Analysten erwarten kräftige Gewinnsteigerungen Zweiter Frühling für Banken

Das Comeback des Investment-Bankings hält an. Vertreter der ertragsstarken Großbanken und Analysten rechnen nach kräftigen Gewinnsteigerungen in den ersten drei Monaten auch im zweiten Quartal mit guten Ergebnissen. Zu verdanken sei dies vor allem den unverändert hohen Gewinnmargen bei Kapitalmarktgeschäften.
JP-Morgan-Zentrale in New York. Die Bank hat die Krise relativ gut überstanden. Quelle: Reuters

JP-Morgan-Zentrale in New York. Die Bank hat die Krise relativ gut überstanden.

(Foto: Reuters)

tor/ben/mm/hgn ZÜRICH. Während die Handelsbücher nach den schmerzhaften Abschreibungen wieder schwarze Zahlen aufweisen, mehren sich in den Kreditbüchern die Warnsignale. Geschäftsbanken sorgen sich über steigende Zahlungsausfälle im Firmenkreditgeschäft.

Damit setzt sich der Trend zu einer Zweiklassengesellschaft im internationalen Bankgeschäft fort. Auf der einen Seite stehen dabei Banken wie etwa Citigroup, UBS und die Royal Bank of Scotland, die immer noch mit den Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise beschäftigt sind und der ansteigenden Ertragskurve hinterherlaufen. Erfolgreich agieren dagegen Institute wie Goldman Sachs, JP Morgan, Credit Suisse und Deutsche Bank, die aus der Krise ohne größere Blessuren hervorgegangen sind.

Allerdings warnen Analysten vor allzu viel Euphorie. „Der mittelfristige Ausblick bleibt trübe“, schreibt Dirk Hoffmann-Becking über die Perspektiven der Investmentbanken. Der Analyst von Bernstein Research hält das Ertragsniveau aus dem ersten Quartal nicht für nachhaltig, da sich die neuen Geschäftsmodelle noch nicht bewährt hätten. Bislang ist den Banken das Kunststück gelungen, trotz verringerter Risiken höhere Gewinne einzufahren. Möglich ist das, weil die Kursdifferenzen bei den Handelsgeschäften besonders groß sind. Spätestens 2010 werde Ernüchterung einkehren.

Im Moment herrscht bei den Banken jedoch noch Optimismus. „Das Marktumfeld hat sich im Vergleich zum zweiten Quartal nicht fundamental geändert“, sagt Urs Rohner, Vize-Chef des Verwaltungsrats der Credit Suisse. Nach Schätzungen von Bernstein Research hat die zweitgrößte Bank der Schweiz von dem Ertragsboom bei Fixed-Income-Produkten bislang am stärksten profitiert. Analyst Hoffmann-Beckstein erwartet jedoch einen Einbruch, sobald die Margen wieder kleiner werden. „Außerdem muss Credit Suisse die Risiken in ihrem Portfolio weiter abbauen, um Folgen für ihre Vermögensverwaltung zu vermeiden.“

Besser hat es da die Deutsche Bank, die auf ihr kleineres Private Banking weniger Rücksicht nehmen muss. Bernstein sagt den Frankfurtern dank des Anleihengeschäfts für das zweite Quartal ein fast ebenso gutes Resultat wie in den ersten drei Monaten voraus. Damals hatte die Bank einen Quartalsgewinn von 1,2 Mrd. Euro nach Steuern erzielt. Eine solide Berichtssaison für das zweite Quartal prognostizieren auch die Analysten von Unicredit. „Die Party geht weiter, doch ist der Kater danach unserer Ansicht nach ebenfalls programmiert“, lautet das Urteil. Im zweiten Halbjahr würden sich die Folgen der Rezession in den Bankbilanzen niederschlagen.

An der Wall Street freut man sich hingegen über weitere Zuwächse aus dem Kapitalmarktgeschäft. „Die Aktienplatzierungen haben sich zuletzt beschleunigt, die Anleiheemissionen bleiben solide, die Anleger haben wieder einen größeren Risikoappetit, und die Aktienkurse sind gestiegen“, zählt Keefe Bruyette & Woods-Analyst Robert Lee die Gründe auf. Hauptprofiteure dürften erneut die schon im ersten Quartal unerwartet starken Institute Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley sein. Sie verfügen über ein starkes Kapitalmarktgeschäft, haben aber überschaubarere Kreditrisiken. Viele Analysten haben daher ihre Ergebnisschätzungen für das zweite Quartal der drei Banken deutlich angehoben. Wegen der anhaltenden Rezession rechnen sie jedoch für den weiteren Jahresverlauf und für 2010 mit stagnierenden Ergebnissen. Der Markt scheint die Wahrnehmung zu teilen, dass der US-Bankensektor auch insgesamt wieder besser dasteht. Immerhin konnte die Branche nach Abschluss der staatlichen Stresstests fast 75 Mrd. Dollar an frischem Aktienkapital bei Investoren einsammeln.

In der Londoner City sind es vor allem HSBC und Barclays, die in der Champions League mitspielen können. Die britische Großbank HSBC ist bislang vor allem wegen ihrer traditionell starken Stellung auf den asiatischen Emerging Markets deutlich besser als viele Konkurrenten durch die Finanzkrise gekommen. Im ersten Quartal 2009 schrieb HSBC schwarze Zahlen, ein konkretes Ergebnis nannte die Bank aber bislang nicht. Barclays wird das laufende Jahr nach Schätzungen von JP Morgan mit einem Plus von 1,3 Mrd. Pfund abschließen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%