Angst vor Milliardenlöchern
Irische Bankaktien vom Handel ausgesetzt

Die Ergebnisse des neuen Bankenstresstest könnten für Irland bitter werden. Offenbar brauchen die vier größten Banken 20 Milliarden Euro zusätzliches Kapital. EFSF-Chef Regling hält das Euro-Hilfspaket für ausreichend.
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DublinDie Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schlimm die Ergebnisse des neuen Banken-Stresstests in Irland ausfallen werden. Spätestens nachdem Gerüchte aufgekommen waren, dass der Staat eines der größten Institute des Landes für Renten und Kreditvergabe übernehmen und damit vielleicht vor dem Absturz retten müsste, hat sich die Stimmung auf der Insel deutlich eingetrübt. Und wie. Nachdem bereits gestern die Aktie der betroffenen Irish Life and Permanent (IL&P) vom Handel an der Londoner und irischen Börse ausgesetzt worden ist, sind nun auch die Papiere der Bank of Ireland und der Allied Irish Banks nicht mehr handelbar. Es wird vermutet, dass der Test ergeben hat, dass sie weitere Milliarden an Unterstützung brauchen.

In einer gemeinsamen Erklärung der Irish Stock Exchange und der irischen Zentralbank hieß es, die 24-stündige Aussetzung sei notwendig, um Marktunruhen wegen falscher Gerüchte zu verhindern. Der Handel mit den Aktien aller drei Banken sollte am Freitag wieder aufgenommen werden.

Und nach den Erwartungen von Experten könnten die Stresstests tatsächlich tiefe Finanzlöcher bei der IL&P und drei weiteren Bankhäusern reißen. Das "Wall Street Journal" wie auch die Zeitung "Irish Independent" berichten unter Berufung auf gut informierte Quellen von einem Kapitalbedarf in Höhe von 20 bis 25 Milliarden Euro. Getestet werden neben der Irish Life auch die Bank of Ireland, Allied Irish Banks PLC und die EBS Building Society. Schätzungen des irischen Senders RTÉ zufolge könnten die Stresstests allein bei IL&P ein Finanzloch von mehr als 1 Milliarde Euro aufdecken. Im schlimmsten Falle könnte dies bedeuten, dass sich der Staat praktisch zum Hauptanteilseigner der gesamten Bankenbranche aufschwingen müsste.

Das 85 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für Irland enthält nach Einschätzung von EFSF-Chef Klaus Regling genügend Geld für die Rettung der irischen Banken. Erste Anhaltspunkte deuteten darauf hin, dass das für die Restrukturierung der Finanzinstitute vorgesehene Geld vermutlich ausreiche, sagte der Chef des Euro-Rettungsschirms im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte richte sich derzeit auf Portugal, Irland und Griechenland, sagte Regling. „Die Märkte betrachten den Euro-Raum heute viel differenzierter als im vorigen Jahr. Die Gefahr, dass ein Land in der Krise ein anderes ansteckt, ist signifikant niedriger als vor sechs Monaten.“

Bislang haben die irischen Steuerzahler rund 46 Milliarden Euro in die Rettung ihrer fünf größten Banken gesteckt. Vier davon gehören bereits zu einhundert Prozent dem Staat, an der Bank of Ireland ist die öffentliche Hand mit 36 Prozent beteiligt.

Kein Wunder also, dass der neue irische Wirtschaftsminister Richard Bruton in einem Interview mit dem Handelsblatt ankündigte, dass „wenigstens eine der großen Banken“ internationalen Investoren angeboten werden solle. Vermutlich werde es dabei um die Allied Irish Banks gehen. „Das würde unserem Finanzsektor sowohl Stabilität als auch einen Zuwachs an Vertrauen bringen. Deshalb verfolgen wir das Ziel, die Allied Irish Banks zu verkaufen.“

Der Bankensektor war in Irland im Verhältnis zur Größe des Landes deutlich aufgebläht, was die Wirtschaftskrise verschärft hat.

Die Stresstests sollen Klarheit über die tatsächliche Finanzlage der irischen Banken geben. Die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds hatten im vergangenen November ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro für Irland geschnürt. Darin sind allein 35 Milliarden Euro für den Umbau des maroden Bankensektors vorgesehen.

In Brüssel und Dublin wird erwartet, dass nicht mehr als die prognostizierten 35 Milliarden Euro benötigt werden. Von dem Ausgang der Stresstests wird auch ein Signal bei der Antwort auf die Frage erwartet, ob die Kondition für das irische Rettungspaket erleichtert werden können. Der neue Premierminister Enda Kenny möchte, dass die Zinsen von derzeit durchschnittlich 5,8 Prozent für die Kredite des Rettungsschirmes niedriger und die Laufzeiten länger werden.     

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @ Hansi

    Das ist alles nur ein Mißverständnis! Unwägbare Risiken & unvorhersehbare Zustände und alles sowieso "alternativlos". Das reicht doch um uns Deppen zu beruhigen. Die wissen alles und geben die Infos nur Stück für Stück raus damit wir uns nicht aufregen. Es bleibt dabei, die Rettung Europas ist eine Rettung der Banken & Versicherungen und Sicherung des Staus Quo! Die Systemfrage wird nicht gestellt, warum auch. Die Maßnahmen sind für alle Bürger Europas Verrat am eigenen Volk und eine neue Form von Versaille.

  • Das verstehe ich nicht.
    Beim Stresstest haben doch alle irischen Banken bestanden.
    Oder hat uns die Obrigkeit (EU, EZB, Regierung) damals nur einlullen wollen?
    Jetzt werden die PIIGS tatsächlich zum Fass ohne Boden?
    Ganz so, wie es Aussenseiter, Internetspinner und Demagogen gewisser Edelmetallseiten vorausgesagt haben?

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