Anklage gegen Ex-Banker
Anleger hinters Licht geführt

Sie sollen Anlegern vorgegaukelt haben, ihr Haus sei liquider als es tatsächlich war. Jetzt wurde Anklage erhoben gegen den ehemaligen Chef der Hypo Real Estate, Georg Funke, sowie sieben weitere Ex-Vorstände.
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MünchenDie Staatsanwaltschaft München hat gegen den ehemaligen Vorstandschef der Hypo Real Estate, Georg Funke, und sieben weitere Ex-Vorstände Anklage erhoben. Die Manager sollen demnach mit den Angaben zum Jahresabschluss 2007 und dem Zwischenbericht 2008 die Anleger hinters Licht geführt haben, wie die Ermittler am Montag mitteilten.

Das Führungsgremium der Bank habe während der Zuspitzung der Finanzkrise den Eindruck vermittelt, ihr Haus sei liquider als es tatsächlich war. Den Vorständen drohen wegen Verstößen gegen das Aktiengesetz bis zu drei Jahre Haft.

Zudem werde einem ehemaligen Finanzvorstand Marktmanipulation im Rahmen einer Investorenkonferenz im September 2008 vorgeworfen, erklärte die Staatsanwaltschaft ohne Namen zu nennen. Ihm drohen im Fall einer Verurteilung bis zu fünf Jahren Haft.

Der Beinahe-Zusammenbruch der Hypo Real Estate war eines der dramatischsten Kapitel der Finanzkrise. Die Bank geriet durch Finanzierungsprobleme und toxischer Wertpapiere in eine schwere Schieflage und konnte nur durch Staatshilfe vor dem totalen Kollaps bewahrt werden.

Investoren werfen dem Management des Immobilienfinanzierers vor, die Öffentlichkeit in den Jahren 2007 und 2008 über die desaströse Lage des Instituts getäuscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelte bereits seit Februar 2008 gegen den gesamten ehemaligen HRE-Vorstand um den damaligen Chef Funke.

Weitere Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit dem Kauf der Depfa sowie weiterer Vorwürfe hinsichtlich falscher Darstellung der Konzernrechnungslegung und Ad-hoc-Mitteilungen im Jahr 2008 stellte die Staatsanwaltschaft indes ein.

Es hätten sich keine Hinweise auf Pflichtverletzungen der Banker ergeben, hieß es. Die 5. Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Peter Noll muss nun über die Zulassung der fast 500 Seiten starken Anklageschrift befinden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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