Angenommene Ausfallquote von 13 Prozent gilt als unrealistisch: Branche streitet um KfW-Studienkredite

Angenommene Ausfallquote von 13 Prozent gilt als unrealistisch
Branche streitet um KfW-Studienkredite

Die KfW Bankengruppe will ihr Studienkredit-Programm zum Wintersemester 2005/06 auf jeden Fall ohne Bürgschaft des Staates starten. Allerdings warnen die Sparkassen vor Schnellschüssen.

bag/fmd. BERLIN. Das kündigte Vorstandschef Hans W. Reich gestern in Berlin an. Allerdings gebe es „nirgends auf der Welt“ ein rein privates System, überall unterstütze der Staat die Vergabe von Studienkrediten, sagte er am Rande eines Symposiums. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn hatte Bundesbürgschaften strikt abgelehnt, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (beide SPD) gilt als Befürworter.

Die Kreditwirtschaft zeigt sich nach wie vor reserviert über den Vorstoß der KfW. „Das Thema eignet sich nicht zu einem Schnellschuss. Es sind noch viele Fragen zu klären“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbands, Dietrich Hoppenstedt. Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Ländern im Januar grünes Licht für die Erhebung von Studiengebühren gegeben hat, denkt nun die gesamte Kreditwirtschaft über Angebote nach.

Eine wesentliche Annahme des KfW-Modells stellte Hoppenstedt in Frage. Wenn es einen Rechtsanspruch auf einen Studienkredit gebe, dann sei die von der KfW geschätzte Ausfallquote von 13 Prozent nicht zu halten, sprich zu niedrig. Ohne Rechtsanspruch müsse eine Bonitätsprüfung eingeführt werden, die auch die Berufsaussichten der Studenten einschätze. An einem Hochschulranking komme man dann nicht vorbei, weil die Qualität der Universität Einfluss auf die Berufsaussichten habe.

Auch für den Chef des Centrums für Hochschulentwicklung CHE, Detlef Müller-Böling, ist die KfW-Ausfallrate „unklar“. Die Kalkulation von 13 Prozent basiere auf den Werten der KfW mit ihren bisherigen Bildungskrediten und denen des Bafög, sagte Reich. Überdurchschnittliche Probleme bei der Rückzahlung bei EU-Ausländern, denen das Programm ebenfalls angeboten werden soll, sehe er nicht.

Den Vorwurf Bulmahns, man könne nicht mit Billigkrediten Kinder von Spitzenverdienern finanzieren, wies Reich zurück. Da der geplante variable Zins von derzeit fünf Prozent über dem Marktzins liege, seien Mitnahmeeffekte nicht zu erwarten. Damit habe man den Fehler Großbritanniens, wo Studienkredite zinslos zur Verfügung gestellt wurden, vermieden. Gleichwohl geht die Kreditwirtschaft davon aus, dass ein marktgerechter Zins für Studienkredite unter Berücksichtigung einer höheren Ausfallquote eher bei zehn Prozent liegen müsste.

Der monatliche Höchstbetrag des KfW-Kredits soll bei 650 Euro liegen, die bis zu zehn Semester gezahlt werden, die Höchst-Laufzeit bei 25 Jahren. Bei einer monatlichen Förderung von 350 Euro über acht Semester läge die Gesamtverschuldung bei 25 Jahren Laufzeit bei 32 000 Euro, die monatliche Rückzahlung betrage 99 Euro, so Reich. Bei 650 Euro pro Monat betrüge die Gesamtverschuldung höchstens rund 60 000 Euro. Bei dieser Kalkulation geht die KfW allerdings davon aus, dass der Kredit mittelfristig von rund 20 Prozent der Studenten in Anspruch genommen wird.

Möglichst schnell will die KfW nun Gespräche mit den Ländern führen und sich Vertriebspartner suchen – denkbar seien Banken und Sparkassen, Studentenwerke oder Hochschulen. Für die Kreditwirtschaft ist die Sache klar: Wenn es sich um ein Förderprogramm handele, gelte das Hausbankprinzip. Hoppenstedt und Reich treffen sich heute zu einem klärenden Gespräch.

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