Angriff auf Goldman Sachs
Verlorenes Jahrzehnt mit falschem Geschäftsmodell

Goldman Sachs ist eine der größten und schillerndsten Investmentbanken der Welt. Der bekannte Analyst Dick Bove spricht dennoch von einer verlorenen Dekade – und hat damit nicht ganz unrecht.
  • 12

New YorkLloyd Blankfein, der Chef von Goldman Sachs, ist es gewohnt, von politisch motivierten Kritikern wie Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders angegriffen zu werden. Aber rein geschäftlich hat die Investmentbank immer noch einen Ruf wie Donnerhall. Um so auffälliger ist daher eine Attacke des bekannten Analysten Dick Bove von der Anlagegesellschaft Rafferty Capital auf das legendäre Geldhaus. Er spricht in einer neuen Analyse von einer „verlorenen Dekade“ für Goldman. Und hat seine These zeitgleich auch im Gespräch mit dem Fernsehsender CNBC verbreitet.

Bove ist sein Jahrzehnten in der Branche und bekannt wie ein bunter Hund. Er kümmert sich wenig um die Meinung anderer Analysten und provoziert gerne mit spitzen Thesen. Sogar bei politischen Themen nimmt er kein Blatt vor den Mund und kritisiert immer wieder, die harte Regulierung der Banken nach der Finanzkrise schade der Branche nur und sei ein Nachteil für Amerika im Konkurrenzkampf mit den Chinesen. Jetzt wirft er Blankfein aber vor, er habe sich und das Geschäftsmodell seiner Bank zu wenig an die neuen Gegebenheiten angepasst. Ungewöhnlich für einen Analysten: Gleich zum Einstieg seiner Analyse kritisiert er, Blankfein und sein Chief Operating Officer Gary Cohn hätten 2006 bis 2015 zusammen mehr als eine halbe Milliarde Dollar an Vergütungen kassiert.

Seit Ende 2006 habe die Aktie von Goldman fast 20 Prozent an Wert verloren, rechnet er vor. Zugleich sei der breite US-Aktienmarkt seitdem um nahezu 50 Prozent angestiegen. Die Bank habe zwar ihre Aktienbasis erweitert, aber zugleich seien die Erträge zurückgegangen. „Es ist nicht schwer zu verstehen, was mit Goldman Sachs in der vergangenen Dekade passiert ist“, schreibt er. „Die Branche, der Goldman dient, wurde dramatisch umstrukturiert. Goldman dagegen nicht.“

Blankfein habe zwar einen guten Job dabei gemacht, sich an veränderte Anforderungen der Kunden anzupassen. Aber Bove ist das nicht genug. „Was das Management nicht begriffen hat, ist, dass es wichtiger wäre, eine Transformation einzuleiten, die eine bessere Nutzung des Kapitals ermöglicht, statt sich an ein Geschäft zu hängen, das einen säkularen Abwärtstrend erlebt.“

Hinter dieser komplizierten Formulierung verbirgt sich Boves Pessimismus für die gesamte Finanzbranche. Und er sieht Goldman Sachs in der Rolle als klassische Investmentbank als zu abhängig von dieser Branche an. Scharfzüngig setzt er hinzu: „Goldman argumentiert, es gelte langfristig zu agieren und nicht nur von Quartal zu Quartal. Aber eine Dekade ist eine lange Frist. Das Unternehmen muss seine Strategie überdenken.“ Bove bleibt freilich Vorschläge schuldig, was genau Goldman hätte machen sollen, statt weiter als Investmentbank zu arbeiten. Aber es ist ja auch nicht der Job eines Analysten, neue Strategien zu erarbeiten.

Seite 1:

Verlorenes Jahrzehnt mit falschem Geschäftsmodell

Seite 2:

Goldman hat zuletzt versucht, möglichst wenig von sich reden zu machen

Kommentare zu " Angriff auf Goldman Sachs: Verlorenes Jahrzehnt mit falschem Geschäftsmodell"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • VERLORENES JAHRZEHNT MIT FALSCHEM GESCHÄFTSMODELL????

    DANN KEHRT DOCH ZUM GESCHÄFTSMODELL DES ERSTEN JAHRZENT NACH 1999 zurück!!!

    Hat jemand noch blödere Vorschläge?

  • Armer kleiner Delli-Troll@
    Doch nicht nur Erwachsene Trolle sprechen mit sich selbst. Vor allem bei Kindern sieht man, dass Selbstgespräche sinnvoll und vollkommen normal sind. Mit etwa zwei Jahren fangen sie an, das Selbstgespräch von sich aus zu kultivieren.

  • Ich denke, dass dieser Dick Bove ganz einfach das Geschäftsmodell dieser US-Bank/des US-Bankensystems nicht richtig erfasst hat, dass eine Reihe von Groß- und Investmentbanken seit der Begründung der US-Fed (die weder staatlich ist, noch Reserven hat) im Jahre 1913 inne hat.

    Dick Bove sollte noch mal Finanzgeschichte studieren und käme dabb sicherlich zu dem Schluss, dass für diese Bank keine Dekade seit der Gründung "verloren" war. Im Gegenteil.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%