Angst vor Entlassungswelle
Banker müssen um ihre Jobs fürchten

Die Gewinne der Finanzkonzerne schrumpfen, selbst Branchenkrösus Goldman Sachs hat zu kämpfen. Für die Jobaussichten der Banker verheißt das nichts Gutes.
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FrankfurtDie Geldmaschine läuft nicht mehr wie geschmiert. Goldman Sachs, der am meisten bewunderte Finanzkonzern der Wall Street, prahlt nicht länger mit üppigen Gewinnzuwächsen, er übt sich in Zurückhaltung: Das wirtschaftliche Umfeld sei schwierig und die neuen Vorgaben der Regulierer strikt, sagte Goldman-Finanzchef David Viniar bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen. Es gebe einfach weniger Gelegenheiten zum Geldverdienen.

Die Analysten senken zurzeit reihenweise ihre Gewinnprognosen für Goldman Sachs und viele der anderen Großbanken, das Niveau des Boomjahres 2010 scheint unerreichbar. Das bekümmert die Aktionäre der Institute – und die Banker selbst, denn sie müssen zunehmend um ihre Jobs fürchten. „Aufgrund des eher schwachen Umfeldes erwarten wir Stellenstreichungen in der gesamten Branche", schreibt etwa Analyst Richard Staite von Atlantic Equities in einer aktuellen Studie.

Experten rechnen damit, dass die Branche auch in Deutschland betroffen sein wird. Dirk Rudolph, Wissenschaftler an der Frankfurt School of Finance and Management, sieht bereits „Gewitterwolken“ aufziehen. Rudolph leitet seine Zweifel aus der gegenläufigen  Entwicklung zweier Indizes ab: Während der Subindex für Bankaktien in Deutschland seit einem knappen Jahr um 15 Prozent gesunken ist, ist der Frax-Index um 40 Prozent geklettert. Letzterer misst die Entwicklung offener Stellen für die 750.000 Beschäftigten in der Bank- und Finanzdienstleistungsbranche. Wertet man die Börse hier als typischen vorlaufenden Indikator, „könnte da schon etwas kommen“, sagte Rudolph. In der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise fiel und erholte sich der Subindex für Banken auch früher als der Frax, den die Frankfurt School of Finance einmal im Monat gemeinsam mit dem Handelsblatt errechnet.

Die Jobunsicherheit in der Finanzindustrie wird durch den Trend zusätzlich erhöht, den Anteil der flexiblen Vergütung an der Entlohnung der Banker zurückzufahren. Auf Druck der Regulierungsbehörden bezahlen die Institute ihre Mitarbeiter verstärkt in Festgehältern, dadurch sollen falsche Anreize durch Boni vermieden werden, die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten. Ungeplanter Nebeneffekt der Reform: Wenn die Geschäfte schlechter laufen, können die Banken nicht einfach die Boni streichen. Sobald bei den Banken die Gewinne einbrächen, "wird dies wahrscheinlich zu umfangreichen Kündigungen führen“, sagte JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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  • ja klar. aber es wird jetzt problematisch, weil die inflation deshalb überall sprunghaft ansteigt.der Wachstums-wunderknabe China hat schwere probleme.An der Wallstreet und bei den banken warten sie ja jetzt nur darauf, daß bernanke und trichet die gelddruckmaschinen wieder anwerfen. Nochmal eine geldspritze für die nächsten milliardengewinne von goldman und der deutschen bank. unzweifelhaft werden die Jubelgewinne der Industrie aber dahinschmelzen. die realen renditen der banken werden zwangsläufig absacken. wird neues geld gedruckt, schießt die inflation hoch. womit der karren feststeckt und die bänker in die bredoullie kommen werden.

  • Ich glaube diese Story erst, wenn ich verlässliche Zahlen habe. Solange Politik auf Gelddrucken und Verschulden angewiesen ist, sitzen Banker an einer nie versagenden Geldquelle, die sie direkt anzapfen können.

  • Jede BänksterIn in deutschland bildet sich ein, einen Anspruch auf einen unkündbaren Arbeitsplatz zu haben. arbeitsplatzverlust- das ist was für die anderen. es gibt -zumindest im gesamten westen- viel zuviele banken und damit zuviele bankangestellte. wenn jetzt die renditen auf breiter front sinken, dann ist es irgendwie klar, daß die berliner klientelregierung die griechen-krise als vorwand benutzt, um wieder einmal 120 Mrd. aus dem bundeshaushalt zur durchfütterung der angeblich so hocherfolgreichen BänkerInnenkaste lockerzumachen. Ich bin ja gespannt ob diese entlassungswelle kommen wird. das wird ein gekeife geben... so wie bei lehman, als sie mit ihren kisten sofort den arbeitsplatz verlassen mußten.

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