Angst vor Verhaftungen
Schweizer Banken verbieten Mitarbeitern US-Reisen

Die US-Justiz hat es bei der Jagd auf Steuersünder auf Manager von Schweizer Banken abgesehen, schon ist von „Wirtschaftskrieg“ die Rede. Eidgenössische Geldhäuser reagieren, indem sie Mitarbeitern US-Reisen verbieten.
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DüsseldorfSchweizer Banken fürchten, dass nach den jüngsten Anklagen der US-Justiz gegen Mitarbeiter der eidgenössischen Großbank Credit Suisse auch ihre Mitarbeiter in den USA verhaftet werden könnten. Deshalb hätten die Privatbanken Sarasin und Julius Bär ihren Mitarbeitern Reisen in die Vereinigten Staaten verboten, wie die Zeitungen „Der Sonntag“ und „Sonntagszeitung“ berichten.

„Seit zwei Wochen gilt eine Genehmigungspflicht für alle Privat- und Geschäftsreise nach den USA“, zitiert „Der Sonntag“ einen Sarasin-Sprecher. Nur Bankchef Joachim Strähle und Finanzchef Thomas Müller dürften Ausnahmebewilligungen erteilen. Damit sollten die Bank und ihre Beschäftigten vor Ermittlungen und Verhaftungen geschützt werden. Allerdings betonte der Sprecher, es gebe keine Ermittlungen gegen die Bank oder ihre Mitarbeiter.

„Der Sonntag“ meldet zudem, dass Privatreisen in die USA bei Julius Bär laut gut unterrichteten Quellen seit kurzem untersagt seien. Julius Bär wollte dazu nicht Stellung nehmen. Die „Sonntagszeitung“ berichtet von einem Mitarbeiter aus dem mittleren Management der Privatbank, der seine US-Reise auf Anweisung des Geldhauses kurzfristig abblasen musste.

Credit Suisse hatte am 15. Juli mitgeteilt, Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen der US-Justiz zu sein. Eine Woche später wurde bekannt, dass auch gegen Mitarbeiter der Schweizer Großbank Anklage erhoben worden ist. Sie werden beschuldigt, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben.

Schweizer Politiker reagieren empört auf das Vorgehen der US-Steuerfahnder. So zitiert die „NZZ am Sonntag“ den FDP-Wirtschaftpolitiker Ruedi Noser mit den Worten: „Das ist Wirtschaftskrieg, Imperialismus pur.“ Der wirtschaftspolitische Sprecher der CVP, Pirmin Bischof, sagte dem gleichen Blatt: „Vorab die grossen Banken sollen prüfen, ob sich das US-Geschäft für sie langfristig überhaupt lohnt.“

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  • Wo kämen wir hin, wenn ein Land Verdächtige eines anderen Landes bei der Einreise verfolgen würden. Gott bewahre, und dann noch Banker. Die stehen ja jetzt schon über allem, fühlen sich gottgleich? So hört man schon manche Banker sagen sie würden "Gottes Werk" verrichten. Da geht es ja nicht, dass Banker nicht mehr unangetastet umherreisen dürfen. :D

  • Mit den Ami-Cowboys soll man halt keine Geschäfte machen. In ein paar Jahren ist der Ami-Imperialismus aber Geschichte. Gott sei Dank.

  • Der Beitrag der Schweiz war, das es dort bis noch vor einiger Zeit ein wirkliches Bankgeheimnis gegeben hat. Den Amerikanern mit ihren jüdischen Organisationen, den Europäern, hier besonders Deutschland, war dies ein Dorn im Auge und man hat die Eidgenossen erpresst bis die "Kohle" kam.
    Demokratie, Selbstbestimmungsrecht, Souveränität....., zählt dann alles nicht mehr.

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