Angst vor Staatspleiten
Nervöse Banken leihen sich Unmengen Geld

Europas Banken sind vor dem EU-Sondergipfel hochnervös. Das belegt die Tatsache, dass sie die EZB anzapfen wie lange nicht mehr. Eine Staatspleite von Griechenland würde insbesondere deutsche Institute hart treffen.
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Frankfurt Vor dem EU-Sondergipfel zu Griechenland haben sich am Dienstag die Banken am europäischen Geldmarkt wieder reichlich mit Euro eingedeckt. „Das ist die allgemeine Verunsicherung über das, was am Donnerstag beim Gipfel herauskommen könnte“, sagte ein Händler. „Seit letzter Woche steht ja auch Italien am Pranger, und für viele Banken dürfte es immer schwieriger werden, sich am Markt zu refinanzieren“, fügte ein anderer hinzu. „Dann gehen sie lieber gleich zu EZB und decken sich ein.“ Sicherheitsdenken werde wieder ganz groß geschrieben, fügte ein dritter hinzu.

Die Notenbank teilte 291 Banken und Sparkassen 197 Milliarden Euro zu - deutlich mehr als aus dem Vorwochentender mit 153,6 Milliarden Euro fällig wurden. Auch von Reuters am Wochenanfang befragte Händler hatten im Schnitt mit einer Zuteilung von nur 155 Milliarden Euro gerechnet. Die EZB selbst schätzt den Liquiditätsbedarf der Banken aufgrund von autonomer Faktoren wie Steuerabflüssen mit lediglich 95 Milliarden Euro ein. 

Die Tagesgeldsätze rutschten auf rund 1,40 Prozent von bis zu 1,45 Prozent am Vortag ab. Da die Liquidität reichlich sei, dürften die Sätze im Tagesverlauf weiter unter Druck geraten. 

Der hohe Wert belegt, dass die Griechenlandkrise die Institute außerordentlich beschäftigt. Zwar hatten die deutschen Banken beim europäischen Stresstest gut abgeschnitten - kein Institut ist durchgefallen. Doch die Ergebnisse sind nur auf den ersten Blick beruhigend, denn die Aufseher haben in ihrem Krisenszenario keine Staatspleiten durchgespielt. Viel spannender sind daher die Zahlenkolonnen, die die Europäische Bankenaufsicht (Eba) im Rahmen des Tests veröffentlicht hat. Eine Handelsblatt-Analyse der Zahlen zeigt, dass eine Staatspleite in Griechenland die deutschen Banken besonders hart treffen würde.

Fast ein Drittel der gesamten Staatsschulden der Euro-Problemstaaten Griechenland, Irland und Portugal stecken im europäischen Bankensystem. Die deutschen Banken sind dabei vor allem in Griechenland stark exponiert. Sie halten 8,8 Milliarden Euro an Griechenland-Anleihen. Das sind neun Prozent aller griechischen Bonds, die im EU-Bankensystem stecken. Damit sind die deutschen Banken der größte Auslandsgläubiger. Auf Platz zwei folgen die französischen Banken - sie haben acht Prozent aller Griechenland-Papiere (7,9 Milliarden Euro) in ihren Büchern.

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  • Seit letzem Jahr haben französische Institute (wie auch niederländische, schweizer,...) einen Großteil ihrer griechischen Anleihen bei der EZB abgeladen. Deutschlands Anteil an der Einlage ist 27%. Das Abstoßen der französischen Banken geht zuLasten der deutschen Steuerzahler. Deutsche Institute versprachen dem Mann mit dem Instrumentenkasten ihre griech. Anleihen zu halten.
    Auf Dauer ist es wohl billiger ein paar deutsche Banken zu stützen, als auf Dauer die PIIGS zu alimentieren.
    Erst der Euro erlaubte den PIIGS sich dermaßen zu verschulden, deshalb solte die Lösung hier ansetzen, nämlich Rückabwicklung.
    Das ist besser, als kommende Geberationen für die Eurovision der ältlichen Herren Kohl, Schmidt, Waigl, Juncker, Trichet, Schäuble zahlen zu lassen.

  • Hallo,
    damit machen Banken genau das was die Bürger nicht machen sollen, weil es sonst zum Kollaps kommen kann.

  • Wenn ich möglicherweise morgen kein Geld mehr bekomme, dann hole ich heute so viel wie ich bekommen kann. Was der Privatmann macht das machen die Banken halt ebenso. Morgen könntes es zu spät sein. Eine Art Bankenrun der Banken. Der Privatbankenrun könnte folgen sobald die Erkenntnis Allgemeingut geworden ist. Mal abwarten, habe vorgesorgt.

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