ausgeprägte“. „Wir haben zwar kaum Banken, die auf der Intensivstation liegen, aber andererseits strotzen die Institute nicht vor Kraft. Sie sind eher etwas ausgelaugt“, urteilt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance.

Drei Kernprobleme lassen sich identifizieren: der Wettbewerb, die Altlasten und das Geschäftsmodell. So ist der Konkurrenzkampf in keinem Land Europas so hart wie in Deutschland. Übertrieben fette Gewinne sind da nicht drin. „Deshalb konnten viele Banken in den vergangenen zwei, drei Jahren auch nicht so viel Speck ansetzen“, sagt Faust.

Kommentare zu " Analyse: Wie krank sind die deutschen Banken?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es gibt zu viele Banken auf dem Markt - aha.

    Da war doch mal was mit "too big to fail" - hätte es das nicht gegeben, hätte man über so manche Bankenrettung vielleicht noch mal nachgedacht. Wenn die Riesenbanken nicht weltweit mit den anderen Riesenbanken so viele und große Subprimegeschäfte gemacht hätten, wäre die Krise nicht so ausgedehnt gewesen, hätte nicht ein Institut alle anderen mit herunterziehen können. Jedenfalls war das der allgemeine Tenor, als die Finanzkrise ausbrach. Vor diesem hintergrund kann eine weitere Konzentration auf dem Bankenmarkt unmöglich zur Stabilisierung und größeren Sicherheit auf den Finanzmärkten beitragen. Ich denke deshalb, dass dieser Artikel eher dem Gewinnmaximierungsstreben der Großbanken mit ihrer Gier nach größeren Marktanteilen und damit mehr - auch politischer - Macht geschuldet ist, als einem echten Bedürfnis eines freien Bankenmarktes. Einem solchen freien Markt wäre mit mehr Wettbewerb unter mehr voneinander weitgehend unabhängigen Instituen mehr gedient als mit einer "Konzentration zum Oligopol". Einem solchen Oligopol stünde zudem jede Bankenaufsicht letztlich hilflos gegenüber, egal, wo sie angesiedelt wird und egal, was im Gesetz stünde.

  • Müsste die Frage nicht eher

    "Wie krank ist die deutsche Politik?"

    lauten? Aber der an permanenter Finanzschwäche
    leidenden deutschen Politik kann geholfen werden.

    Sparvorschläge wie Seehofer und Merkel bzw. CSU und CDU Geld für Rettungsschirme hereinsparen können:


    - Strassen (auch in Städten!) an ausländische
    Unternehmen verkaufen und "Strassenbenützungsgebühr"
    einführen: Beispiel: für Neuöttinger Strasse 5 Euro; bei der Rückfahrt und jedesmal wenn man die Strasse verlassen hat und wieder neu auffährt, wird wieder die volle Gebühr fällig; Ringstrasse 2 Euro; Burghauserstrasse 4 Euro; Michaelistrasse 2 Euro usw., wenn man also von NÖ, Michaelistrasse sagen wir z.B. zum Hornb... in AÖ fährt und zurück, werden leicht mal 40 Euro fällig!

    - in Häusern "Liftgebühr" einführen; für jede Einzelfahrt in jede Richtung werden 2 Euro fällig; d.h. einmal den Müll
    runterbringen: 4 Euro!


    - 10 Euro "Eintrittsgeld" für Supermärkte und Geschäfte! Spitzenidee!
    So wie man beim Arztbesuch 10 Euro bezahlen muss - wissen Sie übrigens, dass das die Idee von Seehofer war? -, wird jetzt bei jedem Besuch eines Geschäftes (gilt auch für Tankstellen, Getränkemärkte usw.) eine "Eintrittsgebühr" von 10 Euro fällig; nach kurzer Zeit wird dann die "Eintrittsgebühr" auf 15 bis 20 Euro erhöht!
    Dat Geld wird für Rettungsschirme gebraucht, wah!

  • tja, das wird sowieso die einzige Möglichkeit sein, sonst kann der Steuerzahler tatsächlich den ganzen toten Investment-Mist bezahlen.
    Deutschland hat 2008 damit angefangen, Baffin hatte fast eine halbe Billion zum "retten". Die Dinger laufen teilweise 30 Jahre.
    Die anderen Länder sind zu spät damit angefangen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%