Analysten zeigen sich enttäuscht: Deutsche Bank: Der Glanz ist verblasst

Analysten zeigen sich enttäuscht
Deutsche Bank: Der Glanz ist verblasst

Die Analysten bleiben auch nach der Veröffentlichung vorläufiger Zahlen durch die Deutsche Bank skeptisch bezüglich der Verlustrisiken und der Kapitalausstattung des Branchenprimus. Insbesondere am Postbank-Deal üben sie scharfe Kritik.

FRANKFURT. Die Experten von JP Morgan schätzen für die Vorlage der endgültigen Bilanz am 5. Februar, dass sich die Belastungen im Investmentbanking der Deutschen Bank auf insgesamt sechs Mrd. Euro belaufen. Davon entfielen etwa 1,5 Mrd. Euro auf Verluste aus dem Eigenhandel, eine Milliarde Euro auf Abschreibungen und 3,5 Mrd. Euro auf Verluste aus Sicherungsgeschäften. Da die Deutsche Bank bis zur vollständigen Übernahme der Postbank weiterhin stark von den Geschäften an den Kapitalmärkten abhängig bleibt, müsse schon eine deutliche Restrukturierung stattfinden, um auf eine Rendite von 15 Prozent zu kommen, heißt es in der Analyse von JP Morgan.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hatte bei der Veröffentlichung der Eckdaten für sein Haus Schwächen eingeräumt, aber auch auf erste Lichtblicke in den ersten Handelstagen des Januars hingewiesen, etwa im Devisenhandel. Insgesamt sei er zuversichtlich für 2009. Die Bank hatte für das vierte Quartal einen Verlust von 4,8 Mrd. Euro ausgewiesen, was beispielsweise deutlich mehr war als die Analysten von Credit Suisse errechnet hatten. Diese meinten gestern, man könne an den vorläufigen Zahlen nichts Gutes finden. Das Kursziel für die Aktie reduzierten sie auf Zwölf-Monats-Sicht von bisher 33 Euro auf 21,50 Euro.

Auch bezüglich der geänderten Konditionen für die Übernahme der Postbank zeigten die Analysten keine Euphorie. Bei Sal. Oppenheim hieß es, der Deal sei "erstaunlich kompliziert" dafür, dass letztlich nur 34 Basispunkte bei der Kernkapitalquote von rund zehn Prozent eingespart werden. Die Deutsche Bank und die Postbank hatten eine ohnehin schon komplexe Struktur mit Optionen vollkommen neu aufgerollt. In der neuen Transaktionsstruktur kommen nun Aktien, eine Pflichtumtauschanleihe sowie Optionen zum Tragen, wobei sich die Post vorübergehend mit acht Prozent an der Deutschen Bank beteiligt.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sieht in den neuen Bedingungen des Postbank-Verkaufs keinen Verstoß gegen das Wertpapierübernahmegesetz. Dafür gebe es bislang keine Erkenntnisse, sagte eine Sprecherin. Der niederländische Hedge-Fonds Exchange-Manager Investors fordert "zeitnah" ein Pflichtangebot der Deutschen Bank an die übrigen Postbank-Aktionäre. Denn das Institut sichere sich über Optionen bereits jetzt Zugriff auf mehr als 30 Prozent der Aktien und überschreite so die gesetzliche Schwelle für eine Offerte an die freien Anteilseigner, sagte der Chef des Hedge-Fonds, Frank Scheunert, zur Nachrichtenagentur Reuters. Als nächstes sei eine Anzeige bei der BaFin geplant. Exchange Investors vertritt und hält nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Postbank-Aktien.

Lob erntete Ackermann von der deutschen Aufsichtsbehörde für die vorgezogenen Zahlen. "Ein großes deutsches Institut hat heute den Anfang gemacht und die Wahrheit nicht auf die lange Bank geschoben, was aller Ehren wert ist", sagte Chefaufseher Jochen Sanio am Mittwochabend auf dem Neujahrsempfang der Behörde zu den frühen Vorab-Zahlen der Deutschen Bank.

Die schweizerische Großbank UBS sieht in Europa den Großteil der Aufräumarbeiten in den Bilanzen der Kreditinstitute mittlerweile als vollbracht an. Man habe mit Blick auf die Rekapitalisierung "zwei Drittel des Weges beschritten", sagte Martin Reitz, Co-Chef Investmentbanking für den deutschen Markt, gestern in Frankfurt.

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